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Medien & TV Keine Einigung zwischen NDR und Heinze
Nachrichten Medien & TV Keine Einigung zwischen NDR und Heinze
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19:05 27.10.2009
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Ein Gütetermin vor dem Hamburger Arbeitsgericht scheiterte am Dienstag. Beide Parteien konnten sich nicht einigen, teilten die Rechtsanwälte beider Seiten nach der knapp 40-minütigen Verhandlung mit. Heinze und der Sender streiten über den Fortbestand ihres Arbeitsverhältnisses. Die unter Betrugsverdacht stehende Heinze war vor knapp sieben Wochen fristlos vom NDR gekündigt worden.

Der NDR wirft Heinze vor, dem Sender von ihr selbst verfasste Drehbücher unter einem Pseudonym verkauft zu haben. Dadurch habe sie den NDR zu Honorarzahlungen veranlasst, auf die sie keinen Anspruch gehabt habe. Weiterhin habe sie unter Verstoß gegen die NDR-Geschäftsordnung Drehbuchaufträge freigezeichnet, die ihrem unter Pseudonym auftretenden Ehemann Claus Strobel erteilt worden seien. In Verlautbarungen gegenüber dem Sender und Dritten habe Heinze erfundene Biografien der angeblichen Autoren verbreitet.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte die Affäre im August aufgedeckt und damit auch die Ermittlungen der Hamburger Staatsanwaltschaft wegen Betrugsverdachts gegen Heinze ins Rollen gebracht. Heinze soll ferner einen von ihr geschriebenen und vom NDR nicht realisierten Film in einer praktisch identischen Fassung nahezu zeitgleich an eine weitere Produktionsfirma verkauft haben. Nach Angaben ihres Anwalts Gerd Benoit bestreitet sie diesen Vorwurf.

Heinze, die nicht persönlich vor Gericht erschien, hält die Kündigungen für formal unwirksam. Zudem fehle es an einem den gesetzlichen Anforderungen entsprechenden Kündigungsgrund. Heinze ist seit 1991 beim NDR beschäftigt. Im Sommer 2003 übernahm sie die Leitung der Redaktion Fernsehspiel beziehungsweise Fernsehfilm, Spielfilm und Theater.

Der NDR hat drei fristlose Kündigungen ausgesprochen. Für den Fall, dass gerichtlich deren Unwirksamkeit festgestellt wird, hat der NDR jeweils unter Einhaltung einer Auslauffrist gekündigt. Gegen diese Kündigungen wendet sich Heinze mit ihren Klagen.

Benoit zeigte sich nach dem Gütetermin zufrieden. Zu inhaltlichen Fragen wollte sich der Anwalt nicht äußern. Ziel bleibe jedoch die Weiterbeschäftigung seiner Mandantin, sagte er.

Nach Ansicht des NDR-Anwalts Bernhard Höpfner wurden alle Fragen in formaler Hinsicht angesprochen. „Die eigentlichen Schweinereien, die hier passiert sind, sind noch nicht in das Zentrum der Erörterungen gerückt“, sagte er. Das werde aber mit Sicherheit noch geschehen, denn immerhin habe Heinze erhebliche sowie unstrittige Straftaten begangen. Folglich habe der Sender eine Klage seiner ehemaligen Fernsehfilmchefin nicht erwartet.

Dennoch zeigten sich beide Seiten weiterhin gesprächsbereit. Benoit zufolge müssen zunächst die formalen Streitpunkte geklärt werden, ehe materiellrechtliche Forderungen gestellt werden. Eine Unwirksamkeit der Kündigung aus formalen Gründen ist nach Angaben der Vorsitzenden Richterin Carla Coutinho durchaus möglich. Der Rechtsstreit wird am 12. Februar 2010 (14.00 Uhr) mit einem Kammertermin fortgesetzt. ddp