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Medien & TV Magersucht – ausgerechet Bloch soll helfen
Nachrichten Medien & TV Magersucht – ausgerechet Bloch soll helfen
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12:56 01.06.2009
In der Hungerfalle: Magersucht ist ein ernstes Problem.
In der Hungerfalle: Magersucht ist ein ernstes Problem. Quelle: ddp
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Wer, wenn nicht ein dicker Koloss wie Maximilian Bloch (Dieter Pfaff) könnte der Abgemagerten besser zu zusätzlichen Pfunden verhelfen? Mit diesem skurrilen Einfall beginnt das Psychodrama „Bauchgefühl“ aus der ARD-Reihe „Bloch“, das das Erste am Mittwoch (3. Juni) um 20.15 Uhr ausstrahlt.

Jana Leistner (Maria Kwiatkowsky) leidet unter Magersucht, seit sie vor drei Jahren ihr Abitur gemacht hat. Auf Drängen ihrer Mutter Petra (Margarita Broich) und ihres Vaters Helmut (Lutz Blochberger) beginnt sie bei Bloch eine Therapie. Jana, die sich als zu fett empfindet, nutzt allerlei Tricks, um nur ja nichts essen zu müssen. Umso schlimmer, dass Bloch versucht, sie an normale Mahlzeiten zu gewöhnen. Als er damit erfolglos bleibt, spannt er seine Lebensgefährtin Clara (Ulrike Krumbiegel), die in einer Suppenküche für Jugendliche arbeitet, in das schwierige Projekt ein.

Bei der Suche nach den Ursachen entdeckt der Therapeut, dass Janas beste Freundin vor drei Jahren an Magersucht gestorben ist. Außerdem unterhält Jana seit langem eine eigenartige Beziehung zu dem wesentlich älteren, herzkranken Frank (Thorsten Merten). Auch ihr familiäres Umfeld mit einem karrieresüchtigen Vater, einer überforderten Mutter und einer pflegebedürftigen Oma ist schwierig. Nach ersten kleinen Erfolgen stellen sich bei Jana rasch wieder Rückschläge ein.

Drehbuchautor Marco Wiersch und die Regisseurin Franziska Meletzky nähern sich dem heiklen Thema mit Fingerspitzengefühl und vermeiden weitgehend wohlfeile Stereotypen von tumben Girlies, die sich auf Modelmaße herunterhungern wollen. Weniger überzeugend ist die Auflösung geraten, die allzu konstruiert wirkt.

Für die Eigenproduktion des Westdeutschen Rundfunks, die in Kooperation mit dem Südwestrundfunk entstand, hat Wiersch, selbst ein Psychologe, ansonsten gut recherchiert. Das zeigen vor allem einige hübsche szenische Miniaturen. So bekommt Jana in der Suppenküche einen Aufpasser zur Seite gestellt, der früher selbst an Magersucht litt und daher die einschlägigen Tricks der Magersüchtigen kennt. Prompt entdeckt er Marmeladespuren an Janas Ärmel, die verraten, wo Jana heimlich einen Teil ihres Frühstücks verschwinden ließ. Mit gewohnter Hartnäckigkeit zwingt der unkonventionelle Bloch seine widerspenstige Patientin, sich ihren Ängsten zu stellen und am Ende Farbe zu bekennen.

Das Besondere an der 15. Folge von „Bloch“ besteht jedoch darin, dass die magersüchtige Protagonistin den dicken Helden mit einer bitteren Einsicht konfrontiert: Er leidet unter Fresssucht. Der „Bloch“-Hauptdarsteller Dieter Pfaff, der die Idee zu dem Format und der Hauptfigur hatte, nutzt diesen Drehbuchkniff zu kritischen Blicken auf die Leibesfülle im Spiegel, was dem Drama eine charmante selbstironische Note gibt.

Die junge Maria Kwiatkowsky, die schon mehrfach komplizierte Charaktere wie im ARD-Fernsehfilm „Liebe Amelie“ gespielt hat, löst die schwierige Aufgabe mit Bravour und hält mit dem erfahrenen Mimen locker mit. Kwiatkowsky hat für die Rolle sechs Kilo Körpergewicht abgenommen. Um das zu erreichen, begann sie schon einige Monat vor Drehbeginn, Trennkost zu essen. Trotz ihrer guten Leistung ist die Schauspielerin skeptisch, ob der Film jungen Leidengenossinnen Janas helfen kann. „Ich denke, er ist eher für die Eltern von solchen Kindern interessant“, fügt Kwiatkowsky hinzu, „sie verstehen durch den Film vielleicht besser, was in ihren Töchtern vor sich geht.“ ddp