Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV NDR-Großprojekt will Niedersachsen porträtieren
Nachrichten Medien & TV NDR-Großprojekt will Niedersachsen porträtieren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:53 20.02.2012
Was machen die Niedersachsen eigentlich so den ganzen Tag über? Quelle: Martin Steiner
Anzeige
Hannover

Sollten irgendwann Außerirdische in Norddeutschland landen und sich fragen, wie die Leute hier früher gelebt haben, müssen sie sich künftig ganz einfach 18 Stunden lang eine NDR-Dokumentation anschauen. Noch gibt es das Mammutwerk nicht, aber es wird bereits vorbeireitet und hat auch schon einen Titel: „Der Tag der Norddeutschen“ soll zeigen, wie 100 Einwohner den 11. Mai 2012 verbracht haben.

An diesem Tag werden 100 Kamerateams in ganz Norddeutschland ausschwärmen und 100 Protagonisten von morgens um 6 Uhr bis um Mitternacht begleiten – 18 Stunden lang. Was bei den Gefilmten in Göttingen, Bremen, an Nord- oder Ostseeküste, im Harz, in der Lüneburger Heide, Hannover oder auch anderswo passiert, dürfte insgesamt ein ziemlich repräsentatives Bild ergeben. Und das Ungewöhnliche dabei ist: Jeder kann mitwirken in dem Film oder auch andere vorschlagen. Vom morgigen Mittwoch bis zum Freitag, 11. November, nimmt der NDR online Bewerbungen entgegen.

Anzeige

Schon jetzt preist der NDR das Projekt als „einzigartiges Zeitdokument“ für den Norden an. Da könnte was dran sein: 1800 Stunden Film kommen am Ende zusammen, für eine einmalige Sichtung muss also eine Person 75 Tage lang rund um die Uhr vor einem Monitor sitzen. Und dann fängt die eigentliche Arbeit erst an: Der Materialberg muss in eine visuelle Form gebracht werden – innerhalb eines halben Jahres. Am 10. November 2012 ist die Ausstrahlung im NDR geplant.

Bei der Umsetzung spielt Hannover eine entscheidende Rolle: Die Realisierung liegt in Händen der TV Plus Fernsehproduktion, die Filmförderer von der Nordmedia unterstützen das Projekt mit gut einer Million Euro, und die Filmemacherin und Fotografin Franziska Stünkel („Vineta“) entwickelt das dramaturgische Konzept. „Das Ganze ist eine Wundertüte“, sagt die sichtlich begeisterte Stünkel. „Die Gleichzeitigkeit in der Vielfalt“ will sie entdecken. Selbstverständlich gehe es auch um die Suche nach den besonderen Momenten, nach Geschichten, sonst wird es ja langweilig, aber keinesfalls sind Superstars vor der Kamera gefragt.

Ob Rentner, Hebamme, Hausfrau, Leistungssportler, Bauarbeiter, Fischer oder Arbeitslose, ob alt oder jung, reich oder arm: Jeder ist willkommen. Stünkel wird mit ihrem Team aus den Bewerbungen eine Vorauswahl herausfiltern. Über die endgültigen 100 Teilnehmer entscheiden wiederum die Norddeutschen selbst in einem Internetvotum.

Ein einziger Darsteller ist jetzt schon gesetzt, wiederum ein Hannoveraner, der Musikproduzent Mousse T. Und was er an jenem Freitag, 11. Mai 2012, tun wird, ist schon ziemlich klar: Wir werden ihn auf dem Expo-Gelände bei der Arbeit im Studio sehen. Mousse T. komponiert die Musik für den „Tag der Norddeutschen“.

Aus norddeutscher Sicht könnte man allerdings nachfragen, wieso der NDR es bei 18 Stunden belässt: In der Hauptstadt lief vor zwei Jahren die ganz ähnlich gelagerte Dokumentation „24h Berlin – Ein Tag im Leben“ – aber vielleicht ist da nachts auch mehr los als im Norden. Die Berliner Sendung wurde als rekordverdächtig fürs Guinnessbuch und als Fernsehereignis gefeiert. An dieses Projekt knüpft der NDR offenkundig an – und vielleicht ist auch der Vergleich der Protagonisten erhellend.

Stünkel geht es auch darum, Klischees zu überprüfen – und möglicherweise zu entkräften. Die Regisseurin glaubt nicht daran, dass die Norddeutschen tatsächlich so wortkarg, kauzig und ungesellig sind, wie sie in Spielfilmen oder in der Werbung gerne präsentiert werden. Im Idealfall entpuppt sich „Der Tag der Norddeutschen“ nach Stünkels Worten als ein „Gemeinschaftserlebnis in den Herzen und Köpfen“. Das wäre ein schönes Ergebnis – sicher auch für etwaige außerirdische Zuschauer, die irgendwann in der Zukunft neugierig auf die Norddeutschen des Jahres 2012 zurückblicken.

Bewerbungen von Mittwoch bis zum Freitag, 11. November im Internet: www.ndr.de/dertag