Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV HDTV bei den Privaten kostet bald
Nachrichten Medien & TV HDTV bei den Privaten kostet bald
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:21 21.07.2009
Quelle: Handout
Anzeige

Lange Zeit hatte das hochauflösende Fernsehen HDTV in Deutschland das Henne-Ei-Problem: Die Sender mochten nicht darauf umstellen, weil es nur wenige Zuschauer gab, die entsprechende HDTV-Fernseher besaßen; und umgekehrt mochten die Zuschauer nicht unbedingt neue HD-Fernseher kaufen, weil es nur vereinzelte Sender gab, die ein entsprechendes Signal senden.

Das ändert sich künftig. Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF wollen mit der Übertragung der Leichtathletik-WM in Berlin den ersten von drei sogenannten Showcases starten, bei denen Ereignisse im hochauflösenden Bildformat übertragen werden. Und von Februar 2010 an soll HDTV im Regelbetrieb gesendet werden. Der Bezahlsender Sky, vormals Premiere, hat die Zahl seiner HD-Kanäle von zwei auf sieben erhöht. Daneben senden wie gehabt Anixe HD und Arte HD feinpixelige Videos. Im Herbst wollen RTL und Vox ebenfalls HD-Signale über Satellit ausstrahlen, der Satellitenbetreiber Astra kombiniert dafür ein Paket "HD+". Ebenso haben nun auch die Privatsender Sat.1, ProSieben und Kabel eins angekündigt, bei diesem Satellitenpaket mitzumachen.

Anzeige

Allerdings: Astra und die Sender wollen dafür langfristig eine Gebühr verlangen. Deren Höhe steht noch nicht fest. Im ersten Jahr werden Kunden nach Angaben eines Sprechers einen Receiver kaufen können, bei dem der Empfang der privaten Kanäle bereits mit dem Preis des Receivers abgegolten sein soll. Nach Ablauf des Jahres benötigt man dann eine neue Karte oder eine Verlängerung der alten Karte, die Geld kosten soll. Wie viel, ist unklar.

Für Fernsehzuschauer des herkömmlichen PAL-Signals ändert sich durch die Pläne nichts: Die Sender zeigen weiterhin ihre Kanäle auch im alten Format. HDTV wird ein Zusatzangebot - und empfangen können wird es jeder, der über dreierlei verfügt: einen entsprechenden Fernseher, eine digitale (nicht analoge) Satellitenanlage sowie einen entsprechenden Receiver samt dafür freigeschalteter, kostenpflichtiger Smart Card. Denn während ARD und ZDF ihre HD-Programme unverschlüsselt und damit frei empfangbar ausstrahlen, werden die HD-Programme der Privatsender grundverschlüsselt. Astra übernimmt die Vermarktung der für den Empfang der verschlüsselten Programme notwendigen Karten. Wie ein Astra-Sprecher erläuterte, soll der Preis für den Empfang der Privatsender über HD+ im ersten Jahr mit dem Kauf des Receivers abgegolten sein. Danach werde ein Entgelt erhoben, über dessen Höhe später informiert werden soll.

Rund 13 Millionen Haushalte in Deutschland besitzen bereits Fernseher, die hochauflösende Sendungen anzeigen können. Doch ob die jeweils eingesetzten älteren Receiver auch die verschlüsselten Programme zeigen können, ist derzeit unklar. "An passenden Empfangsgeräten herrscht prinzipiell kein Mangel, doch hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass ein Spontankauf keine gute Idee ist", urteilt etwa der Fachjournalist Nico Jurran in einem Test aktuell erhältlicher HDTV-fähiger Satellitenreceiver in der Zeitschrift "c't". Denn so schön und knackig scharf das HD-Fernsehen ist, so holt man sich doch neue Probleme ins Wohnzimmer, wenn man auf HD umstellt. Die Bedienung wird wieder etwas komplizierter, eine HD-Aufnahme kann man nicht mehr einfach weitergeben, und beim Umschalten zwischen HD-Ausstrahlungen und PAL-Sendungen entstehen lästige Wartezeiten. Zudem dauert das Einschalten des Fernsehers deutlich länger als bisher. Es gilt, sich künftig mehr Zeit zu nehmen fürs Fernsehen. Aber dafür dürfte es, was die technische Qualität angeht, ein besonderer Genuss werden.


HD ist nicht gleich HD

HDTV ist lediglich ein Sammelbegriff: Er definiert unterschiedliche Fernsehnormen, die über das bislang übliche PAL-Format hinausgehen. Geräte, die eine Mindestauflösung von 720 Zeilen aufweisen, werden als HD-ready bezeichnet. Mehr Details zeigen dagegen Geräte, die 1080 Zeilen darstellen können. Das wird auch als "Full HD" bezeichnet. Die HD-Bezahlkanäle von Sky und der Sender Anixe HD haben ihre Sendungen bisher in "1080i" gezeigt, wie das Full-HD-Format mit 1920 x 1080 Pixeln auch bezeichnet wird. ARD und ZDF sowie das bereits sendende Arte HD setzen dagegen auf das Format "720p", bei dem die geringere Zahl von 1280 x 720 Bildpunkte dargestellt wird. Dieses Format ist trotz der geringeren Anzahl an Pixeln nicht unbedingt schlechter. Denn hier werden Voll- statt Halbbilder übertragen. Bei Halbbildern werden jeweils nur die geraden und ungeraden Zeilen im Wechsel übertragen, was jedoch einen flüssigeren Bewegungseindruck vermittelt. Besonders bei Sportübertragungen mit vielen schnellen Bewegungen entwickelt sich so ein besseres Bild.


HDTV auch über T-Home

Welche HD-Programme übers Kabelfernsehen sehbar werden, ist derzeit unklar: "Kabel Deutschland ist bestrebt, ihren Kunden ein breites HDTV-Angebot zu machen. Deshalb sprechen wir regelmäßig mit Anbietern von HD-Inhalten über eine mögliche Einspeisung", hieß es zuletzt vage. So sind zunächst vor allem Nutzer von digitalen Satellitenanlagen auf der sicheren Seite, wenn sie HD empfangen wollen. Doch prescht seit Kurzem ein neuer Konkurrent vor: T-Home von der Deutschen Telekom ermöglicht ebenfalls das hochauflösende Fernsehen - wenn auch nach bisherigem Verhandlungsstand nur für zwei Kanäle. Der eine ist der wohl langweiligste unter den Kanälen, Anixe HD, der andere der wahrscheinlich spannendste, der Neuling "Liga total!". Die Telekom strahlt darüber die Bundesligaspiele in HD aus. Wobei "ausstrahlen" beim Empfänger besondere Technik erfordert: einen VDSL-Anschluss, mit dem ein schneller Internetzugang realisiert wird. Die Standardprogramme der öffentlich-rechtlichen und privaten Kanäle sind darüber allerdings noch nicht im HD-Format zu bekommen.