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Medien & TV Ex-Bild-Chef Kai Diekmann: Was die klassischen Parteien falsch machen
Nachrichten Medien & TV Ex-Bild-Chef Kai Diekmann: Was die klassischen Parteien falsch machen
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10:05 31.07.2019
Der ehemalige Herausgeber und Chefredakteur der „Bild“-Zeitung Kai Diekmann in einem Park in Potsdam. Quelle: Friedrich Bungert
Postdam

Die deutschen Medien würden aus ihren Fehlern nicht lernen, meint Kai Diekmann, der 16 Jahre an der Spitze der Bild stand und in Potsdam lebt. Es gäbe eine „mediale Arroganz“. „Man muss ehrlich sagen: Wir haben insgesamt in vielen Redaktionen in einer Wahrnehmungs-Blase gelebt. Es gibt manchmal einen Meinungseinheitsbrei in den deutschen Medien, der ist nur schwer zu ertragen. Und immer, wenn wir uns dessen überführt fühlen, geißeln wir uns – um danach genauso weiterzumachen, sagt er im Interview mit der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ). Und führt als Beispiel die Berichterstattung über US-Präsident Donald Trump an. „Ich bin kein Trump-Fan, aber dass es den deutschen Medien so schwer fällt, ihn einfach nüchtern zu betrachten, verstehe ich nicht: Erst haben wir nicht geglaubt, dass er Kandidat wird. Dann nicht, dass er Präsident wird. Und dann dachten wir, dass er ganz schnell scheitert. Weil sich die meisten Journalisten von Anfang an ihre ganz klare Meinung zu Trump gebildet haben, Trump-Bashing ja auch so wundervoll gut ankommt und einfach ist, kommen die meisten gar nicht mehr dazu, den Grund seines Wahlerfolges zu verstehen“, sagt er.

Diekmann war 2017 bei Axel Springer ausgeschieden, hat inzwischen die Social-Media-Beratungsagentur „Storymachine“ gegründet. Gerüchten zufolge soll sein Unternehmen auch hochkarätige Politiker wie die neue EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beraten. Doch zu seinen Klienten schweigt Diekmann und sagt lediglich: „Es liegt mir auf der Seele, wie die klassischen Volksparteien dramatisch an Bedeutung verlieren, auch, weil es die Populisten auf Social Media besser machen. Die SPD hat sicher mehr Leute, die das Magazin „Vorwärts“ redigieren als sich um Social Media zu kümmern. Die AfD hat einen großen Newsroom für soziale Medien eingerichtet – und kein gedrucktes Magazin. Das Ergebnis ist bekannt - die AfD hat mehr Follower auf Facebook als SPD und CDU zusammen Das macht mich wahnsinnig. Die klassischen Parteien haben aus dem Paradigmenwechsel in der Kommunikation noch nicht ausreichend Konsequenzen gezogen“, sagt er.

Der ehemalige Chefredakteur und Herausgeber Kai Diekmann war in Potsdam zu Besuch und hat dort mit Hannah Suppa, Chefredakteurin Digitale Transformation und Innovation im Regionalen der MADSACK Mediengruppe, über deutsche Medien und Parteien gesprochen.

Diekmann sieht Agenda 2010 heute anders

Zu seiner Zeit bei Bild sagte Diekmann der MAZ: „In so einem langen Zeitraum bleibt es gar nicht aus, dass sie falsche Entscheidungen treffen: falsche Personalentscheidungen, falsche Schlagzeilenentscheidungen.“ Als Beispiel führt der Ex-Chefredakteur die Berichterstattung über die Agenda 2010 an. „Wir haben nicht gesehen, welchen Wert diese Reform für Deutschland hat. Da haben wir draufgehauen. Eine Schlagzeile war: „Jetzt gehen Sie auch noch an die Sparbücher unserer Kinder“. Und das war unterste Schublade, eine brutale Kampagne, die in der Sache falsch war. Die Agenda 2010 hat uns am Ende durch die Wirtschaftskrise geführt und bis heute zum wirtschaftlichen Erfolg dieses Landes beigetragen, weil wir rechtzeitig die Weichen gestellt haben. Das habe ich Gerhard Schröder übrigens auch gesagt. Mit Sicherheit gibt es auch Schlagzeilen, die ich heute anders einschätze.“

In seine Wahl-Heimat Potsdam ist der gebürtige Ravensburger nahezu „verliebt“ – seine Begeisterung über die Stadt teilt er auch beinahe täglich via Social Media mit. Warum die brandenburgische Landeshauptstadt so beliebt ist – gerade bei Prominenten? Diekmann: „Potsdam ist einfach ein einmaliges soziologisches Experiment: Weil ganz viele Menschen von irgendwoher gekommen sind nach der Wende und die Entscheidung getroffen haben, dass sie hier leben wollen. Es ist ein stückweit ein Neuanfang auch für die Stadt gewesen – das gibt es sonst nicht in Deutschland.“

Das ganze Interview lesen Sie bei der MAZ.

Von RND/Hannah Suppa

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