Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV "Schmidt reloaded" trifft "miese Type"
Nachrichten Medien & TV "Schmidt reloaded" trifft "miese Type"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:53 03.04.2009
Gestern Abend war Schluss mit lustig: Schmidt und Pocher gehen getrennte Wege
Gestern Abend war Schluss mit lustig: Schmidt und Pocher gehen getrennte Wege Quelle: ddp
Anzeige

VON TORSTEN LANDSBERG

Von der ersten gemeinsamen Sendung an gab es zwischen Harald Schmidt und Oliver Pocher eine merkwürdige Distanz, die auch in den folgenden eineinhalb Jahren nicht überwunden wurde und schließlich in gelangweilter Abnutzung mündete.

Seit Donnerstag ist das gemeinsame Abenteuer „Schmidt & Pocher“ im Ersten nun beendet. Die letzte Sendung gleicht einem kühlen Fachgespräch über die Zukunft der Protagonisten. Einen Tag nach Bekanntwerden von Pochers Wechsel zu Sat.1 gratuliert Schmidt zum „Mega-Deal des Jahres“.

Großmütig gibt er Pocher, der seine neue Show als Geschäftsführer der Pocher Entertainment GmbH verantwortet, Tipps zur Unternehmensführung. Pocher müsse Überbrückungskredite aufnehmen, um die Kosten auch dann zahlen zu können, wenn Sat.1 noch nicht überwiesen habe.

Vom Wechsel zu Sat.1 habe Schmidt am Mittwoch durch eine Nachricht auf der Mailbox erfahren. Pocher mutmaßt, Schmidt habe auf einer Zugfahrt keinen Empfang gehabt. Der entgegnet: „Ich hab gesehen, dass Du es bist und hab Dich weggedrückt.“

Zum Konzept seiner Sat.1-Show sagt Pocher: „Ich nehm das Beste von hier mit.“ Schmidt sieht das anders: „Wieso? Ich bleibe!“ Schmidts Zukunft im Ersten wird lediglich kurz angerissen. In seinem Alter unterschreibe man eben alles, was vorgelegt werde, sagt der 51-Jährige. Seine neue Show, die am 17. September startet, wolle er „Schmidt reloaded“ nennen - eine Anspielung auf die Bemerkung seines Produzenten Fred Kogel, Schmidt spiele im Duo sein Potenzial nicht aus.

Dann steht wieder Pochers Karriere im Mittelpunkt. „Du hast die Power, Du hast das Standing“, sagt Schmidt und prophezeit, dass Pochers „Late Night“ bald täglich laufen werde. Auch, um Stefan Raab Konkurrenz zu machen, dessen Sendung kaum noch jemand sehe. “’Late Night’ kann nur einer“, versucht Pocher eine Huldigung in Richtung Schmidt. „Das stimmt“, sagt der, „aber das ist kein Grund für Dich, es nicht zu machen“.

Schmidt obsiegt - wie immer. In punkto Schlagfertigkeit konnte Pocher ihm in den gemeinsamen 18 Monaten nie das Wasser reichen. Früh war zu erkennen, dass es nicht recht passt zwischen dem erfahrenen Kabarettisten und dem jungforschen Haudrauf. Höhepunkt der Unterschiede war eine Sendung im April 2008, als Schmidt seinen Co-Moderator als „kleine, miese Type“ abkanzelte.

Ein weiterer Grund, warum „Schmidt & Pocher“ nie Fuß fassen konnte, waren unterschiedliche Anfangszeiten und oft wochenlange Pausen zwischen zwei Sendungen. Entsprechend betont Pocher, das Sat.1-Gebot entspreche finanziell dem der ARD, es sei ihm um Langfristigkeit und den Sendeplatz gegangen. Mit dem von ARD-Programmchef Volker Herres angebotenen, halbstündigen Sendeplatz am späten Samstagabend konnte er sich nicht anfreunden.

Nach Informationen des Branchendienstes DWDL war Herres in der Show ein längeres Thema, das aufgrund der Länge später rausgeschnitten wurde. Ein Umstand, der vom Ersten nicht bestätigt wird.

Auch nach dem Besuch des Komikers Ingolf Lück kommt Schmidt auf Pochers Zukunft zurück, zuweilen ansatzlos: „Freitag ist Scheiße!“, konstatiert er. Als er fragt, ob sich Pocher Sendetag und -zeit in den Vertrag habe schreiben lassen und die Wichtigkeit mehrfach wiederholt, scheint Pocher sich zu überlegen, wie er geschickt nachverhandeln könne. So selbstsicher Pocher alleine auftritt, so unsicher wirkte er oft an der Seite des Mentors.

Zwar ist Pocher der Meinung, Sat.1 zahle ihm so viel, dass seine Show zwangsläufig einen guten Sendeplatz bekäme. Schmidt kontert jedoch mit scharfem Realismus: „Diesen Heuschrecken ist egal, was sie abschreiben - ob ein Schiff oder Dich, das ist egal.“

Schließlich bietet Schmidt die direkte Konkurrenz am Donnerstagabend an und zeigt ein letztes Mal, wer Herr im Haus ist: „Wir haben Dich schon platt gemacht, als du noch bei ProSieben gelaufen bist und an Hundeärschen gerochen hast.“ ddp