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Medien & TV SPD und CDU streiten um ZDF-Chefredakteurposten
Nachrichten Medien & TV SPD und CDU streiten um ZDF-Chefredakteurposten
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18:06 25.02.2009
Nikolaus Brender (57, links) mit Peter Hahne, stellvertretender Studioleiter Berlin.
Nikolaus Brender (57, links) mit Peter Hahne, stellvertretender Studioleiter Berlin.
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Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) kritisierte am Mittwoch die zurückgehenden Zuschauerzahlen bei den politischen Informationsprogrammen des Mainzer Senders. Nach Auffassung Kochs wäre es für das ZDF besser, wenn es einen Neuanfang ohne Chefredakteur Nikolaus Brender gäbe. An Beispielen beklagte der Politiker einen Zuschauerschwund von bis zu mehr als 50 Prozent. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) wies die Vorwürfe der Union als parteipolitisch motivierte Machtspiele zurück.

Nach Angaben Kochs verlor die Nachrichtensendung „heute“ seit 2002 rund 26 Prozent seiner Zuschauer. “2008 wurden wir erstmals von ’RTL aktuell’ überholt, liegen also hinter ’Tagesschau’ und der RTL-Sendung nur noch auf Platz 3. Das hätte sich vor fünf Jahren sicher kein Mitarbeiter des ZDF vorstellen können“, sagte Koch, der auch stellvertretender ZDF-Verwaltungsratsvorsitzender ist. Das „Auslandsjournal“ habe heute 56 Prozent weniger Zuschauer, der „Länderspiegel“ 16 Prozent, das „Heute-Journal“ 10 Prozent. Im Gegensatz dazu hätten die „Tagesthemen“, die „ja keinen privilegierten Sendeplatz haben, ihre Zuschauerzahl halten können“. Es sei die Pflicht des Verwaltungsrates, solche Negativentwicklungen zu erörtern.

Die Bedenken der Unions-Seite an Brenders Arbeit seien „konstruiert“ und „vorgeschoben“, sagte Beck, der Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrats ist, in Mainz. Für eine Nichtverlängerung des Vertrages gebe es „keinen triftigen Grund, außer einem Machtspiel“. Dabei gehe es auch um eine vermeintlich wohl „genehmere“ Besetzung der Spitze des ZDF-Hauptstadtbüros. Ungeachtet der öffentlichen Äußerungen Kochs sei die „Quelle“ der Kritik an Brender dabei nicht in der Wiesbadener Staatskanzlei zu suchen, „sondern in Berlin“, sagte Beck.

Beck wandte sich an die „nicht so eng parteipolitisch gebundenen Kollegen im Verwaltungsrat“, ihre Haltung zu Brender zu überdenken. „Dieser Appell geht tief ins Kanzleramt“, unterstrich er. Es ehre zugleich ZDF-Intendant Markus Schächter, dass er so klar zugunsten Brenders Position bezogen habe.

Koch sagte hingegen, die Unterschriften prominenter ZDF-Mitarbeiter für Brender machten ihn in doppelter Hinsicht besorgt. „Zum einen glaube ich, dass es nicht gut ist für das Image des ZDF, die Diskussion in dieser Weise in die Öffentlichkeit zu tragen. Zum anderen registriere ich auch, dass sich viele sehr gedrängt gefühlt haben, eine äußere Solidarität zu zeigen, obwohl es intern in den letzten drei, vier Jahren eine sehr viel offenere Diskussion über Führungs- und Strategiefragen im Informationsbereich des ZDF gegeben hat“, sagte Koch.

CDU-Medienexperte Reinhard Grindel warf Brender fachliche Fehler vor. Die Bilanz der Arbeit von Brender falle „nicht famos aus“, sagte Grindel, der früher das ZDF-Studio in Brüssel leitete.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil rief indessen zu mehr Sachlichkeit auf. Auf gar keinen Fall dürfe die Personalie Gegenstand kleinkarierter parteipolitischer Erwägungen werden. SPD-Medienexpertin Monika Griefahn sagte: „Die Messlatte muss die journalistische Qualität sein, und die ist gut. Das sage ich, obwohl Brender auch mit der SPD nicht immer zimperlich umgeht.“

Medienberichten zufolge will die unionsnahe Mehrheit im Verwaltungsrat den Vertrag Brenders nicht verlängern, der Ende März 2010 ausläuft. ddp

24.02.2009