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Medien & TV Microsofts Bing hat Suchpotenzial
Nachrichten Medien & TV Microsofts Bing hat Suchpotenzial
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18:15 03.06.2009
Angriff auf Google: Microsoft hat die Suchmaschine Bing gestartet.
Angriff auf Google: Microsoft hat die Suchmaschine Bing gestartet. Quelle: Aust
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Von Fabian Mast

Es gibt Dinge, die ändern sich sogar im schnelllebigen Internet nicht. Das Eingabefeld einer Suchmaschine zum Beispiel. Eine weiße Fläche, wenige Zentimeter groß. Zeitlose Optik, zweckmäßig. Und so begehrt, weil es Milliarden verspricht im Kampf um die Werbebudgets im Internet.

Bislang scheffelte Google dieses Geld. Noch so etwas Unveränderliches. Viele bissen sich an dem Marktführer die Zähne aus – vergeblich: Wer etwas im Internet sucht, gibt Google ein. Das immerhin will Microsoft mit „Bing“ nun ändern. Ausgerechnet Microsoft, das mit „Live Search“ für den größten Suchmaschinenflop verantwortlich ist. Und deshalb ist das Überraschendste am Nachfolger Bing: Der Angriff auf Google könnte klappen.

Bing befindet sich noch in der Testphase – alle Kritik steht deshalb unter Vorbehalt. Insbesondere die deutsche Fassung, die Pfingstmontag freigeschaltet wurde, ist noch eine Baustelle. Die US-Version ist weiter – und macht Lust auf mehr.

Microsoft platziert ein großes Foto auf der Startseite, zum Beispiel Windmühlen in der Abenddämmerung. Wer den Mauszeiger über das Bild bewegt, erfährt einige kuriose Dinge über die Niederlande. Kein Interesse? Hübsch ist das Startbild dennoch.

Suchergebnisse werden auf den ersten Blick Google-mäßig präsentiert: Blau die Überschrift, zwei Zeilen Text zum Inhalt, darunter grün der Link. Praktisch: Per Maus-Bewegung öffnen sich Zusatzfenster, die weitere Inhalte der Seiten preisgeben (US-Version). In der linken Spalte werden zudem für die weitere Recherche verwandte Suchbegriffe gezeigt.

Seine Stärken hat Bing in der Multimedia-Suche: Videos laufen automatisch ab, wenn man mit dem Mauszeiger darüberfährt, Bilder lassen sich mehr und mehr auf das gewünschte Motiv eingrenzen. Wer zum Beispiel „Hannover“ eintippt, erhält noch etliche Stadtansichten – wer dann auf das Rathausbild klickt, erhält danach weitere Rathausbilder.

Bing will eine Entscheidungshilfe sein und versucht, eingetippte Suchbegriffe zu interpretieren. Es reicht Bing nicht, wenn alle Suchbegriffe auf einer Seite vorkommen – sie müssen auch zueinander in Beziehung stehen. Außerdem ist die Lexikon-Software Encarta integriert: Wer zum Beispiel wissen will, wie tief der abgestürzte Air-France-Airbus gesunken sein könnte, gibt „depth“ (Tiefe) und „atlantic“ ein – und erhält als erstes Ergebnis die Durchschnittstiefe des Ozeans. Google zitiert an erster Stelle – wie so häufig – die ersten Zeilen aus dem Amateur-Lexikon Wikipedia.

Es gibt Menschen, die davon leben, Internetseiten für die Google-Suche zu optimieren. Deshalb landen dort an erster Stelle oft die gleichen Preisvergleichseiten, Hotelfinder und Branchenführer. Das ist bei Bing noch nicht so extrem – allerdings ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Spam-Wirtschaft auch Bing knackt.

Einen guten Eindruck macht auch die Kartensoftware von Bing. Das Pendant zu Google Earth heißt Virtual Earth, das Satellitenbilder sogar in isometrischer Sicht („Vogelperspektive“) darstellen kann.

Ein Schwachpunkt bei Bing ist (noch) die News-Funktion, die Nachrichtenseiten nach den Suchbegriffen durchforstet. Die Ergebnisse werden präsentiert wie die Suchergebnisse – Google erkennt verschiedene Themen und fasst sie in Komplexen zusammen.

Fazit: Wie gut Bing wirklich ist, zeigt sich erst in einigen Wochen. Es deutet sich zumindest schon einmal an, dass es nicht viel schlechter als Google ist – aber reicht das? Bessere Suchmaschinen gibt es schon lange, trotzdem fristen sie ein Nischendasein. Aber noch nie stand so eine gigantische Marketing-Abteilung wie die von Microsoft dahinter.