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03:11 15.06.2012
Von Michael Lange
HABEN EINEN SCHWEREN STAND: Kathrin Müller-Hohenstein und Experte Oliver Kahn.
HABEN EINEN SCHWEREN STAND: Kathrin Müller-Hohenstein und Experte Oliver Kahn. Quelle: Stefan Sauer
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Hannover/Usedom

„So falsch kann unser Konzept nicht sein“, sagte Gruschwitz, „der Start war vielleicht etwas holprig, doch das besondere Ambiente der Bühne kommt bei den Zuschauern sehr gut an.“

Bei manchen vielleicht, bei anderen gewiss nicht. Als „Rentner-Spektakel mit ,Fernsehgarten-Atmosphäre’“ kanzelt„Stern.de“ die Sendungen von der ZDF-EM-Bühne in Heringsdorf ab: „Morgens Fußpflege, abends Fußball.“ Die „Süddeutsche“ vergleicht die Atmosphäre mit „einer Art-AOK-Kongress“, Die Münchner „tz“ ist gleich für den großen Aufwasch: „Einmal Flut, und alles wäre gut!“ Die „Bild“-Zeitung findet: „Mit dem Zweiten sieht man Wasser.“ Obendrein monieren die Lästerer, Moderatorin Kathrin Müller-Hohenstein und Experte Oliver Kahn seien auf der Insel an der deutsch-polnischen Grenze zu weit vom sportlichen Geschehen weg und würden schon deshalb keine gute Figur machen. KMH erinnerte jedenfalls die „Frankurter Rundschau“ an eine „Touri-Suse vom Sonnenschein-TV, die den Strandkorbverleiher von Boltenhagen interviewt“.

Dazu verrichten sie ihren Job gegen mitunter heftigen Wind und flaue Stimmung - ausgebucht waren die Liegestühle von den urlaubenden Senioren an den ersten Tagen bei weitem nicht. Das war am Mittwoch beim Deutschland-Spiel anders, und so soll es ab dem Viertelfinale immer sein - das ZDF rechnet an jedem Übertragungstag mit 1000 und mehr Zuschauern.

Die Entschluss der ZDF-Entscheider, in Heringsdorf eine Bühne ins Meer zu wuchten, hatte mit den positiven Erfahrungen bei der EM vor vier Jahren auf der Seebühne in Bregenz zu tun. Damals allerdings hatten Johannes B. Kerner und Jürgen Klopp von einer Opernkulisse am Bregenzer See berichtet, was gut ankam. Aus Sicht von Sportchef Gruschwitz war es einleuchtend, die Rahmenberichterstattung nicht in Polen oder der Ukraine zu produzieren: „Weil Sie das dort nicht machen könnten, denn da würde kein Zuschauer Sie verstehen.“

Bleibt die Frage, ob alle Zuschauer verstehen und gutheißen, was Müller-Hohenstein und Kahn an den Sendetagen zwischen 16.15 und 23.15 Uhr so treiben. Experte Kahn scheint zwar nach zunächst schwerem Fremdeln gegenüber der ungewohnten Ostsee aufzutauen, sein bedauernswertes Faible für Flaches hat sich dadurch aber nicht abgeschwächt.

Insbesondere die ansehnliche ZDF-Twitter-Tussi Jeannine Michaelsen macht auf Kahn Eindruck, Mittwochnacht rang sie ihm sogar den ersten Tweet seines Lebens ab. Und so sollte nach Willen des Ex-Titanen der erste Satz auf „@OliverKahn“ lauten „Wir werden Europameister“, röhrte Kahn, „mit drei Ausrufezeichen.“ Prompt kam die Retourkutsche der jungen Twitter-Dame: „Wie platt is das denn?“

Sie hats also auch gemerkt.

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