Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV Online-Lexikon auch als Buch
Nachrichten Medien & TV Online-Lexikon auch als Buch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:25 08.02.2009
Wikipedia gibts auch in gedruckter Version
Wikipedia gibts auch in gedruckter Version
Anzeige

Unter der Rubrik „Buch erstellen“ in der linken Navigationsleiste ist es nun möglich, Lexikon-Artikel auszuwählen, nach eigener Systematik zusammenzustellen und als gebundenes Buch mit eigens gewähltem Titel zu bestellen. Entwickelt wurde dieser Service von der Mainzer PediaPress GmbH gemeinsam mit der Wikimedia Foundation, der Organisation hinter dem Internet-Lexikon.

Schon 2005 hatte der Berliner Zenodot Verlag Pläne für eine nach Themen sortierte Veröffentlichung der Wikipedia in 100 Bänden, gab seine Bestrebungen jedoch nach neun Bänden auf. Im Frühjahr 2008 präsentierte Bertelsmann ein einbändiges Wikipedia-Lexikon, das 50 000 der am häufigsten aufgerufenen Stichwörter in Auszügen aufgriff, und das - wie ein Jahrbuch - den „Zeitgeist der Gesellschaft“ widerspiegeln sollte, wie es von Verlagsseite hieß.

Unter den ersten Kollektionen, die über die „Buchfunktion“ von PediaPress bestellt wurden, finden sich Titel wie „Wissenswertes zum Karlsruher SC von 1894 bis Februar 2009“ oder „Onlinemarketing & Web2.0 - das Kompendium, Stand 1/2009“. Das Spezifische der Themen sei ein Grund für den Erfolg. Doch auch „in Sachen Aktualität sind die Bücher im Vergleich zu klassischen Büchern unschlagbar“, sagt PediaPress-Geschäftsführer Heiko Hees. Außerdem sei die gesuchte Information besser gebündelt: „In Fachbüchern sind häufig nur einzelne Kapitel für den Leser interessant, kaufen muss er aber das ganze Buch. So wie bei Tonträgern, ehe es den iTunes-Store gab.“

Ein weiteres Argument ist der Preis, der sich an der Seitenzahl orientiert. „Bei Amazon kostet das günstigste neue Buch zum Thema Bioinformatik 25 Euro (230 Seiten, Stand 2002). Ein vergleichbares, aktuelles Buch (Stand 2009) aus der Wikipedia kostet bei gleicher Seitenanzahl die Hälfte“, sagt Hees. Nach seinen Angaben wird ein solches Buch innerhalb von drei Tagen gedruckt und versendet. Zehn Prozent des Erlöses von jedem verkauften Buch gehen an die Wikimedia Foundation.

Sebastian Moleski, Vorstandsmitglied von Wikimedia Deutschland, begrüßt die Neuerung: „Wir erreichen damit eine stärkere Offline-Nutzung der Inhalte, zum Beispiel im Klassenzimmer oder in erwachsenenorientierten Weiterbildungsangeboten.“ Durch die neue Buchfunktion werde es „sehr einfach“, Artikel zu Themengebieten zu bündeln und zielgerichtet als Materialien für den Einsatz im Unterricht zu verwenden. Diese Funktion sei auch für die gemeinnützige Institution Commonwealth Of Learning (COL) von Interesse.

COL setzt sich weltweit für die kostenfreie Verbreitung von Lehr- und Lernmitteln ein und hat einen Teil des PediaPress-Projekts finanziert. Die „Buchfunktion“, mit der man Bücher ebenso wie Portable Document Formate (pdf) erstellen kann, lässt sich auf allen Wikis installieren. Im Internet verfügbare Lehrinhalte könnten so in Ländern mit geringer Internetabdeckung und eingeschränktem Angebot an Lehrbüchern größere Verbreitung finden und mit geringen Kosten genutzt werden.

Wikipedia wächst allein in der deutschsprachigen Edition um rund 500 Artikel täglich. Doch obwohl es massenweise genutzt wird, hat es noch immer ein Reputationsproblem: Ein Wiki ist eine Sammlung von Webseiten, die von den Benutzern nicht nur gelesen, sondern auch zumeist direkt bearbeitet werden können - Vandalismus ist daher nie ausgeschlossen. Dass längst nicht alles perfekt ist, hat Philipp Birken, ebenfalls im Vorstand der Wikimedia Deutschland, erst kürzlich eingeräumt. Zugleich betonte er: „Qualitative Verbesserungen sind ein kontinuierlicher Prozess.“

Dass die Maßnahmen von Wikimedia zur Qualitätssicherung greifen, belegt die im November 2008 zum zweiten Mal an Wikipedia-Autoren verliehene Zedler-Medaille. Die Mainzer Akademie der Wissenschaft und der Literatur, die Wikimedia Foundation und die Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“ honorieren damit herausragende Leistungen auf dem Gebiet der allgemeinverständlichen Vermittlung eines wissenschaftlichen Themas. ddp

03.02.2009
29.01.2009