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Medien & TV Hiltrud Schwetje: „Ich brauchte eine Auszeit“
Nachrichten Medien & TV Hiltrud Schwetje: „Ich brauchte eine Auszeit“
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18:42 08.04.2010
Von Imre Grimm
„Hillu“ Schwetje tanzt bei „Let`s Dance!“ mit dem Profitänzer Christian Polanc. Quelle: RTL
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Sie kommt gerade vom letzten Training ohne Kameras, ohne RTL-Publikum, ohne Jury. Sie hat im Tanzhaus Hannover an der Podbielskistraße noch einmal den langsamen Walzer geprobt, eigentlich ein Standardtanz, von dem sie dachte: Den kenne ich. „Aber das war falsch“, sagt sie. „Das hier ist etwas ganz anderes. Das ist Hochleistungssport.“ Am heutigen Freitag tritt Hiltrud „Hillu“ Schwetje, 61 Jahre alt, frühere First Lady von Niedersachsen und geschiedene Frau Schröder, in der RTL-Tanzshow „Let’s Dance!“ auf. Sie lacht, sie ist aufgeregt, aber sie freut sich darauf, das kann man spüren. Ein paar junge Hip-Hopper, die ebenfalls im Tanzhaus probten, waren heute Nachmittag ihr erstes Publikum. Und? „Die fanden das cool.“

Frau Schwetje, warum machen Sie mit bei „Let’s dance!“? Sie müssen ja nicht.
Die erste Anfrage kam schon im Dezember, ich habe bis Januar überlegt. Ich sollte schon 2006 in der ersten Staffel mittanzen, aber da war ich beruflich so eingespannt, dass ich abgesagt habe. Ich habe mich mit meiner Familie beraten, meinen Töchtern, meinem Mann, und die haben alle gesagt: Du bist sportlich, du kannst das, mach es. Es gab ein paar Voraussetzungen: Das Team musste stimmen, die Moderatoren, und ich wollte ein Mitspracherecht zum Beispiel bei der Kleidung.

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Wie war es denn vor dem Training um ihre Tanzkünste bestellt?
Ich war wie wohl fast jeder in der Tanzschule, habe Mittelball und Abschlussball hinter mich gebracht. Aber das war’s dann auch. Auf Partys hat man zu der Zeit ja eher allein getanzt. In Diskos war ich nicht oft. Das war mir zu laut. Ich wollte mich unterhalten können.

Sie waren ein paar Jahre kaum öffentlich zu sehen. Warum jetzt diese Rückkehr in die Medienwelt?
Die letzten Jahre waren für mich eine immense Belastung. Ich habe mich immer mit sehr, sehr ernsten Dingen beschäftigt, mich immer für wichtige Themen engagiert. Das ging an die Substanz. Irgendwann ging es nicht mehr. Es hat mich niedergedrückt. Ich brauchte eine Auszeit. Ich habe mich sehr zurückgezogen. Mithilfe meiner Familie habe ich dann gelernt, diese andere Seite von mir auszuleben, die ich auch habe, die fröhliche, unbeschwerte. Ich lernte, die Dinge mehr zu genießen, lockerer zu sein. Selbst der ernsteste, gewissenhafteste Mensch braucht ein Quantum an Ausgelassenheit. Das ist für mich jetzt das Tanzen.

Das Tanzen hilft Ihnen, sich besser zu fühlen?
Ja, ich will aber auch dem Publikum zeigen, dass es diese neue Seite an mir gibt.

Seit 2008 ist Hiltrud Schwetje mit dem Sehnder Zahnarzt Klaus Henning Schwetje (63) verheiratet. Sie joggt, spielt Golf, macht Joga und Pilates. In 45 Trainingsstunden bereitet sie sich mit ihrem Ingolstädter Tanzpartner Christian Polanc (31), dem Sieger der vergangenen Staffel von „Let’s Dance“, auf ihren Auftritt heute Abend um 21.15 Uhr vor. „Sie hat viel Potenzial und ist sehr ehrgeizig“, sagt Polanc über „Hillu“. Mit ihr treten an: Moderatorin Sylvie van der Vaart, Schlagersänger Achim Mentzel, Boxer Arthur Abraham sowie die Schauspieler Nina Bott, Mathieu Carrière, Sophia Thomalla (Tochter von Simone Thomalla), Raúl Richter und Brigitte Nielsen.

Es gibt ja immer mehrere Ebenen einer Fernsehshow. Formal mag es allein um Tanzkunst, Fähigkeiten, Juryentscheidungen gehen. Aber fürchten Sie nicht die zweite Ebene, den Boulevard, die Publikumsgunst oder -missgunst, die oft ein Eigenleben entwickeln?
Nein. „Let’s dance!“ ist vor allem ein sportlicher, anspruchsvoller Wettkampf mit ein bisschen Glamour und viel Spaß. Darauf setze ich. Wir sind eine nette Truppe. Ich kann auch beinharte Urteile eines Tanzprofis sehr gut ertragen. Ich kann ja nicht innerhalb von vier Wochen zur perfekten Tänzerin werden. Mir kommt es darauf an, dass ich mit meiner eigenen Leistung zufrieden bin. Ich glaube nicht, dass das Publikum jemanden sehen will, der sich blamiert.

Rückblick. April 2006. In der ersten Staffel von „Let’s Dance“ tritt auch die frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis an. Sie hofft, dass ihre Teilnahme ihrem Engagement für das Kinderhilfswerk von Unicef nützt. Die Medien, insbesondere „Bild“, gießen Kübel voller Häme über sie aus („Die Heide wackelt“, „Hoppel-Heide“). RTL schweigt – und profitiert quotenmäßig von der Aufregung. Die Show wird für die ehemalige SPD-Politikerin zu einem medialen Desaster. In der sechsten Ausgabe tritt Simonis „aus gesundheitlichen Gründen“ nicht mehr an.

Haben Sie das mediale Drama um Heide Simonis damals verfolgt?
Ja. Ich fand das nicht fair. Sie hatte nichts Ehrenrühriges getan. Sie hat ihr Bestes gegeben.

Keine Angst, dass sich das wiederholt?
Nein. Ich fürchte mich nicht vor einem solchen Effekt. Ich bin körperlich fit. Ich kann das noch. Ich bin bis an meine Grenzen gegangen, mit geprellten Rippen, gezerrten Bauchmuskeln und Blutergüssen in den Zehen. Das ertragen zu können, hat mich beflügelt.

Let’s Dance!“ war zuletzt sehr erfolgreich. Sehen Sie es als eine Art Renaissance der Bürgerlichkeit, in der Tischmanieren, soziales Verhalten, Benehmen und auch Tanzkünste wieder eine größere Rolle spielen?
Na ja, es tut einer Gesellschaft immer gut, wenn es mehr Manieren gibt. Das erleichtert das Zusammenleben. Das gilt aber nicht nur für die Jüngeren, sondern auch für die Älteren.

„Lets’s Dance!“, freitags um 21.15 Uhr auf RTL.