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Medien & TV Nuray Karaca – mit 18 fit fürs Kanzleramt
Nachrichten Medien & TV Nuray Karaca – mit 18 fit fürs Kanzleramt
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14:00 03.06.2009
Kann sie Kanzlerin? Schülerin Nuray Karaca steht im Finale des ZDF-Kanzler-Castings.
Kann sie Kanzlerin? Schülerin Nuray Karaca steht im Finale des ZDF-Kanzler-Castings. Quelle: ddp
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Das selbstbewusste Auftreten hat wohl auch mit ihrem persönlichen Hintergrund zu tun. Als Kind türkischer Eltern habe sie es „nicht immer leicht gehabt“, erklärt sie: „Viele haben ein schlechtes Bild von Migranten.“ Das will sie korrigieren, auch am 19. Juni im Finale der ZDF-Sendung „Ich kann Kanzler!“.

In ihrer Freizeit leistet Karaca Integrationsarbeit, initiierte an der Wiesbadener Leibniz-Schule das Projekt „Crossing the bridge“. Mädchen aus den elften Klassen greifen dabei jüngeren Schülerinnen aus sozial schwachen oder Migrantenfamilien unter die Arme. Für das Projekt wurde der Schule vergangenen November der Integrationspreis des Landes verliehen. Nun soll das Patenprojekt bundesweit aufgelegt werden, erstmals auch für Jungs, berichtet die junge Frau. „Man muss Migranten fördern, da schlummert viel Potenzial“, sagt Karaca.

Anfang des Jahres stieß sie im Internet auf die ZDF-Sendung und entschloss sich kurzerhand, eine Bewerbung abzuschicken. „Ich bin jung, kompetent, engagiert - ich hätte mich geärgert, wenn ich mich nicht beworben hätte“, erzählt die 18-Jährige. Ein Kanzler brauche nicht nur Intelligenz, sondern auch Charakterstärke, müsse Menschen mitreißen und motivieren können. Anscheinend vereint Nuray Karaca diese Eigenschaften, immerhin überzeugte sie die vierköpfige Jury in der Vorauswahl und setzte sich gegen Dutzende Mitbewerber durch.

„Mein Vater hatte anfangs ja ein bisschen Bedenken, dass ich da mitmache“, sagt die Schülerin, die sich auch bei der Grünen Jugend engagiert. Er habe Bedenken gehabt, dass die Show „auf DSDS-Niveau abläuft und mich jemand vor laufender Kamera fertigmacht“, erläutert sie. Ihrem Vater konnte sie die Sorgen nehmen, ihre übrige Familie sei ohnehin begeistert von ihrer Teilnahme gewesen. „Mein Opa war ganz aus dem Häuschen, als das ZDF mich zu Hause besucht und einen Film über mich gedreht hat“, erzählt Nuray Karaca stolz.

Am Job der Kanzlerin reize sie, „dass man total viel bewegen kann“. Die Gesellschaft sei an einem Punkt angekommen, „wo sie sich verändern sollte - und ich will das mitgestalten“, sagt sie. Ob sie später tatsächlich mal in die Politik möchte, weiß die 18-Jährige im Moment noch nicht. Ausschließen will sie es aber nicht. Zunächst einmal will sie „General Management“ an einer kleinen hessischen Privatuni studieren - wenn sie dort ein Stipendium bekommt. „Aber vielleicht gehe ich ja über die Wirtschaft später in die Politik“, sagt sie.

Bis dahin hat sie noch viel Zeit. Jetzt konzentriert sie sich erst einmal auf das Show-Finale am 19. Juni. Extra lernen oder sich vorbereiten will sie nicht. „Es ist doch albern, jetzt Rhetorikkurse zu besuchen oder Geschichtsdaten zu büffeln“, findet sie. Sie wolle vielmehr mit ihrer Natürlichkeit und mit ihren Inhalten überzeugen, nicht so sehr mit geschliffener Rede. Juror Günther Jauch habe sie im Vorentscheid gefragt, ob sie nicht zu idealistisch sei, erzählt sie:
„Aber es ist doch gut, hochgesteckte Ziele zu haben.“

Vor den Aufgaben im Finale ist der jungen Frau nicht bange. Auch wenn sie noch nicht weiß, was genau dort auf sie zukommt. Ihren fünf Kontrahenten im Finale fühlt sie sich auch gewachsen. „Ich bin jung, Migrantin und eine Frau - die kann ich schlagen“, sagt sie. Mit den fünf Mitbewerbern will sie sich trotzdem nicht weiter beschäftigen. Zumal, weil aus deren Umfeld schon die ein oder andere Gemeinheit in die Welt gesetzt worden sei. „Im Internet steht über mich: Schönheit alleine reicht nicht. Das fand ich ziemlich gemein“, sagt sie.

Und dann sagt Nuray Karaca doch noch etwas über einige ihrer Mitbewerber. Zum Teil seien die schon professionell politisch aktiv, einige hätten schon eine kleine Parteikarriere hinter sich. „Das ist schade, weil wir frischen Wind in der Politik brauchen“, findet sie. Ihre Mitgliedschaft bei den Jungen Grünen sei da etwas anderes: „Ich habe da viel Freiraum und muss nicht alles toll finden.“ ddp

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