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Medien & TV Handel mit Verbraucherdaten blüht weiter
Nachrichten Medien & TV Handel mit Verbraucherdaten blüht weiter
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18:48 12.08.2009
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Reportern von NDR Info gelang es binnen weniger Stunden, auf dem Schwarzmarkt im Internet tausende Datensätze zu kaufen, wie der Sender am Mittwoch berichtete. Diese enthielten neben Adresse und Geburtsdatum auch Bankverbindungen. Die Angaben stammten offenbar von Gewinnspielanbietern, Versicherungen oder Zeitschriftenverlagen. Über Call Center gelangten sie häufig an Adresshändler. Insgesamt wurden den Reportern den Angaben zufolge zwei Millionen Daten angeboten.

Betroffene, deren Angaben NDR Info zugespielt wurden, berichteten von einem massiven Missbrauch ihrer Daten. Danach buchten etwa Glücksspielfirmen ohne Zustimmung regelmäßig Geld von den Konten der Verbraucher ab.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar zeigte sich von dem Ergebnis der Recherchen nicht überrascht. Schaar sagte dem Sender, die Aufsichtsbehörden seien angesichts der Masse an illegalen Daten auf dem Schwarzmarkt überfordert. Viele Datenschutzstellen seien personell unterbesetzt. Auch der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Sebastian Edathy (SPD), zeigte sich wenig verwundert über das Ausmaß des Handels. Seit dem vergangenen Jahr überrasche ihn in Sachen Datenhandel nichts mehr, sagte er dem Sender.

Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert forderte auf NDR Info eine bessere Ausstattung der Ermittlungsbehörden. Die Aufsichtsbehörden, die Polizei, aber auch die Staatsanwaltschaften seien mit Blick auf ihr Personal und vorhandene Ressourcen viel zu schlecht ausgestattet, um effektiv etwas gegen den illegalen Datenhandel zu unternehmen.

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) bekräftigte seine Forderung nach einem entschiedenen Vorgehen gegen den illegalen Datenhandel. Es gebe momentan ein Vollzugsdefizit, die Datenschutzbehörden müssten das geltende Recht konsequenter anwenden, sagte Datenschutz-Experte Tobias Stadler.

Vor einem Jahr hatte ein Call-Center-Mitarbeiter eine CD mit 17 000 Adressen und Bankverbindungen der Kieler Verbraucherzentrale zugeschickt. Danach war eine bundesweite Debatte über den Datenschutz entbrannt. Im Juni verabschiedete der Bundestag ein Gesetz, das den Missbrauch von persönlichen Angaben erschweren soll. ddp