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Medien & TV Hat Düsseldorf bei Bewerbung um Song Contest 2011 getrickst?
Nachrichten Medien & TV Hat Düsseldorf bei Bewerbung um Song Contest 2011 getrickst?
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21:10 14.12.2010
Die jetzt aufgeflammte Debatte dreht sich um den Austragungsort, die Esprit-Arena in Düsseldorf. Quelle: dpa
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Die erfolgreiche Bewerbung der Stadt Düsseldorf um die Ausrichtung des Eurovision Song Contest 2011 ist möglicherweise unter falschen Vorzeichen zustande gekommen: Die Stadt konnte ihre drei Konkurrenten Hannover, Hamburg und Berlin vor allem damit ausstechen, dass die örtliche Esprit-Arena mit 54 000 Plätzen sechs Wochen lang für Aufbau, Proben und Shows zur Verfügung steht. Dafür sollte der Fußball-Zweitligist Fortuna Düsseldorf ins alte Paul-Janes-Stadion umziehen, das dafür eigens ausgebaut werden sollte. Nun hat Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) andere Pläne: Direkt neben der Arena soll für drei Heimspiele ein provisorisches Ausweichstadion für 20 000 Zuschauer entstehen. Das Problem: Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) muss die Pläne noch offiziell absegnen. Und es drohen nicht eingeplante Mehrkosten: Die Rede ist von mehreren Millionen Euro.

Das renovierungsbedürftige Paul-Janes-Stadion am Flinger Broich aus dem Jahre 1930 sollte nach den ursprünglichen Plänen der Stadt auf bis zu 17 500 Plätze erweitert werden. Geplante Kosten: 1,5 Millionen Euro. Im Oktober hatte Elbers sogar lediglich von 600 000 Euro gesprochen. Nach dem Song-Contest-Zuschlag hat die Polizei jedoch offenbar erhebliche Sicherheitsbedenken angemeldet: Auch die Infrastruktur rund um den Altbau müsse erneuert werden, die „Rheinische Post“ kolportierte dafür Gesamtkosten von rund fünf Millionen Euro. Zwei interne Arbeitsgruppen suchten nach Alternativen. Der neue Plan: Die Schweizer Spezialfirma Nüssli, mitverantwortlich für den Deutschen Pavillon auf der Expo in Schanghai und mehrere WM-Stadien in Südafrika, soll im Januar im Arena-Sportpark Tribünen aus Stahlgerüsten direkt neben der Esprit-Arena errichten. Noch vor zehn Tagen hatte Sportdezernent Burkhard Hintzsche alle Gerüchte um ein solches Stadionprovisorium als „Gerede“ abgetan – um sie jetzt doch zu bestätigen.

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Erst am 6. Dezember wurden die neuen Pläne dann der DFL präsentiert – sieben Wochen nach dem Votum für Düsseldorf. Das bedeutet: Die Kür zum Grand-Prix-Gastgeber kam zustande, bevor die Stadt eine endgültige Lösung für den Umzug der Fortuna hatte. Der Vorgang nährt auch den Verdacht, die Stadt habe ihre Bewerbung auf der Basis unvollständiger Kostenrechnungen durchgeboxt.

Die Stadt wies alle Anschuldigungen am Dienstag zurück. Von „tricksen“ könne keine Rede sein, sagte ein Sprecher. „Man versucht nur, die Situation zu optimieren.“ Erst nach dem Grand-Prix-Zuschlag habe sich herausgestellt, dass die Verkehrssituation am Paul-Janes-Stadion nicht optimal und das Stadion zu klein sei. Zu möglichen Mehrkosten sagte der Sprecher nichts. Die Verhandlungen liefen noch. Zudem sei auch die „Lösung Paul-Janes-Stadion“ weiterhin im Gespräch.

Das klingt bei Elbers ganz anders. In einer offiziellen Mitteilung kündigte der Oberbürgermeister an, die Fortuna werde in den Sportpark umziehen, die neue Lösung habe „großen Charme“.
Der NDR hielt sich Dienstag bedeckt. Für den Sender zähle allein, dass die Esprit-Arena im April und Mai 2011 zur Verfügung stehe, hieß es. Alles andere sei Sache der Stadt. Die DFL will die neue Lizenz noch in diesem Jahr erteilen.

Imre Grimm

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