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Nachrichten Medien & TV Handy rettet Mann nach Erdbeben in Haiti das Leben
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11:39 22.01.2010
Das Programm „Pocket First Aid & CPR“ rettete Dan Woolley das Leben.
Das Programm „Pocket First Aid & CPR“ rettete Dan Woolley das Leben. Quelle: Screenshot
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Wenn jemand sagt, sein Mobiltelefon habe ihm das Leben gerettet, meint er meistens, dass es ihm geholfen hat, ein schickes Restaurant oder ein bequemes Hotel zu finden. Als Dan Woolley das sagte, meinte er es ernst. Denn eine Anwendung seines Smartphones hat dem amerikanischen Dokumentarfilmer das Leben gerettet. Woolley war beim Erdbeben in Haiti unter Trümmern eingeschlossen worden.

Eine Erste-Hilfe-App auf seinem iPhone habe ihm gezeigt, wie er seine stark blutenden Wunden zu behandeln habe, berichtete der US-Sender MSNBC. Nach 65 Stunden sei Woolley aus den Trümmern des Hotels Montana in Port-au-Prince gerettet worden. Mithilfe des Programms habe es Woolley verstanden, wie er mit seinem Hemd eine tiefe Schnittwunde am Bein abbinden und mit einer Socke das Blut seiner Kopfwunde stillen konnte. Außerdem habe das Gerät ihm geholfen, nicht einzuschlafen, wenn er das Gefühl hatte, in einen Schockzustand zu geraten. Er stellte die Weckfunktion seines Mobiltelefons so ein, dass es alle 20 Minuten klingelte. In der Finsternis der Trümmer diente dem 39-Jährigen das Gerät außerdem als Taschenlampe. Da Woolley kurzsichtig ist und bei dem Beben seine Brille verlor, fotografierte er mit seiner Digitalkamera die Umgebung und suchte auf den Bildern nach einem Ausweg. So fand er schließlich einen Aufzugschacht, in den er kroch und seine Wunden versorgte. Dort entdeckte ihn zweieinhalb Tage nach dem Erdbeben ein französisches Rettungsteam und holte ihn aus den Trümmern.

Während der 65 Stunden begann Woolley, Nachrichten an seine Familie in ein Notizbuch zu schreiben. „Ich wollte überleben“, sagte Woolley nach seiner Rettung, „ich wusste aber auch, dass ich das nicht kontrollieren konnte. Also wollte ich meiner Familie etwas hinterlassen, dass ihnen helfen würde, weiterzuleben.“ Der Amerikaner war in Haiti, um einen Dokumentarfilm über Entwicklungsprojekte in dem Land zu produzieren. Woolley wurde nach Miami ausgeflogen, wo ihn seine Frau Christina in die Arme schließen konnte. Ein paar Tage später kehrte das Paar zu seinen beiden sechs und drei Jahre alten Söhnen Josh und Nathan in Colorado Springs zurück. Woolleys Filmkollege David Hames wird immer noch vermisst. Das Programm „Pocket First Aid & CPR“, das Woolley rettete, wird von der American Heart Association angeboten und kostet 2,99 Euro.

Von Dirk Kirchberg (mit dpa)