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Medien & TV Sims 3 - Wie das Leben spielt
Nachrichten Medien & TV Sims 3 - Wie das Leben spielt
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19:14 05.06.2009
Vorstadt-Idylle: Eine Szene aus Sims 3.
Vorstadt-Idylle: Eine Szene aus Sims 3. Quelle: Electronic Arts
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Von Stefan Gohlisch

Stefan Gohlisch stinkt. Ein Schurke hat ihm die Dusche geklaut, jetzt verbreitet der atme Kerl eklige Schwaden. So wird das wohl nichts mit der netten Nachbarin und auch nicht mit der Karriere als „Professioneller Autor“, die er recht hoffnungsvoll eingeschlagen hat. Und obwohl dieser Gohlisch nur eine virtuelle Figur ist, trifft das seinen Spieler durchaus persönlich. So ist das eben, wenn das Leben so spielt, auch in „Die Sims 3“, dem neuesten Teil der Lebenssimulation, die diese Woche erschien.

100 Millionen Mal wurden die Vorgänger samt ihrer unzähligen Erweiterungen verkauft; das macht die „Sims“ zur erfolgreichsten Computerspiel-Serie überhaupt. Einem neuen Kapitel der Erfolgsgeschichte steht wenig im Wege. Denn „Die Sims 3“ ist keine Neu-Erfindung, sondern eine gut durchdachte Weiterentwicklung. Sie sieht besser aus, erstmals gibt es eine komplette Stadt („Sunset Valley“), in der sich die Figuren bewegen. Doch das Prinzip bleibt.

Wie gehabt erstellt man sich zunächst seinen Sim, sein virtuelles Alter Ego: Von der Masse bis zur Form und Farbe der Augenbrauen ist jedes erdenkliche Erscheinungsbild möglich – ob man nun einen grünhäutigen Punk mit Schmerbauch, eine magere Grazie mit Gesichtsbemalung oder sich selbst spielen möchte. Fast wichtiger als die Optik aber sind die fünf Persönlichkeitsmerkmale, die man wählt. Wer nun schon ein virtuelles Ebenbild durchs Spiel führen möchte und bei der Vergabe ehrlich zu sich, wird mit erstaunlichen Ergebnissen belohnt: Dem Autor dieser Zeilen wurde etwa als „Lebenswunsch“ (dessen Erfüllung zentrales Ziel des Spiels ist) das Dasein als besagter „Professioneller Autor“ empfohlen.

Gerade diese Lebensnähe mache den großen Reiz der „Sims“ vor allem für Jugendliche aus, glaubt der renommierte Medien-Journalist Thomas Feibel, der den Kindersoftware-Preis „Tommi“ initiiert hat und einmal jährlich vergibt: „Kinder gucken immer nach Rollenmodellen“, sagt er. Sonst guckten sie sich vermeintlich erwachsenes Verhalten im fernsehen an, in Serien wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ oder Shows wie „Deutschland sucht den Superstar“.

Bei „Sims“ könnten sie in einer realistischeren Umgebung austesten: „Wie ist das mit der Karriere, mit dem Partner? Was kann ich, wie wirke ich auf andere?“ Daher würden viele Jugendliche bei dem Spiel virtuelle Ebenbilder erstellen – und die ihres Schwarms gleich dazu. Das tun vor allem junge Frauen und Mädchen – mit dem Ergebnis, dass die Titel der „Sims“-Reihe zu den ganz wenigen Computerspielen gehören, die vorwiegend von weiblichen Spielern genutzt werden.

Die NP hat „Die Sims 3“ daher auch von einem Mädchen testen lassen, der 16-jährigen Charlotte aus Bennigsen. „Ich habe meinem Sim Klamotten gegeben, die ich cool fand. Toll fand ich auch, dass man alle Farben ändern konnte, jetzt teste ich gerade, was ich alles mit der Einrichtung anstellen kann.“ Ihre Figur heißt auch „Charlotte“, habe „aber rein gar nichts“ mit ihr zu tun. Ihre Eltern wirds freuen: Der Charlotten-Sim ist schwanger, der Gerichtsvollzieher war auch schon da. Die echte Charlotte findets „cool“.

Dirk Steiger ist Projektleiter beim offiziellen „Sims“-Magazin (IDG-Verlag, 6,99 Euro), das diese Woche erstmals erschien und zukünftig alle zwei Monate kommen soll. Er glaubt, dass der leicht zu bedienende Designer-Modus entscheidend für den Erfolg von „Sims 3“ sein dürfte: „Schon in der Grundversion gibt es ganz viele Optionen, Sachen selber herzustellen. Das macht unheimlich Spaß.“ Mit seinem Heft bedient er in Sachen Gestaltung und Themenwahl eindeutig die weibliche Zielgruppe: Da wird Promi-Friseur Udo Walz gebeten, die Haartracht der Sims gemäß der aktuellen Mode zu gestalten, da gibt es auf der Heft-DVD neue Einrichtungsgegenstände, da erklärt eine Designerin, wie man sich sein virtuelles Haus im Bauhaus-Stil errichtet. Was Menschen erfreuen wird, denen die klinisch saubere und doch sehr US-amerikanische Ausrichtung der Grundversion stört.

Dass all dieses möglich ist, dass die virtuelle Puppenstube aber auch voll steckt mit Humor, slapstickhaften Einlagen und – auch wenn sie nur die Fantasiesprache Simlisch sprechen – liebenswerten Figuren macht „Die Sims 3“ auch für erwachsene Spieler reizvoll. Dass der Titel, vor allem, wenn man gleich eine ganze Familie zu versorgen hat, richtig anspruchsvoll wird, dürfte auch Vielspieler interessieren. Doch letztlich läuft es auf einen Punkt hinaus, den Thomas Feibel formuliert: „Mir gefällt immer noch die Grundidee eines Spiels, in dem nicht zerstört, sondern erschaffen wird.“

„Die Sims 3“ (Electronic Arts, ab sechs Jahren, etwa 55 Euro) läuft auf Windows-PCs (XP oder Vista) und auf Macs (ab OS X 10.5.7 Leopard). Der Prozessor sollte eine Taktrate von mindestens zwei Gigahertz haben und einen Arbeitsspeicher von einem Gigabyte. Bei der Grafikkarte genügen 128 MB interner Speicher. Auf der Festplatte werden 6,5 Gigabyte an Daten abgelegt.