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Medien & TV "Emotionen gehören zur Geschichte dazu"
Nachrichten Medien & TV "Emotionen gehören zur Geschichte dazu"
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18:43 04.11.2010
Der Historiker Guido Knopp hat auch an der Fortsetzung von „Die Deutschen“ mitgeschrieben.
Der Historiker Guido Knopp hat auch an der Fortsetzung von „Die Deutschen“ mitgeschrieben. Quelle: © Guido Knopp
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Von Fabian Mast

Waren Sie von dem Erfolg des ersten Bandes von "Die Deutschen" überrascht? Immerhin gab es auch viele jüngere Zuschauer.


Wir waren von unserem Werk überzeugt. Aber dass wir eine so große Resonanz erfahren, hat uns im positiven Sinne überrascht. Die erste TV-Folge hatte über sechs Millionen Zuschauer, und das hat sich dann im weiteren bestätigt.

Liegt der Erfolg vielleicht auch darin begründet, dass deutsche Geschichte einmal nicht auf die Nazizeit reduziert wird?


Das ist wohl der Eindruck der Zuschauer. Wir selber haben das Thema Nazizeit ja in vielen Sendungen behandelt. Ich denke, mittlerweile sind da alle wesentlichen Themen dargestellt.

Was treibt die Geschichtswissenschaft jetzt an?


Es bleibt das Bedürfnis nach einer eigenen Identität: Wer sind wir, woher kommen wir? Geschichte hat nicht nur einen investigativen Anspruch, sondern auch einen Identitätsanspruch. Den findet man nicht nur in den glücklichen 65 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, sondern auch in den Jahrhunderten davor. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation wurde oft zu Unrecht als „Flickenteppich“ diffamiert. Aber es hatte über Jahrhunderte hinweg eine friedliche Geschichte. Und noch heute sind wir ein Land der Regionen: Die Probleme, die Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer hat, hatte Otto der I. im Mittelalter mit seinen Herzögen auch.


Bei ihren Sendungen stellen Schauspieler historische Ereignisse nach – eine völlig andere Herangehensweise von Schul- und wissenschaftlichen Büchern. Muss Bildung im Medienzeitalter diesen Weg gehen?

Es wäre sträflich, wenn wir diese Chance nicht nutzen würden. Beispiel Mittelalter: Wir wissen, wie die Welt damals aussah – warum soll man sie nicht rekonstruieren? Wir haben dazu die besten Historiker im Land für Kommentare engagiert, das ergibt ein stimmiges Gesamtbild.


Das macht die Produktion der Dokus wahrscheinlich nicht gerade billiger?

Mit Schauspielern wird es doppelt so teuer. Dafür gibt es Erlöse aus DVD-Verkäufen, und die Folgen werden häufiger wiederholt.


Kritiker sagen, die Filme seien zu emotional - auf Kosten der Fakten.


Das ist kompletter Unsinn. Faktentreue ist die Basis von allem. Würden wir darauf keinen Wert legen, hätten wir keine 20 Top-Wissenschaftler für die Serie engagiert. Außerdem: Emotionen gehören zur Geschichte einfach dazu. Vor allem, wenn Menschen Opfer von historischem Geschehen werden.Das zu ignorieren wäre sträflich.


Wie beurteilen Sie das neue Nationalgefühl, das seit der WM 2006 im eigenen Land ausgebrochen zu sein scheint?

Es ist gut, wenn sich das Nationalgefühl auf die positiven Linien der Geschichte bezieht, also auf die demokratischen Traditionen wie das Hambacher Fest oder die Paulskirchenverfassung. Aber ich zitiere da gern den irischen Autor George Bernard Shaw: „Eine gesunde Nation ist sich ihrer Nationalität so wenig bewusst wie ein gesunder Mann seiner Knochen. Aber sie sind da.“

Nehmen wir an, in 500 Jahren schreibt ein Nachkomme von Ihnen ein ähnliches Buch: Wird ein Deutscher unserer Gegenwart in dem Buch vorkommen?


Eine gute Frage. Mit Blick auf das 20. Jahrhundert im bösen Sinne: Hitler. Im guten Sinne die drei Kanzler, die historische Bedeutung erlangten: Konrad Adenauer durch seine Westintegration, Willy Brandt durch seine Ostpolitik und, darauf aufbauend, Helmut Kohl durch die Einheit. Es hat eine gewisse Tragik, dass Helmut Schmidt nicht dabei ist – er war gewiss der Tüchtigste von allen.

Sind Sie mit dem Wissen um die ganze deutsche Vergangenheit stolz darauf, Deutscher zu sein?


Stolz bin ich auf meine Kinder und meine tolle Frau. Aber ich bin froh, in diesem Land zu leben. Wir sind heute in einem Deutschland, das alle drei Ziele, die es immer hatte, erreicht hat: Einheit, Freiheit, Frieden. Wir sind umzingelt von Verbündeten. Sollten wir da nicht an jedem 3. Oktober, unserem Nationalfeiertag, auf den Straßen tanzen?

Guido Knopp, Stefan Brauburger, Peter Arens: „Die Deutschen. Von Karl dem Großen bis Rosa Luxemburg.“ C. Bertelsmann. 432 Seiten. 24,99 Euro.

ZDF: Die Deutschen. Ab Sonntag, 14. November, 19.30 Uhr.

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