Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV NDR-Doku: Ein Hoch auf das Leben
Nachrichten Medien & TV NDR-Doku: Ein Hoch auf das Leben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:47 12.06.2012
Von Nora Lysk
MASEL TOV – VIEL GLÜCK:
Ein NDR-Film zeigt jüdisches Leben in Hannover – dazu gehören auch rauschende Hochzeitsfeiern.
MASEL TOV – VIEL GLÜCK:Ein NDR-Film zeigt jüdisches Leben in Hannover – dazu gehören auch rauschende Hochzeitsfeiern.
Anzeige
Hannover

Sie haben nichts miteinander zu tun – und doch sehr viel: Rechtsanwältin Katharina Seidler, Professor Andor Izsák, Rabbiner Benjamin Wolf. Sie sind Juden, leben in Hannover und sind Protagonisten in der NDR-Produktion „Auf das Leben! Jüdisch in Deutschland“. Die ARD zeigt sie am Sonnabend, 16. Juni, um 17.55 Uhr.

Es ist kein Zufall, dass die Dokumentation in Hannover spielt. Hier befand sich vor 1933 eine der größten jüdischen Gemeinden Deutschlands. Heute, fast 80 Jahre nach Holocaust, beginnt hier das jüdische Leben wieder langsam zu florieren. „Begraben werden will ich in Hannover. Nicht in Israel, denn Hannover ist mein Zuhause“, sagt Izsák dazu.

Zuhause in Hannover ist auch Familie Seidler. Vor drei Jahren zog die liberale Gemeinde in eine umgewidmete Kirche in Stöcken. Wenn man den Sprecher der Orthodoxen nach seinen liberalen Nachbarn fragt, so antwortet der nur knapp: „Ich weiß darüber nichts.“

Dazwischen bewegt sich Izsák. Der Begründer des europäischen Zentrums für synagogale Musik übt mit seinem Chor auch mal in einer christlichen Kirche. „Mit dem Kopf liberal und mit dem Bauch orthodox“, das sei seine Art.

Das ist die eine Seite des Films. Die andere erzählt vom Leben. Wenn Familie Seidler den Sabbat vorbereitet und Tochter Rebecca zur Feier des Tages den Psalm singt. Ihr Vater die Hochzeitsrede vorbereitet und immer wieder scheitert, weil das Manuskript in den Tiefen seines Computers verschwindet. Man lacht und weint. Und wünscht Rebecca Seidler zur Trauung gemeinsam ein fröhliches „Masel tov“ („Viel Glück“).

Erst wenn Sonne untergeht, schwenkt die Kamera zum Fackelläufer an Hannovers Maschsee. Dessen Siegerpose erinnert an die verfehlte Epoche von 1933 bis 1945, die bis heute hin und wieder ihr hässliches Gesicht zeigt. Ohne oberlehrerhaft zu werden, zeigt Autorin Gesine Enwaldt Bilder aus einer Welt, die vielen bisher verschlossen geblieben ist. Andor Izsák lebt in dieser Welt und er ist stolz auf den Film. Schließlich sei er es gewesen, der damals mit dem Vorschlag zum NDR ging, doch mal etwas über seine Musik zu machen: Synagogen-Musik aus Hannover.

Doch Redakteur Jürgen Meier-Beer fand den Menschen, der da vor ihm stand, viel interessanter. Und so ist am Ende ein Portrait über Menschen in Hannover entstanden, die zwar eine Geschichte eint, aber unterschiedlicher nicht sein könnten.