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Medien & TV Heftige Kritik an virtuellen Schüssen auf DDR-Flüchtlinge
Nachrichten Medien & TV Heftige Kritik an virtuellen Schüssen auf DDR-Flüchtlinge
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20:20 29.09.2010
Von Imre Grimm
Mach mir den Grenzsoldaten: Das Onlinespiel „1378 (km)“ von Jens M. Stober (23) hat heftige Empörung ausgelöst. Quelle: dpa

Und wieder ein Beispiel für die Tatsache, dass gute Absichten nicht zwangsläufig die gewünschte Wirkung zeitigen: Jens M. Stober, 23-jähriger Student der Karlsruher Hochschule für Gestaltung, will mit einem Onlinecomputerspiel zum zwanzigsten Jahrestag des Mauerfalls spielerisch „das Interesse der jungen Generation an der deutschen Geschichte“ wecken. Das Ergebnis seiner Bemühungen heißt „1378 (km)“, soll ab dem 3. Oktober kostenlos im Internet verfügbar sein – und hat schon jetzt ebenso heftige wie reflexhafte Empörung bei Opferverbänden und in der Politik ausgelöst.

Das Spiel „1378 (km)“ ist ähnlich aufgebaut wie ein klassischer Ego-Shooter und spielt in einer düsteren, surrealen Kulisse im Jahr 1976 – dem Jahr mit den meisten Mauertoten – an der 1378 Kilometer langen innerdeutschen Grenze. Der Spieler nimmt am „Checkpoint Alpha“ nahe Fulda wahlweise die Perspektive eines DDR-Grenzsoldaten oder eines „Republikflüchtlings“ ein, der den virtuellen Todesstreifen überwinden will. Wahlloses Herumballern ist nicht vorgesehen – der Grenzsoldat muss sich bewusst entscheiden: schießen oder verhaften? Es steht ihm auch frei, spontan die Seiten zu wechseln. Wer mehr als dreimal schießt, wird vom virtuellen DDR-Regime mit einem Orden ausgezeichnet, muss sich aber nach einem Zeitsprung ins Jahr 2000 in einem Mauerschützenprozess verantworten. Das Spiel basiert auf der Software des PC-Spiels „Half Life II“. Unterschied: Es gewinnt eben nicht der Spieler, der die meisten Gegner tötet. Kommerzielle Interessen verfolgt Stober nicht.

Flucht, Verfolgung, Todesangst, Gewissensbisse, Druck – „1378 (km)“ versuche, „möglichst präzise“ die geschichtliche Wirklichkeit widerzuspiegeln, sagt Stober. Politische Folgen inklusive: Steigt im Spiel die Zahl der Mauertoten, wächst in einem Punktesystem auch der internationale Druck auf das DDR-Regime. „Über ein Computerspiel“, sagt Stober, der in Karlsruhe im sechsten Semester Medienkunst mit Schwerpunkt „Games“ studiert, „kann man Jugendliche besser erreichen.“

Allein – der pädagogische Ansatz hilft nichts. Es mangelt nicht an öffentlichen Abscheubekundungen quer durchs Land. „Geschmacklos“ sei das Spiel, urteilt Axel Klausmeier, Direktor der Stiftung Berliner Mauer. „Die Ernsthaftigkeit dessen, was sich damals an der Grenze abspielte, kann man so nicht darstellen.“ Das Spiel sei „ein Beitrag zur Enthemmung und Brutalisierung der Gesellschaft“, zürnte gestern auch die Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft. In einem Protestschreiben habe man sich bereits an den Rektor der Hochschule, Peter Sloterdijk, gewandt. Gabriele Hiller, medienpolitische Sprecherin der Linken, nennt das Spiel „zynisch und perfide“. Michael Braun, kulturpolitischer Sprecher der CDU, spricht von einem „geschmacklosen Tabubruch“.

Die Hochschule selbst steht zu Stobers Werk. Prof. Michael Bielicky nimmt seinen Studenten in Schutz: „Die Verknüpfung eines Ego-Shooters mit einem historischen Ereignis ist brillant.“ „1378 (km)“ ist gleichzeitig die Diplomarbeit von Stober. Eine Note hat er auch schon bekommen – es ist eine glatte Eins.

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