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Medien & TV Medienexperte Groebel über Gottschalk: Chance nicht genutzt
Nachrichten Medien & TV Medienexperte Groebel über Gottschalk: Chance nicht genutzt
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18:19 22.03.2012
Medienexperte Jo Groebel
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Hannover

Gottschalk thematisiert täglich die Kritik an ihm...
Das ist geschickt, offen mit Kritik umzugehen und mit Selbstironie darauf zu reagieren. Aber das kann man als Stilelement nicht ewig durchziehen.  Man wollte mit Gottschalk den Vorabend für Werbekunden und Zuschauer attraktiv machen. Es hat sich aber herausgestellt, dass  der Name allein nicht reicht. Ich finde das Format jetzt deutlich verbessert. Gottschalk braucht das Studiopublikum wie ein Fisch das Wasser – jetzt ist er wieder mehr in seinem Element. Aber ich sehe noch keine endgültige Fassung eines Konzeptes. Und die Quote ist noch weit von den geforderten zehn Prozent entfernt.
Sind die überhaupt möglich in der „Todeszone“ Vorabendprogramm?Die Leute haben bestimmte Riten, wann sie den Fernseher einschalten. Talk am Vorabend ist schwierig. Vor der Tagesschau und vor dem Abendessen ist man eben nicht auf lockere Gespräche gepolt.  Aber Respekt, dass die ARD entgegen aller Unkenrufe so ein Experiment wagt.
Was lief da gleich am Anfang falsch?
Mir ist völlig unverständlich, wie man vor zwei Monaten die allererste Sendung so unfassbar verhauen konnte. Die Leute sind neugierig, die Quote hoch. Das wäre die Chance gewesen, eine Marke zu setzen. Aber die Sendung war hingeschludert, da hatte sich keiner Gedanken gemacht. Und der Neugiereffekt lässt nach. Das wird auch beim jetzigen Relaunch der Fall sein.
Der Erfolg hängt bei Gottschalk sehr von den Gästen ab, oder?
Viele sagen, Gottschalk ist egoman. Ich aber finde, dass er seine Antennen weit draussen hat. Aber er muss im Gleichklang mit seinen Gästen sein, sonst funktioniert es nicht.Ist die Sendung zu kurz für ihn?
„Wetten, dass...?“ war nicht der Inbegriff von originell oder innovativ. Aber das Format passte zu Gottschalk. Er lebt davon, dass er Raum hat – anderthalb bis zwei Stunden. Er ist kein disziplinierter Arbeiter, 20 Minuten Netto-Sendezeit schränken ihn von vornherein ein. Im Rock-Business wäre Gottschalk ein Jammer und keiner, der einen Zwei-Minuten-Song präzise runterspielt.