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Medien & TV Kavka soll dem ZDF die Jugend bringen
Nachrichten Medien & TV Kavka soll dem ZDF die Jugend bringen
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13:06 17.04.2009
Früher bei Viva und MTV: Markus Kavka Quelle: ddp
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Er moderierte bei den Teenie-Musiksendern Viva und MTV, als er der Spätpubertät längst entwachsen war. Heute könnten böse Zungen behaupten, dass der Moderator endlich, mit 41 Jahren, beim richtigen Publikum angelangt ist: Kavka arbeitet seit Jahresbeginn für das ZDF. Am 21. April (21.00 Uhr) moderiert er im ZDF.Infokanal und im Livestream auf zdf.de erstmals die Sendung „Kavka“.

Das Gerede um sein Alter ficht ihn nicht an. „Beim ZDF war schon klar der Wille erkennbar, dass man einen nimmt, der nicht bei 63-Jährigen etabliert ist, sondern eher bei 23-Jährigen“, sagt er. Als Feigenblatt des notorisch nach jungem Publikum strebenden Senders herhalten zu müssen, fürchtet er aber nicht. „Beim ZDF weiß man, dass die Jungen vernachlässigt wurden.“

Kavka lehnt sich im Sessel zurück, er wirkt gelöst, aber nicht nachlässig. Seine Pilotsendung mit dem Thema „Arbeit ist das ganze Leben?“ ist ein Testballon, eine regelmäßige Fortsetzung ist von beiden Seiten erwünscht. Nach dem Auftakt sei ein halbes Jahr Pause veranschlagt worden, um das Format weiterzuentwickeln.

„Es ist keine Politsendung, sagt Kavka über „Kavka“. „Ich würde es im weitesten Sinne Gesellschaftsmagazin nennen.“ Darin sollen soziale, politische und popkulturelle Themen aufbereitet werden. Statt Politikern sollen Leute Gehör finden, die den Start in den Beruf wagen oder auf dem Arbeitsmarkt schon einmal gescheitert sind.

Die 45-minütige Show ist interaktiv gestaltet, Zuschauer sollen über den Instant Messenger Skype und per Webcam ins Studio geschaltet werden. Die Sendung sei ein Experiment, ein „Hybridmagazin“, das es in der Form noch nicht gegeben habe. „Der Grund dafür könnte halt einfach sein, dass es nicht funktioniert“, sagt Kavka und grinst verschmitzt.

Er ist selbst gespannt, was ihn erwartet. Sorglos ist der Wahlberliner dabei nicht. Nachdem seine eigenen Sendungen bei MTV eingestellt wurden, sagt er: „Dass es nun nahtlos beim ZDF weitergeht, da hatte ich Glück.“

Im Frühjahr 2008 war der Bayer zum Thema „Jugend von heute“ Gast bei Maybrit Illner. „Ich hab anklingen lassen, dass ich gerade beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen anzweifle, dass diese Grundversorgung noch gewährleistet ist.“ Er habe das Gefühl gehabt, dass jüngere Menschen aus dem Programm ausgeschlossen würden.

Kurz darauf wurde Kavka zur ZDF-Programmklausur nach Mainz eingeladen. Er habe erläutern sollen, wie man junge Menschen im Superwahljahr für Politik interessieren könne, erinnert sich der 41-Jährige an die „absurde Situation“ im großen Konferenzraum vor sämtlichen ZDF-Granden und -Moderatoren der Politformate. „Da sollte ich MTV-Heini diesen gestandenen Journalisten erzählen, wie sie ihr Programm verjüngen“, sagt Kavka, der Kommunikations- und Theaterwissenschaften sowie Amerikanistik studierte.

Der Vortrag fand Gefallen, im Januar gab Kavka seine ZDF-Premiere. Zur Landtagswahl in Hessen moderierte er die „Wahl im Web“, die auch im Infokanal gezeigt wurde. Der Spartenkanal, auf dem nun auch „Kavka“ getestet wird, sei „eine gute Spielwiese, um etwas zu erproben“.

Mit Spielwiesen kennt sich Kavka aus. Auf der Internet-Plattform MySpace stellt er neue Platten vor, er schreibt im Grimme-prämierten Anti-Rassismus-Blog Störungsmelder und eine Kolumne für „Zeit Online“. Überhaupt sei das neue Format „gar nicht weit weg von den Sachen, die ich davor gemacht hab“. Er werde weiterhin zu Themen eine Haltung entwickeln und diese anderen Leuten nahebringen.

Dafür verwendet der Moderator auch die neuen Medien - inzwischen bereitwillig. „Ich hab natürlich früher als Musik-Journalist zu Recherchezwecken im Netz gearbeitet“, sagt Kavka. Zum Feierabend habe er mit dem Büro aber auch das Internet verlassen: „Zu Hause - kein Rechner!“

Zu seinem 40. Geburtstag fand die technische Enthaltsamkeit durch einen geschenkten iPod ihr Ende. „Da dachte ich: ’Toll, wie kriegst du jetzt da Musik rauf?’“ Ein Jahr später habe er sich dann seinen ersten privaten Rechner gekauft. Seitdem sei er „auf allen relevanten Social Networks unterwegs, das kostet wahnsinnig viel Zeit“.

Gute Voraussetzungen, um das ZDF-Programm zu verjüngen. Kavka, der im Juni 42 wird, hält Kontakt zur Jugend. „Wie heißt es immer so schön: jung im Geiste“, sagt er. In seinem Lebenswandel gebe es genügend Dinge, „die sich für einen 42-Jährigen nicht gehören“.

Angetrieben werde er von den „gleichen Sachen wie vor 20 Jahren: Neugierde und der Wille, Sachen vor allen anderen zu entdecken“. Diese Neugierde bewahre ihn vor dem Altern im klassischen Sinne. „Klar seh ich nicht mehr ganz so knackig aus wie vor zehn Jahren, aber es zwickt noch nichts!“ ddp