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Medien & TV Hausverbot für NDR-Spielfilmchefin
Nachrichten Medien & TV Hausverbot für NDR-Spielfilmchefin
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17:32 06.09.2009
Hat nun Hausverbot: Doris J. Heinze.
Hat nun Hausverbot: Doris J. Heinze. Quelle: ddp
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Laut „Bild am Sonntag“ verweigert der NDR seiner suspendierten Mitarbeiterin den Zugang zu den Sendergebäuden. „Der NDR hat Frau Heinze über ihren Anwalt aufgefordert, ihren Hausausweis abzugeben“, sagte Sprecher Martin Gartzke der Zeitung. Der Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD) forderte im Zusammenhang mit der Affäre die Einführung eines Ombudsmannes bei den Sendern.

Bereits unmittelbar nach Heinzes Suspendierung sind laut Gartzke sämtliche mit deren Ausweis verbundenen elektronischen Türöffner im NDR deaktiviert worden. Auch ihr Arbeitsplatz wurde abgeriegelt: „Das Büro von Frau Heinze ist im Rahmen der Revisionsprüfung verschlossen, die fristlose Kündigung auf den Weg gebracht“, sagte der NDR-Sprecher. Außerdem droht der Programmmanagerin der Verlust von Pensionsansprüchen. „Das prüfen wir“, sagte Gartzke. Zudem will der Sender dem Bericht zufolge unrechtmäßig gezahlte Honorare von Heinze zurückfordern.

Dem NDR ist durch die unter falschem Namen abgerechneten Drehbücher laut „Focus“ ein Schaden von rund 47 000 Euro entstanden. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte auf ddp-Anfrage, dass es sich um einen mittleren fünfstelligen Betrag handle. Die unter Betrugsverdacht stehende Fernsehspielchefin hat nach Angaben des Magazins insgesamt rund 94 000 Euro für die fraglichen Drehbücher erhalten, ihr stand aber nur die Hälfte zu.

Um derartige Fälle in Zukunft zu verhindern, sollen keine Drehbücher von nicht namentlich bekannten Autoren mehr angenommen werden. Obwohl festangestellte NDR-Mitarbeiter schon lange etwaige Pseudonyme offenlegen müssten, werde der Sender „diese Regeln verschärfen, so dass es in Zukunft an keiner Stelle ein Pseudonym ohne Angabe des Klarnamens gibt“, kündigte Gartzke an.

VDD-Vorstandsmitglied Ilse Biberti forderte ebenfalls in der „Bild am Sonntag“, Redakteure öffentlich-rechtlicher Sender sollten ein Sabbatjahr oder unbezahlten Urlaub nehmen müssen, wenn sie Drehbücher schreiben wollten. Außerdem setzte sich der Verband für die Einführung eines Ombudsmannes bei den Sendern ein, damit Mitarbeiter anonym und ohne Repressalien fürchten zu müssen auf mögliche Unregelmäßigkeiten hinweisen könnten. Der bekannte „Tatort“-Drehbuchautor Felix Huby („Bienzle“, „Schimanski“) sagte dem „Spiegel“, die Affäre um Heinze sei schon länger bekannt gewesen. „Es haben immer alle gewusst“, sagte Huby.

Hans-Werner Meyer, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Film- und Fernsehschauspieler, kritisierte zudem, dem Fall Heinze liege ein Fehler im System der Öffentlich-Rechtlichen zu Grunde. „So lange das Film-Geschäft so organisiert ist wie heute, werden Fälle wie Heinze immer wieder passieren. Das Problem ist gar nicht so sehr eine Redakteurin, die sich selbst Aufträge zuschanzt, sondern dass es in der Branche keinen echten Wettbewerb gibt“, bemängelte Meyer im Gespräch mit den Zeitungen der WAZ-Gruppe (Montagausgabe). Meyer forderte deshalb „strukturelle Änderungen“.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg hatte am Freitag ein förmliches Ermittlungsverfahren gegen die suspendierte NDR-Fernsehfilmchefin eingeleitet. Dabei geht es laut Staatsanwaltschaft um einen Anfangsverdacht wegen Betruges. Dieser bezieht sich auf die von Heinze unter Pseudonym verfassten und vom NDR zu einem „mutmaßlich höheren Preis“ erworbenen zwei Drehbücher und ein sogenanntes Treatment. ddp