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20:03 17.10.2011
Bisschen „Harry Potter“, bisschen „Herr der Ringe“: Arthur (Bradley James, l.) und Merlin (Colin Morgan) sind die Stars der Fantasy-Serie. Quelle: SuperRTL
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Eigentlich kann dieses Schloss kaum wahr sein. Wie aus der Zeit gefallen steht es in Pierrefonds, unweit von Paris. Mit seinen Türmen und Zinnen, den Säulen und Wasserspeiern erinnert es mehr an Märchen denn an echte Historie. Kein Wunder: Das Château ist gefälscht, eine Rekonstruktion. Napoleon III. hat auf den Ruinen der mittelalterlichen Festung vor 150 Jahren sein privates Disneyland gebaut. Michael Jackson wollte das Vorbild für Schloss Neuschwanstein kaufen.

Alles nur Fassade. Was besonders in dem Moment deutlich wird, als eine Schar Ritter über den Burghof rennt, schwer bewaffnet, mit finsterem Blick. Ritter? Filmritter! Im Wahrzeichen der französischen Kleinstadt entsteht an diesem Tag die Fernsehserie „Merlin“. Und dass in Pierrefonds schon die vierte Staffel des Fantasy-Abenteuers gedreht wird, liegt auch an Bradley James. „Helden, Moral, runde Tische – und am Ende siegt das Gute“, sagt der Darsteller von Prinz Arthur und räkelt sich neben den schnaufenden Statisten im Regiestuhl: „Wir passen in jeden Kulturkreis.“ Bradley James gibt drei deutschen Reportern zwischen zwei Klappen ein Interview. Wenn Julia Resch das bloß sehen könnte!

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Resch aber steht draußen vor dem Burgtor und wartet. Sie wartet oft. Viermal ist Julia Resch bereits aus Lübeck nach Pierrefonds gereist, stets auf der Suche nach den Stars, ihren Stars. Vergebens. „Ich hab’ noch keinen Hauptdarsteller je getroffen“, sagt der Superfan der Superserie, die in 183 Ländern rund 200 Millionen Zuschauer erreicht. Mehr als einst „Dallas“, mehr als nun „Dr. House“, mehr als jede Serie jemals. In Deutschland läuft die dritte Staffel der Serie zurzeit auf SuperRTL, immer mittwochs um 20.15 Uhr.

Dabei sind Fantasy-Abenteuer wie dieses schnell erzählt: Strahlende Helden fertigen einen Schurken nach dem anderen ab, bis auch der letzte besiegt ist und die Hochzeitsglocken läuten. So funktionieren auch „Die neuen Abenteuer“ von „Merlin“, einer Neuauflage der König-Arthus-Saga. Und doch geht es bei der „Prequel“ genannten Fortsetzung einer bekannten Geschichte nach hinten komplexer zu als bei anderen Märchen. Nicht nur, weil dieses schon 39 Folgen hat.

Die Titelfigur (Colin Morgan) aus der Tafelrunden-Sage erreicht als junger Kerl Camelot (Pierrefonds), wo der König (Anthony Held) die Zauberei verbietet, was Merlin fast so zusetzt wie Prinz Arthur, der lange vor seiner Krönung ein arroganter Schnösel ist. Erst nach allerlei Reibereien schließen die zwei Freundschaft und meistern mit Charme, Witz und reichlich Action die bizarrsten Abenteuer. Und genau die machen das britisch-französische TV-Produkt auch in der neuen Staffel zum bunten Reigen aus Rittern, Drachen und Hexen. Ein Mix aus „Harry Potter“ und „Herr der Ringe“, etwas „Robin Hood“ und eine Spur „Matrix“. Bis das Gute übers Böse siegt, wird es aber noch dauern: Die fünfte Staffel ist abgesegnet, ein Ende nicht absehbar.

Denn Mythen, Magie, fremde Welten – diese Kombination fesselt Menschen, seit sie einander Geschichten erzählen. Und diese hier handelt nicht nur davon, wie aus Prinz Arthur der Tafelrundenkönig wird und aus dem Zauberlehrling dessen Hofmagier; das Produkt der britischen RTL-Tochter FremantleMedia zieren auch ziemlich süße Darsteller – was für Schnappatmung vor allem unter weiblichen Fans sorgt, selbst wenn sie wie Julia Resch die 40 schon erreicht haben. Aber die Zielgruppe ist weiter gefasst: Drei der Ritter schmückten kürzlich ein englisches Schwulenmagazin. Echte Idole aber sind nur Colin und Bradley. „Für ältere Zuschauerinnen bin ich Ende 20“, sagt Letzterer und zeigt sein postertauglichstes Gesicht, „für jüngere bin ich Anfang 20.“ Was für ein Medienprofi.

Mit seinen 28 Jahren ist er nur wenig älter als Titelheld Colin Morgan. Zum Mädchenschwarm hat er es nicht trotz, sondern gerade wegen seiner Segelohren gebracht. Und als der Nordire im Knappenkostüm erzählt, dass ihn die Rolle perspektivisch nicht auf „Merlin“ festlege, „of course“, er jetzt aber leider los müsse, die Regie wartet, da kann man die Schwärmerei der Julia Resch doch ein wenig nachvollziehen.

Sie gelte aber vor allem der Serie selbst, sagt Resch draußen vor dem Tor. Drei Dutzend hellauf begeisterte Mädchen dagegen, die immer kurz kieksen, sobald irgendein Statist auftaucht, „das sind echt Groupies“, sagt Julia Resch. Sie aber sehe sich als Filmfan, der „Merlin“ bereits zum Sendestart in England kennen-, ja lieben gelernt hat, wo die Serie längst Kultstatus genießt. „Dann bin ich halt nicht mehr losgekommen.“ Daher trifft sie sich nun regelmäßig mit Gleichgesinnten im falschen Camelot.

Das ist allemal netter, als nach Wales zu fahren, wo zwei Drittel der Szenen in einem alten Warenhaus entstehen. Viel Computertechnik, null Romantik.

Obwohl – selbst da würde Julia Resch hinreisen, um ihre Stars mal leibhaftig zu erleben, sagt sie. Dann lächelt sie wieder ihr hoffnungsfrohes Fanlächeln. Und wartet.

Jan Freitag