Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV RTL startet neue Abnehm-Doku
Nachrichten Medien & TV RTL startet neue Abnehm-Doku
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:40 06.07.2012
Von Andrea Tratner
Alexandra Iwan (46)
Alexandra Iwan (46)
Anzeige

Ist Ihre Sendung Doku oder Show?
Eine Show ist es auf keinen Fall. Die Kamera begleitet mich bei der Arbeit mit den Familien. Wir dokumentieren alles, den Weg der Entwicklung, das Auf und Ab. Sieben bis acht Monate bin ich dabei.

Wie haben Sie die Kandidaten ausgesucht?
Nach Leidensdruck. Wir haben Menschen in der Sendung, die wirklich Hilfe brauchen. Natürlich müssen die auch vor der Kamera reden können und dürfen nicht zu schüchtern sein. Sie bekommen umfassende Hilfe, dafür erzählen sie ihre Geschichte in der Öffentlichkeit.

In Privatsender-Shows wie „Kilo-Alarm“, „The Biggest Loser“ oder „Schwer verliebt“ kommen übergewichtige Menschen aber oft nicht gut weg ...
Ich habe keine dieser Shows gesehen. Ich will niemanden vorführen, sondern Familien nachhaltig helfen - und den Zuschauern einen Anstoß zum Nachdenken geben. Ich bin Ernährungswissenschaftlerin, ich meine todernst, was ich da tue. Im Moment schreibe ich gerade meine Doktorarbeit über das Thema Adipositas im Kindesalter. Mit der Sendung will ich erreichen, dass das Thema auf seriöse und verständliche Art in der Öffentlichkeit steht. Mit RTL erreiche ich einen nicht unerheblichen Teil meines Zielpublikum.

Warum suchen Menschen Hilfe im Fernsehen?
Sie stecken in einer Situation, in der sie sich selber nicht mehr zu helfen wissen. Übergewicht ist in den seltensten Fällen ein reines „Essproblem“. Oft gibt es Auslöser und Verstärker: Einsamkeit, Traurigkeit, Mobbing. Das kann dazu führen, dass sich jemand mit Essen tröstet. Man muss genau hingucken, was dahinterliegt. Manchmal geht es dann nicht mehr nur ums Essen, sondern um Selbstwertgefühl oder einen grundlegenden Wandel im Lebensalltag. Ich mache nicht nur theoretische Vorschläge und Pläne, sondern probiere alles sofort mit den Familien zusammen aus. Ich bin in der Familie, stehe in der Küche, sitze im Schlafzimmer, gehe mit zum Einkaufen und zum Sport.

Was sehen Sie da?
Zum Beispiel das Bonbon am Nachmittag, den Zucker im Kaffee viermal am Tag, die drei Kekse auf dem Weg zur Arbeit. Diese Kalorien existieren in den Köpfen der Leute oft gar nicht, weil sie nebenbei gegessen werden.

Was ist Ihr erster Schritt?
Einfach mal die Kühlschranktür aufmachen. Dann sieht man oft: ganz viel Wurst und Käse - aber die Gemüsefächer sind leer. Ein anderes Problem sind Fertigprodukte. Die haben so schöne, frische Bilder auf der Packung. Viele Menschen glauben dann, dass sie genau das darin finden.

Was halten Sie von der Lebensmittelampel?
Sie ist nicht die allein seligmachende Lösung. Aber ein Schritt in die Richtung, dass man Menschen, die wenig Wissen von gesunder Ernährung haben, erste Hinweise gibt. Studien belegen, dass Übergewicht in sozial schwachen Schichten viel häufiger vorkommt. Keimzelle ist ganz häufig die Familie. Dicke Eltern, dicke Kinder - das ist ein Kreislauf, aus dem man ausbrechen muss.

Wie ernähren Sie sich selber?
Ausgewogen. Bei uns gibt es keine Extreme, wir gehen den klassischen Mittelweg. Aber bei uns wird überwiegend frisch gekocht, und ich verwende sehr viel Gemüse und Obst. Meine Kinder - und ich auch - wir essen auch mal Nuss-Nugat-Creme. Die Dosis macht das Gift.