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Medien & TV Marcus Bornheim: „Man kann die ,Tagesschau‘ nicht künstlich jünger machen“
Nachrichten Medien & TV Marcus Bornheim: „Man kann die ,Tagesschau‘ nicht künstlich jünger machen“
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10:10 16.07.2019
Der künftige Leiter: Marcus Bornheim wird neuer Chefredakteur von „Tagesschau“ und „Tagesthemen“. Er soll vom 1. Oktober an die Redaktion ARD-aktuell in Hamburg leiten. Quelle: NDR/Thorsten Jander

Herr Bornheim, was macht die „Tagesschau“ so besonders?

Es sind einerseits die extrem hohen journalistischen Ansprüche, und andererseits ist es die Tradition der Informationsquelle Nummer eins in Deutschland, die die „Tagesschau“ so besonders machen. Die Zuschauer und Zuschauerinnen wissen, was sie bekommen und damit haben wir im linearen Fernsehen mit rund 10 Millionen Zuschauer*innen pro Abend Erfolg. Wir werden aber auch oft dafür kritisiert, dass wir nur nachrichtliches Hartholz machen und kaum Boulevardmeldungen.

Warum verzichten Sie größtenteils auf Boulevardmeldungen wie beispielsweise zuletzt den Fall Rebecca aus Berlin?

Wir sind sehr zurückhaltend bei Totschlag, Mord und Vermisstenfällen, außer sie haben eine große gesellschaftliche Relevanz. Im Fall Rebecca war das tatsächlich meine Entscheidung, nicht darüber zu berichten: Der Fall ist tragisch, aber er ist auch einer von vielen solcher Fälle. Da sind wir ein Stück weit konservativ, aber dadurch haben wir auch eine große Glaubwürdigkeit. Wir debattieren aber immer wieder neu über solche Fälle.

Wie sehr hat sich die „Tagesschau“ seit der ersten Sendung 1952 geändert?

Die „Tagesschau“ hat sich sehr verändert. Allein im Vergleich zu vor 15 Jahren sind die Beiträge heute lebensnäher. Bei sozialen Themen wird beispielsweise gern personalisiert an einem Beispiel einer Person oder einer Familie in den Beitrag gegangen, und dann auf die politische Ebene gewechselt. Und seit letztem Jahr legen wir noch größeren Wert auf das Erklären. Wir haben eine eigene Erklärunit gegründet, die crossmedial Erklärstücke zu komplexen Themen erstellt.

Der „Tagesschau“-Zuschauer war in den vergangenen Jahren im Durchschnitt etwa 61 Jahre alt. Machen Sie etwas, um mit der Sendung auch Jüngere zu erreichen?

Das stimmt, trotzdem sind wir auch die erfolgreichste Nachrichtensendung bei jungem Publikum, noch vor RTL II. Die „Tagesschau“ ist recht strikt in ihrem Format, die kann man nicht künstlich jünger machen – auch nicht mit Berichten über Miley Cyrus oder Justin Bieber oder wenn Jan Hofer mit Hoodie und Sneakers moderiert. Das lineare TV wird einfach eher durch ältere Menschen genutzt. Unser Anspruch ist es, dass die jungen Menschen unsere Inhalte wahrnehmen. Gerne um 20 Uhr im Fernsehen, aber eben auch in der Mediathek, auf Youtube oder auf Instagram. Auf Instagram sind wir zurzeit die erfolgreichste Nachrichtenmarke.

Von Hannah Scheiwe/RND

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