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Medien & TV Sie wollen Tele 5 frisch machen
Nachrichten Medien & TV Sie wollen Tele 5 frisch machen
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17:07 24.08.2012
Von Sebastian Scherer
WILL POLITIKER VERKASPERN:Der Talk „Stuckrad-Barre“läuft ab 11. Oktober auf Tele 5, jeweils donnerstags jeweils um 23.10 Uhr.
WILL POLITIKER VERKASPERN: Der Talk „Stuckrad-Barre“ läuft ab 11. Oktober auf Tele 5, jeweils donnerstags jeweils um 23.10 Uhr. Quelle: Gert Krautbauer
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Berlin

Das Soho House, der Spielplatz der Schönen und Reichen in Berlin. Nur mit Mitgliedskarte darf man sich in dem Hotel und den Bars aufhalten. Ein dekadenter Ort für die Pressekonferenz eines Senders, der bei der Quote eher außerhalb des Messbaren agiert. Hier stellt Tele 5 sein Herbstprogramm vor. Denn man hat Großes vor, „ATTA5KE“ ist das Motto, eine „Intelligenzoffensive“ startet ab Oktober.

Der Abend beginnt mit einem dramatisch geschnittenen Trailer mit Szenen aus alten Filmen. Tele 5 ist Film-Archiv-Sender, das weiß auch Geschäftsführer Kai Blasberg: „So kennen Sie uns – wenn Sie uns kennen“, sagt er. Zukünftig wird stärker selbst produziert. Darum scharte er Kritikerlieblinge um sich. Christian Ulmen schlüpft in „Ulmen.TV“ in absurde und debile Rollen, etwa Uwe Wöllner, Lebensversager aus dem Umland Hannovers. Oliver Kalkofe sichtet sich durch das Programm der Konkurrenz, um neue Folgen seiner „Mattscheibe“ zu produzieren. Der Talk von Benjamin von Stuckrad-Barre läuft künftig auch auf Tele 5. Er konnte bei der Präsentation nicht dabei sein, sein Sohn wurde Donnerstag geboren. Peter Rütten, Schreiber so ziemlich jeder früheren deutschen Late-Night-Show, darf in „Rüttens Bullshit Universum“ Filmszenen neu synchronisieren und vervollständigt das Quartett.

Teilweise laufen zuerst Wiederholungen, Stuckrad-Barre soll ab 2013 neue Folgen produzieren und absurde Gespräche mit Deutschlands Politik-Prominenz führen. Die kommt auch weiterhin, glaubt Senderchef Blasberg. 2013 ist Bundestagswahl, „die machen dann alles. Der Dicke von der FDP kommt dann jede Woche.“

Kalkofe freut sich über das Comeback seiner Sendung, in der er Grenzwertiges aus der Fernsehwelt persifliert. Das Material dafür geht ihm nicht aus. Die deutsche Fernsehlandschaft? „Immer, wenn man dachte, es ginge nicht schlimmer, kam jemand mit dem Schaufelbagger und hat noch unterkellert.“ Privatfernsehen, das seien zu oft nur noch „Bekloppte, die Bescheuerte darstellen und die Proleten-Porno-Fantasien von Nachhilfsredakteuren nachspielen“. Kalkofe kritisiert auch die Mutlosigkeit der Branche scharf. Neue Konzepte seien unerwünscht, es sei denn, sie kopierten etwas erfolgreiches.

Ulmen sieht auch Positives: „Gerade auf den digitalen Sendern von ARD und ZDF passiert eine Menge.“ Man könne zwar argumentieren, „wieso verstecken die Idioten die guten Sachen so? Aber ich finde es wichtiger, dass sie überhaupt erst einmal stattfinden.“

Tele-5-Chef Blasberg verspricht für 2013 weitere Personalien. Die Zusammenarbeit mit Thomas Gottschalk setzt der Sender aber nicht fort, der sei zu teuer. Für seine Gage ließe sich auch die Spielfilmwelle aufmotzen. „Selbst Tele 5 hat manchmal gute Filme, die ich mir auch selbst anschaue“, sagt Blasberg. Die Katastrophen laufen bald als „Die schlimmsten Filme aller Zeiten“, die Zuschauer dürfen abstimmen. Gesunde Ironie für einen Sender, den man noch nicht mit der „Ich hab was, ich bin wer“-Attitüde des Soho-Houses in Verbindung bringt. Der aber demnächst ein paar Zuschauer dazugewinnen dürfte.