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Medien & TV "Nicht nachmachen!": Wigald Boning und Bernhard Hoëcker zündeln im ZDF
Nachrichten Medien & TV "Nicht nachmachen!": Wigald Boning und Bernhard Hoëcker zündeln im ZDF
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10:48 27.06.2012
UND ACTION! 
Bernhard Hoëcker (links) und 
Wigald Boning fackeln nicht lange 
bei ihren Experimenten.
UND ACTION! Bernhard Hoëcker (links) und Wigald Boning fackeln nicht lange bei ihren Experimenten. Quelle: ZDF
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Herr Hoëcker, Sie haben Volkswirtschaftslehre studiert bis zum Vordiplom ...

Das klingt nur spießig, weil die Leute Mathematik nicht mögen. Ich habe das sehr geliebt, Mathe ist ein faszinierendes Werkzeug. Man trifft in meiner Branche aber sehr selten Menschen, mit denen man über die heisenbergsche Unschärferelation sprechen kann. Beim Wort „Kurvendiskussion“ steigen die meisten aus Gesprächen aus.

Sie machen ziemlich viele unterschiedliche Dinge im TV ...

Ich habe das mit dem Showgeschäft ja alles nicht gelernt, immer nur das getan, woran ich Spaß habe. Mir ist wichtig, viele verschiedene Dinge zu tun, das hält den Geist frisch. Gleichzeitig hilft mir mein VWL-Studium, weil ich mir über so etwas wie Altersrücklagen Gedanken mache.

„Nicht nachmachen!“ ist als Infotainment angekündigt. Das Konzept klingt nach spaßiger Zerstörung. Was daran ist Info?

Es gibt Gerüchte, dass Grafiken gezeigt werden und Experten zu den Versuchen ein paar Sachen sagen. Da lernt man dann sogar noch was! Aber ernsthaft, das sensibilisiert schon. Ich habe vor Weihnachten im Internet gesehen, wie schnell ein brennender Adventskranz ein ganzes Zimmer in Brand setzt. Da ist man danach doch vorsichtiger.

Hat was wehgetan beim Dreh?

Einmal habe ich mich verbrannt, weil ich einen Handschuh nicht weit genug vom Gesicht weggehalten habe. In der Maske wurde ich dann gefragt, wieso ich mir die Wimpern so schief abgeschnitten habe. Dann haben wir mal einen Grill mit Magnesium angezündet, das verbrennt mit 3000 Grad. Ich hatte so eine Art Sonnenbrand am Hinterkopf. Und den Fuß habe ich mir einmal beim Wegrennen verstaucht. Immerhin: Wigald und ich können jetzt beide mit einem Atemzug eineinhalb Minuten moderieren, weil es so oft verraucht war. Auch ein Talent!

Wigald Boning: "Feuerwerk im Wohnzimmer? Da geht mir das Herz auf."

Erklären Sie uns bitte „Wissenschafts-Comedy“.

Lust an der Zerstörung ist eine Leidenschaft des Menschen. Auch wenn Vandalismus selber nicht philosophisch ist (lacht). Aber jeder guckt gerne zu, wenn ein Fabrikschornstein gesprengt wird. Wir haben das Privileg, Dinge auszuprobieren, die man tunlichst nicht machen sollte, die verboten und gefährlich sind. Im Wohnzimmer zündeln, mit Magnesium grillen. Was passiert, wenn man den Fußball mit Wucht auf die Schrankwand schießt? Meine Eltern gingen damals davon aus, dass da was kaputtgeht. Nach dem Experiment wissen wir: Jawohl, das stimmt!

Was hat am meisten Spaß gemacht?

Zu sehen, wie ein Feuerwerk im Wohnzimmer explodiert, da geht einem das Herz auf. Ich war verblüfft, wie groß die Zerstörung war. Eine normale Batterie Raketen hat mehrere Zimmerbrände ausgelöst. Eine Rakete schlug sogar durch die Rigips-Platte in der Decke! Auch ein kleiner Knallfrosch hatte eine große Wirkung und viel Rauch entwickelt. Ich hab das unterschätzt und dachte, ich kann zwei Sätze moderieren ohne Atemschutzmaske. Ich bin dann mit einer kleinen Rauchvergiftung nach Hause.

Haben Sie keine Angst, dass alle Eltern Sie wegen dieser Sendung hassen werden?

Oh, wir übernehmen eine wichtige Ventilfunktion in der Gesellschaft (lacht). Artige Kinder nehmen den Titel der Sendung „Nicht nachmachen!“ ernst. Und die Sendezeit ist ja auch erst um 22.30 Uhr.

Gabs denn neue wissenschaftliche Erkenntnisse?

Man kann Sahne auch mit einem Außenbordmotor in einem Regenfass schlagen. Es ist aber viel übergelaufen, das war bei den frühsommerlichen Temperaturen dann ein Problem ...

Was sagen wohl Ihre Chemie- und Physiklehrer, wenn sie die Sendung sehen?

Meine Schwachpunkte in der Schule waren lustigerweise Chemie und Physik. Es ist die Ironie meines Lebenslaufes, dass ich ausgerechnet damit jetzt so viel zu tun habe. Der Trick war schon bei der „Clever“-Show: Wenn man selber schlecht war, kann man den Zuschauer mit Wissen kaum überfordern.

Zu Ihrem Hobby: Sie sammeln Einkaufszettel?

Ich mach das seit 1999 und habe schon über 1000 Stück. In den letzten Jahren hat das eine Eigendynamik bekommen. Ich poste fast jeden Tag bei Facebook Einkaufszettel – die dann von einer großen Fangemeinde diskutiert werden. Aktuell veranstalte ich sogar Dia-Vorträge zu dem Thema.

Was erkennt man an den Zetteln anderer Leute?

Das ist ein Fass ohne Boden, das wird nie langweilig. Wie sind sie gefaltet oder zerknittert? Auf welchem Papier steht die Liste? Welcher Stift wird benutzt? Wie viele verschiedene Schriften sind auf demselben Zettel? Rechtschreibfehler sind natürlich ein stete Quelle der Komik. Und Begriffspaare wie „Wimperntusche“ und „Fliegengitter“ sind doch herrlich!

DIE SENDUNG

„Der 7. Sinn“ oder doch Monthy Python? Freitags läuft im ZDF ab 22.30 Uhr sechsmal die neue Wissenschaftscomedy „Nicht nachmachen!“. Wigald Boning und Bernhard Hoëcker zeigen etwa 60 Experimente, vor denen Eltern und Experten dringend warnen. Das Original stammt aus Norwegen, die Sendung ist ein Exportschlager und wurde schon nach Dänemark, Großbritannien und Kanada verkauft.

Das Labor der beiden Comedians ist ein zum Abriss stehendes Haus, das mit Möbeln vom Sperrmüll nochmal wohnlich gemacht wurde. Von dem am Ende der chemischen und physikalischen Abenteuer aber nicht mehr viel übrig geblieben ist. Die Dreharbeiten liefen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ab, Feuerwehr und Sicherheitskräfte waren immer vor Ort – und oft im Einsatz.

Wissenschaft und Informationen gibt es aber auch: Die beiden Moderatoren erklären Hintergründe und Fakten zu jeder Wohnzimmer-Katastrophe.