Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV Quizduell: Ein Land voller Besserwisser
Nachrichten Medien & TV Quizduell: Ein Land voller Besserwisser
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 23.02.2014
Von Christian Lomoth
ALLES IST SCHÖN EINFACH: So sieht die Benutzeroberfläche aufdem Handy oder iPad aus. Gegner suchen, Kategorie wählen und losquizzen. Für jede Antwort hat man 30 Sekunden Zeit. Viel Spaß!
ALLES IST SCHÖN EINFACH: So sieht die Benutzeroberfläche auf dem Handy oder iPad aus. Gegner suchen, Kategorie wählen und losquizzen. Für jede Antwort hat man 30 Sekunden Zeit. Viel Spaß!
Anzeige
Hannover

Ja, ich arbeite ja gleich weiter. Nur noch dieses EINE Spiel. „Sport und Freizeit“, sehr gut. Drei Fragen, drei richtige Antworten, warten. Jawoll, Spiel gewonnen, sehr gut, ich klettere weiter im Ranking nach oben.

Deutschland quizzt. Überall und zu jeder Tageszeit. Am Handy. „Es ist der ideale Pausenfüller. Man kann es an der Bushaltestelle spielen oder im Supermarkt in der Schlange“, erklärt Christian Wölbert, Redakteur der in Hannover ansässigen Computerzeitschrift „c’t“, die Faszination des Spiels „Quizduell“, „und man kann mit seinem Allgemeinwissen angeben.“ Deutschland, das Land der Besserwisser. Man könnte auch Klugscheißer sagen. Das hat jedenfalls der Duell-Erfinder getan, der Schwede Robert Willstedt. Auf die Frage, warum seine Idee ausgerechnet in Deutschland so populär ist, antwortete der 31-Jährige in einem Interview: „Ich glaube, dort wohnen einfach die meisten Klugscheißer.“

Mehr als zwölfeinhalb Millionen sind es bereits, und die Zahl der Teilnehmer steigt minütlich. „Man weiß natürlich nicht, wie viele sich das Spiel nur herunterladen und nur einmal nutzen“, so Wölbert, „aber die Zahl ist schon gigantisch.“

Ein weiterer Grund für diesen Erfolg: Das Spiel ist so unfassbar simpel. Auf das Handy laden, Pseudonym ausdenken, Startbutton drücken, das Duell kann sofort beginnen. Die Benutzeroberfläche ist simpel, der Spieler bekommt drei Kategorien zur Auswahl. „Geld und Macht“ zum Beispiel, „Comics“, „Computerspiele“ oder „Draußen im Grünen“. Drei Fragen gibts zu jeder Kategorie, und dann vier Antwortmöglichkeiten. Und entweder leuchtet es grün (richtig) oder rot (falsch). Was hat der Gegner gewusst, was nicht? „Es macht einfach Spaß, sein Wissen zu zeigen“, sagt Willstedt. Und es ist so schön, recht zu haben. Und noch schöner ist es, wenn der Kontrahent danebenlag.

Man kann sich seine Gegner aussuchen, entweder Freunde herausfordern oder den Button „beliebiger Spieler“ drücken. Nebenher können beide chatten - gerade bei den Jüngeren sehr beliebt. Die quizzen auch viel, auch wenn sie häufig raten müssen. Egal, es ist ja auch der Hauch des Verbotenen dabei. „Wenn der Lehrer den Raum verlässt, holt ein Drittel das Handy raus und spielt ,Quizduell‘“, erzählt ein 16-Jähriger aus Bemerode. Ist ja auch eine Art von lernen ... So simpel das Spiel ist, so speziell sind etliche Fragen - wo nur noch das Raten übrig bleibt. Die ersten 8000 Fragen hat sich der Chef mit seinem Bruder und zwei Freunden selbst ausgedacht - seither lässt der ehemalige Lehrer aber auch die Nutzer arbeiten. Die dürfen auch Fragen schreiben und anbieten. Allerdings dauert es angesichts der Masse derzeit relativ lange, bis die geprüft worden sind. „Da haben die Macher alle Hände voll zu tun“, so der Spieleexperte Wölbert. Folge: Wer häufig spielt, stößt immer häufiger auf bekannte Fragen - und kann nur hoffen, dass er sich die richtige Antwort gemerkt hat.

Mehr als zwölf Millionen Nutzer allein in Deutschland - macht das den Entwickler reich? Fraglich, meint der „c’t“-Experte: „Die meisten spielen sicher die kostenlose Version. Dann haben sie zwar Werbung, aber da weiß man auch nicht genau, wie viel das bringt.“ Wer die Premium-Version will, zahlt 2,69 Euro. Rund 30 Prozent bekommt Apple, bei Google mit dem Android-System sei das ähnlich, so Wölbert. Wie viele für das Spiel bezahlt haben, darüber schweigt Willstedt. Reich sei er aber nicht, verrät er - und verweist auf die Mitarbeiter, die er eingestellt hat. Zehn Vollzeit- und 40 Teilzeitkräfte kontrollieren die eingehenden Fragen, kümmern sich um Beschwerden und entwickeln Pläne. Denn der Boom will genutzt werden: So soll es schon im April eine „Quizduell“-Fernsehshow geben, ein Brettspiel soll ebenfalls bald kommen - ein Buch ist gerade auf den Markt gekommen.

Wie bei jedem erfolgreichen Computerspiel tauchen auch Hacker auf, die die App manipulieren können. So meldete sich auch bei der NP ein Leser und wollte zeigen, wie man jedes Spiel gewinnen kann. „Das kann man tatsächlich auch im Internet nachlesen“, so Wölbert. Aber wer betrügen will, kann die Antworten natürlich auch parallel zum Spiel bei Google finden - wenn man schnell genug ist. Spaß macht das aber nicht. Dann doch lieber klug- als bescheißen.

So, der Verlierer von vorhin will eine Revanche. Kein Problem. Das nächste Duell beginnt.