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Medien & TV IFA: Senioren-Führung mit Gemeinheiten
Nachrichten Medien & TV IFA: Senioren-Führung mit Gemeinheiten
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23:22 31.08.2012
ÜBERBLICK: Für Senioren, Sehschwache oder Leute mit besonders großen Fingern sind diese Handys ganz praktisch.
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Berlin

Schmitt-Fumian, bei dem Telefon-Hersteller Gigaset zuständig für „Innovations und Business-Development“, hat ihnen zuvor schon eine Menge über Consumer Electronics und Retail-Ware erzählt.

Retail-Ware? „Kenn ich nicht“, sagt Sigfried Borrmann, 70, aus Berlin-Lichtenberg. Barbara Müller, ebenfalls 70 Jahre alt und aus Bestensee in Brandenburg, spricht auch kein Englisch. Das hindert sie nicht daran, regelmäßig zur internationalen Technik-Schau IFA zu kommen. „Ich mache sowieso alle Messen hier.“

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In diesem Jahr macht sie zum ersten Mal auch die Senioren-Führung für die Zielgruppe 60plus, gesponsert vom Großtastentelefonhersteller Emporia. Frau Müller kennt sich in den Hallen besser aus, als die Tourführerin mit ihrem Schild „Reif für die IFA“. Frau Müller weiß auch, „dass man für Kaffee nicht zahlen muss“. Zumindest, wenn man es in die Halle der Espresso- und Kaffeemaschinenhersteller geschafft hat.

Nun aber zu den Gemeinheiten von „Arthur“. Das Gerät mit der praktischen Halskordel erkennt nicht nur Stürze, es bemerkt auch Schummelversuche. „Wenn es zwölf Stunden nicht bewegt wurde, ruft es die Enkel an und stellt auf freisprechen“, erklärt Schmitt-Fumian. Frau Müller und Herr Borrmann gucken etwas verstört. Beate Munkelt aus dem Münsterland fragt immerhin nach dem Preis. Gut 150 Euro. „Aber eine Preisangabe bei Zukunftsgeräten ist immer schwierig“, sagt der Experte von Gigaset.

Beate und Andreas Munkelt haben kein Interesse. Sie sind ja auch erst 59 Jahre alt - und damit knapp an der Zielgruppe vorbeigeschrammt. Munkelts suchen nach „einem einfachen Gerät, auf dem wir Filme archivieren können“. Das wird auf der Tour nicht geboten. Dafür führt sie der in Zeitlupe sprechende Peter Capek vom Luxshersteller Loewe durch „den absoluten Premiumbereich“ des Unternehmens. Hier flimmern Design-Fernseher für mehrere tausend Euro. Unter anderem ein Gerät, das Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe „als erster Kunde“ der Individual-Reihe mit seinem Familienwappen hat schmücken lassen. Für Barbara Müller ist nichts dabei. „So ein Fernseher für einen Rentnerhaushalt?“ Außerdem findet die Rentnerin die minimalistischen Boxen viel zu klein. Ihre eigenen kleben noch rechts und links am TV-Gerät. „Deshalb ist meiner noch größer als die neuen Fernseher von meinen Freunden“, verkündet Frau Müller stolz.

Bei Garmin, einem Hersteller für Navigationsgeräte, zeigt ein Vertreter den Senioren ein Navi das Bayerisch und Ruhrpott-Slang spricht, aber nicht sächsisch. Außerdem: Ein wasserdichtes Navigationsgerät für Motorräder. Sigfried Borrmann findet das gut. „Peter Struck fährt doch auch Motorrad!“ Und nimmt sich ein paar Prospekte mit. „Für die Frau.“

(Maja Heinrich)