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Medien & TV "Erwachsen auf Probe": RTL stellt sich Kritikern
Nachrichten Medien & TV "Erwachsen auf Probe": RTL stellt sich Kritikern
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19:04 22.05.2009
Will gelernt sein: Umgang mit Babys.
Will gelernt sein: Umgang mit Babys. Quelle: ddp
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Die Babys und Kleinkinder stehen im Mittelpunkt der Doku-Soap „Erwachsen auf Probe“, mit der RTL ab 3. Juni (20.15 Uhr) den Erfolg der Sendungen „Super Nanny“ und „Teenager außer Kontrolle“ fortschreiben will.

In den sieben Episoden vertrauen Eltern ihren Nachwuchs vier Teenager-Paaren mit Kinderwunsch an. Rund um die Uhr begleitet von Kamerateams müssen die Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 19 Jahre mit den Wünschen und Bedürfnissen der lieben Kleinen zurecht kommen. Besonders der Einsatz der Babys und die damit verbundene Trennung von ihren leiblichen Müttern ruft bei Kinderschutzverbänden und Politikern Empörung hervor.

Bei einer Präsentation der ersten beiden Folgen wollte RTL am Freitag in Köln die Wogen glätten. Die Vertreter der ebenfalls eingeladenen Kinderschutzverbände zeigten sich erwartungsgemäß wenig beruhigt. Nach knapp einer Stunde „Erwachsen auf Probe“ wiederholten sie ihren Appell an RTL, die Sendung nicht auszustrahlen.

Doch RTL stehe zu dem Format, betonte Unterhaltungschef Tom Sänger und verwies auf die erfolgreiche Ausstrahlung in anderen Ländern:
„Natürlich wollen wir mit der Sendung viele Zuschauer erreichen, aber es geht uns auch darum, ein gesellschaftliches Problem wie Teenagerschwangerschaften aufzugreifen.“

Vier Tage verbrachten die Babys bei den Teenager-Paaren in eigens mit Kameras präparierten Einfamilienhäusern. Dabei war eine Erzieherin ständig anwesend, zudem konnten die echten Mütter mit einer Live-Übertragung ins Nachbarhaus ständig überprüfen, wie die Jugendlichen mit dem Nachwuchs auf Zeit umgingen. Sie konnten auch sofort einschreiten, wenn sie sich um das Wohl ihrer Kinder sorgten -und das sollte in der Tat erforderlich werden.

Hinter „Erwachsen auf Probe“ steckt das gleiche Team wie bei der erfolgreichen „Super Nanny“ und das merkt man den Episoden an. Die flott geschnittenen Bilder sind mal emotional, mal unterhaltsam. Zumindest die Kleinkinder scheinen die Dreharbeiten einigermaßen gut verkraftet zu haben. Lasse und Theresa verstanden es nachhaltig, ihre Bedürfnisse anzumelden, sodass Ersatz-Papa Mario schließlich den endlich schlummernden Säugling anflehte: „Schlaf weiter.“

Am besten klar kam offenbar ausgerechnet das Paar, dem die Zwillinge Chiara und Alicia anvertraut wurden. Zum Erstaunen der echten Mutter fand besonders der 16-jährige Gymnasiast Sebastian sofort einen Draht zu den sieben Monate alten Mädchen und ging in der Vaterrolle förmlich auf. Immerhin, für Folge drei stellt RTL hier einen handfesten Beziehungsstreit in Aussicht.

Als Debakel erwies sich die Elternschaft auf Probe für den 17-jährigen Elvir und seine eine Jahr ältere Freundin Nadine. Zunächst mussten die Paare die Elternrolle mit lebensechten Babypuppen üben. Zum Entsetzen der Betreuer rollte sich der schlafende Elvir auf die Puppe, was einem echten Baby wohl das Leben gekostet hätte. Deshalb musste das Paar einen Tag länger mit der Attrappe üben, „weil unser Baby gestorben ist“, wie Nadine messerscharf schloss.

Genüsslich begleitet RTL später die beiden völlig überforderten Jugendlichen beim Einkaufen mit der kleinen Zoe-Marie, wobei es zur grundsätzlichen Abrechnung des Paares kommt. Nadine solle froh sein, ihn überhaupt zum Freund zu haben, fand der Schüler missmutig.

Auch der ihm zugedachte Job als Wagenpfleger ist Elvir viel zu anstrengend, viel lieber kümmerte er sich um Baby und Haushalt: „Das ist ja keine Arbeit.“ Es kommt wie es kommen muss: Allein mit dem 14 Monate alten Mädchen scheitert Elvir kläglich. Als er am Ende seiner Kräfte und Nerven Zoe-Marie einen Moment lang unbeaufsichtigt auf dem Wickeltisch liegen lässt, schreitet die Erzieherin ein. Auch Zoe-Maries Eltern ziehen die Konsequenzen und nehmen ihm das Kind weg.

Zuvor hatte der verzweifelt Elvir noch versucht, die quengelnde Zoe-Marie mit einer Tanzeinlage zu beruhigen: „Ey, ich mach mich voll zum Idioten hier“, murmelte er in die Kamera. ddp