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Medien & TV Eva Herman gewinnt Prozess gegen Springer-Verlag
Nachrichten Medien & TV Eva Herman gewinnt Prozess gegen Springer-Verlag
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13:20 28.07.2009
Gewinnt Prozess: Eva Herman. Quelle: ddp
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Der 15. Zivilsenat verbot dem Verlag, ein falsches Zitat der Moderatorin zum Nationalsozialismus weiter zu verbreiten. Außerdem muss der Verlag eine Entschädigung von 25 000 Euro zahlen und richtigstellen, dass Herman die Äußerung so nicht getätigt hat (Aktenzeichen OLG Köln 15 U 37/09).

Das von Springer verlegte „Hamburger Abendblatt“ hatte in seiner Print- und Internetausgabe von einer Pressekonferenz Hermans berichtet. Dabei wurde Herman zur Politik des Nationalsozialismus so zitiert: „Da sei vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut. Zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter.“

Die Fernsehmoderatorin hat den Verlag und die Redakteurin auf Unterlassung und auf Zahlung einer Entschädigung verklagt. Durch das Falschzitat sei ihr Persönlichkeitsrecht schwer beeinträchtigt worden, da sie als Sympathisantin der NS-Familienpolitik dargestellt werde. In Wahrheit habe sie sowohl im Verlauf der Pressekonferenz als auch bei anderen öffentlichen Auftritten stets deutlich gemacht, dass sie den Nationalsozialismus verabscheue.

Die Richter des Oberlandesgerichts gaben jetzt der Fernsehmoderatorin im Wesentlichen Recht. Das Zitat, das ihr in dem Artikel im „Hamburger Abendblatt“ als eigene Äußerung in den Mund gelegt werde, sei falsch und entspreche nicht den tatsächlichen Äußerungen Hermans während der Pressekonferenz. In Wahrheit habe es sich um eine Interpretation der von Herman gemachten mehrdeutigen Formulierung gehandelt. Dies hätte in dem Artikel aber deutlich gemacht werden müssen. Nach Überzeugung des Gerichts hätten sich die verantwortlichen Redakteure des Beitrags durch einfache und zeitnahe Nachfrage vergewissern können und müssen, ob die Äußerung Hermans tatsächlich so gefallen war.

Nach Angaben eines Gerichtssprechers berücksichtigte der Senat bei der Bemessung der Entschädigung allerdings nicht, dass die dem Artikel nachfolgende Medienkampagne die berufliche und private Existenz Hermans erheblich beeinträchtigt hat. Dafür sei nicht allein der Springer-Verlag verantwortlich zu machen. Eine Revision wurde nicht zugelassen. Allerdings ist eine Nichtzulassungsbeschwerde zum Bundesgerichtshof möglich. ddp

Christiane Eickmann 28.07.2009