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Medien & TV Presserat rügt "Bild" für Amok-Berichte
Nachrichten Medien & TV Presserat rügt "Bild" für Amok-Berichte
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14:29 22.05.2009
Amoklauf: Die Albertville-Realschule in Winnenden.
Amoklauf: Die Albertville-Realschule in Winnenden. Quelle: ddp
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Die Darstellung des Amokläufers Tim K. in einer Fotomontage mit den Überschriften „Seid ihr immer noch nicht tot?“ und „Wie wurde so ein netter Junge zum Amokschützen?“ sowie eine Grafik, die eine Situation des Geschehens vermittelte, seien „unangemessen sensationell“, urteilten die Beschwerdeausschüsse des Rates. Sie erteilten dem Blatt ebenso eine öffentliche Rüge wie „Bild Online“, das die Grafik übernommen hatte.

Der Internetauftritt des Blattes erhielt zudem eine sogenannte nicht-öffentliche Rüge, weil durch die Nennung der vollen Vor- und Nachnamen mehrerer Opfer gegen die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen und Hinterbliebenen verstoßen worden sei.

Eine nicht-öffentliche Rüge bedeutet, dass das gerügte Medium nicht zur Veröffentlichung der Rüge verpflichtet ist. Von dieser Verpflichtung kann der Presserat etwa aus Gründen des Opferschutzes absehen.

Insgesamt sah das Gremium den Pressekodex in der Winnenden-Berichterstattung in 13 Fällen verletzt. In den meisten Fällen wurden die Ziffer 8 (Persönlichkeitsrechte) und die Ziffer 11 (Sensationsberichterstattung) verletzt. Neben den drei Rügen sprach der Rat fünf Missbilligungen und fünf Hinweise aus. Deren Empfänger werden vom Presserat nicht öffentlich gemacht.

Insgesamt hatten sich 79 Leser gegen Beiträge über den Amoklauf, bei dem der 17-jährige Täter am 11. März 15 Menschen und sich selbst getötet hatte, in Print und Online beschwert. In 47 Fällen hatte der Presserat Beschwerdeverfahren eingeleitet. ddp