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11:22 17.02.2009
Lachen ist gesund: Heinz Erhardt
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Wahrscheinlich mit Hintersinn: „Wenn dir ein Fels vom Herzen fällt, so fällt er auf den Fuß dir prompt! So ist es nun mal auf der Welt: ein Kummer geht, ein Kummer kommt“, dichtete Erhardt einst. Was seine Kritiker als biederen Humor abtaten, galt vielen anderen als Spaß mit philosophischem Tiefgang. Am kommenden Freitag jährt sich der Geburtstag des 1979 verstorbenen Komikers zum hundertsten Mal.

Einer der Klassiker aus dem unerschöpflichen Werk Erhardts ist „Die Made“. „Hinter eines Baumes Rinde wohnt die Made mit dem Kinde. Sie ist Witwe, denn der Gatte, den sie hatte, fiel vom Blatte. Diente so auf diese Weise einer Ameise als Speise“, beginnt das Gedicht. Diese Art, von einem Gedanken zum nächsten mit den Worten zu spielen, hatte Erhardt bei der Veröffentlichung der Made in den 60er Jahren perfektioniert. Das Publikum lag ihm lachend zu Füßen.

Dabei war Erhardt eine Karriere zum Unterhalter der Nation nicht in die Wiege gelegt worden. Der am 20. Februar 1909 in Riga geborene Künstler wuchs in chaotischen Familienverhältnissen auf. Die ersten Jahre lebte er bei den Großeltern in Riga, dann bei der Mutter in Sankt Petersburg, dann verbrachte er mit seinem Vater, einem Kapellmeister, Jahre auf Dauertournee durch Deutschland. Nach insgesamt 15 Schulwechseln musste er das Gymnasium abbrechen und eine Lehre machen.

Die Lehre zum Musikalienhändler machte Erhardt in seiner Heimatstadt Riga im Geschäft seines Großvaters. Direkt danach begann er als Alleinunterhalter. Vom Geheimtipp Rigas mauserte er sich bis kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zum deutschlandweit bekannten Kabarettisten. Seine Frau Gilda, mit der er vier Kinder hatte, ermutigte ihren wenig selbstbewussten Mann zu der Karriere. Erhardt konnte noch bis 1941 auftreten, ohne zur Wehrmacht eingezogen zu werden. Auch nach seiner Einberufung musste er nie kämpfen, sondern wurde als Komiker zur Front geschickt.

Nach Kriegsende brauchte Erhardt nicht lange, um wieder Erfolg zu haben. Er startete als Radioreporter, spielte Theater und wieder den Alleinunterhalter auf der Bühne. 1957 drehte er mit „Der müde Theodor“ seinen ersten Kinofilm und schaffte noch im selben Jahr mit „Witwer mit fünf Töchtern“ einen riesigen Kassenerfolg.

Erhardts Potenzial erschien unerschöpflich. „Und noch’n Gedicht“ war nicht nur auf der Bühne sein Motto. Seine Tochter Grit erinnerte sich später, wie ihr privat eher ernster Vater praktisch nie von der Arbeit lassen konnte. Auf der Autobahn steuerte er beim Familienausflug kurzerhand den Rastplatz an, um zu schreiben. Mit „noch’n Gedicht“ im Block ging es dann weiter. Auch sonst kannte seine Arbeitswut keine Grenzen: Morgens flog er nach Berlin, am Abend stand er in seiner neuen Heimatstadt Hamburg wieder auf der Bühne. In den Urlaub fuhr er nicht.

Die Familie machte sich zunehmend Sorgen um die Gesundheit des Vater - zu recht, wie sich Ende 1971 herausstellte. Zu Freunden hatte Erhardt einmal gesagt, sollte ihm jemals etwas zustoßen und er nicht mehr laufen können, müssten sie ihn halt auf die Bühne tragen. „Solange ich nur sprechen kann, werde ich es schaffen, das Publikum zum Lachen zu bringen.“ Doch im Dezember 1971 geschah das für ihn Unvorstellbare: Erhardt erlitt einen Schlaganfall und konnte von da an kein Wort mehr sprechen.

In der Folge zog sich das verstummte Verbalgenie immer stärker zurück, vorbei schien es mit der unerschöpflichen Schaffenskraft. Doch in den letzten Lebensjahren arbeitete er mit seinem Sohn Gero an einer Fernsehfassung seiner komischen Oper „Noch ’ne Oper“. Hans-Joachim Kuhlenkampff, Rudolf Schock und Helga Feddersen spielten darin mit, seine eigene Stimme wurde aus alten Aufnahmen dazugemischt. Das Werk wurde am 21. Februar 1979 ausgestrahlt - vier Monate später starb Heinz Erhardt. afp

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