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Medien & TV Lasst die Spiele beginnen: Messe Gamescom startet
Nachrichten Medien & TV Lasst die Spiele beginnen: Messe Gamescom startet
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22:00 14.08.2012
Von Stefan Gohlisch
GEMEINSAME GAMES: Auf der Messe in Köln wird viel gespielt.
GEMEINSAME GAMES: Auf der Messe in Köln wird viel gespielt. Quelle: dpa
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Köln

VON STEFAN GOHLISCH

Mit Microsoft, Nintendo, THQ und Sega stellen gleich vier Branchengrößen nicht auf der Gamescom aus. Woran liegts?

Die E3, die Konkurrenzmesse aus den USA, die fast tot war, ist wieder sehr stark. Sie hat im Juni stattgefunden. Was die Aussteller vor die Frage stellt: Was zeigt man jetzt in Köln? Die Fachbesucher waren ja schon in den USA. Und: Das eine, die E3, ist eine Fachmesse, die Gamescom eine Publikumsmesse. Für die Aussteller sind aber vor allem die Fachbesucher interessant.

Und da reicht das kleine Business Center in Köln nicht aus?

Das Business Center ist das stärkste Argument für die Gamescom. Doch die Verträge sind gekoppelt: Die Aussteller müssen in Köln auch in den Hallen vertreten sein. Das ist sehr teuer.

Was bedeutet das Fernbleiben für die Zukunft der Messe?

Ich bin sicher, dass in diesem Jahr alle, die da sind, aber vor allem auch diejenigen, die nicht da sind, anschließend ganz genau rechnen. Vielleicht wird es sich nächstes Jahr zuspitzen. Ich möchte hier wahrlich keinen Abgesang auf die Gamescom anstimmen; wir sind sehr froh, dass wir die Messe hier haben und sind auch Medienpartner. Aber die Situation wird nicht einfacher.

Gibt es eine Erklärung dafür, dass Nintendo die Messe nicht nutzt, um seine neue Konsole, die Wii U, vorzustellen?

Nein, das verstehen wir alle nicht. Nintendo hat sie schon auf der E3 nicht gezeigt. Da sind alle davon ausgegangen, dass es in Köln passiert. Es wird sicher im Herbst noch ein separates Event geben. Vielleicht sind eigene Hausmessen, wie sie Firmen wie Blizzard pflegen, das kommende Modell. Dort hat man die absolute Kontrolle über die Botschaften, die ausgesandt werden.

Sony ist da. Neue Geräte wie die erwartete, noch schmalere Version der Playstation 3 werden aber auch nicht erwartet.

Sony setzt in diesem Jahr ganz auf die PS Vita, diese Plattform scheint grade Priorität zu genießen. Dazu passt, dass für die Vita eine Reihe starker Titel im Anmarsch sind. Außerdem geht es um die Verknüpfung von PS Vita und PS3.

Geht es der Branche schlecht?

Das lässt sich pauschal nicht sagen. Einer ganzen Reihe von Firmen geht es schlecht. Sogar Browser-Games stagnieren; dieser Markt hat längst nicht mehr die Dynamik, die er einst hatte. Die Frage ist: Wird es das Spiel an sich noch geben, das man sich wie ein Buch ins Regal stellt, oder wird es immer mehr in Services eingebunden, die fast unabhängig davon existieren? Es heißt immer, Free2Play sei die Zukunft, also das zunächst kostenlose Spielen. Es spricht auch einiges dafür: „Warface“ zum Beispiel ist Free2Play, ein Triple-A-Titel vom Marktführer Electronic Arts von der Premiumschmiede Crytek. Das Online-Rollenspiel „Star Wars: The Old Republic“ ist jetzt auch Free2Play. Das sind beides starke Signale.

Ist der millionenschwere Vollpreistitel am Ende? Oder wird er zu einem Nischenprodukt für die Spiele-Fanatiker?

Ach, die Enthusiasten spielen jetzt auch Free2Play. Die alte Trennung zwischen den sogenannten Core-Gamern und den Gelegenheitsspielern gibt es so nicht mehr. Da sehen wir übrigens auch unsere Chance: Unseren Lesern geht es längst mehr nur um eine Kaufentscheidung, sondern auch darum, ob es sich lohnt, dass sie ihr Zeitbudget für ein kostenloses Spiel opfern.

Wie sieht es mit Social Gaming wie den „Ville“-Spielen auf Facebook aus?

Da rechne ich in der nächsten Zeit mit einer starken Dynamik: Die Leute wehren sich zunehmend gegen die Spam-Nachrichten, die solche Spiele an die Freunde der Spielenden aussenden. Entweder muss man hier die Spielprinzipien ändern, oder immer weniger Leute werden spielen, weil sie ihre Freunde nicht nerven wollen - Social Games nerven; das wäre doch mal eine Schlagzeile (lacht).

Lohnt es sich also noch, die Gamescom zu besuchen?

Für enthusiastische Spieler ist sie immer noch ein Erlebnis. Aber - das nur kurz an die Adresse der Messemacher - es reicht eben nicht, schon wieder nur einen Ausstellerrekord zu brechen: Man braucht auch die großen Namen, die Triple-A-Titel, die Blockbuster. Für den Fachbesucher lohnt sich immer noch das Business Center; das ist übrigens besser aufgebaut als das der E3. Wie wichtig uns die Messe ist, sieht man schon daran, dass wir mit einer Mannschaft von 37 Mann anreisen. Wir machen tägliche Live-Berichterstattung, online, aber auch Print. Die neue Ausgabe entsteht in langen Messe-Nächten.

Welche drei Spiele sollte man sich auf jeden Fall anschauen?

Zum einen „Dishonored: Die Maske des Zorns“, das neue Spiel der „Elder Scrolls“-Macher - aber nur, wenn man 18 Jahre alt ist. Mein Geheimtipp ist „Ni No Kuni: Der Fluch der weißen Königin“ von Bandai-Namco, ein wunderwunderschönes Japano-Rollenspiel aus der Zeichentrickschmiede Studio Gibli. Es eignet sich für jedes Alter, aber gewinnt an Tiefe, je älter man ist. Und ich bin wirklich gespannt, wie „Warface“ in Deutschland funktioniert, weil es eben immer noch Bedenken gegenüber Free2Play-Titeln gibt.