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Medien & TV "Emergency Room" läuft in den USA nach 15 Jahren aus
Nachrichten Medien & TV "Emergency Room" läuft in den USA nach 15 Jahren aus
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18:35 03.04.2009
Feierabend: Das Team vom Emergency Room hört auf
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Nach rekordverdächtigen 15 Jahren Laufzeit und 332 Episoden haben die Mediziner der Kult-Serie das Operationsbesteck aus der Hand gelegt, in der Nacht zum Freitag strahlte der Sender NBC in den USA die letzte Folge aus. „Emergency Room“ war die am längsten laufende Krankenhausserie überhaupt, sie hatte dem angestaubten Genre eine Vitaminspritze verpasst.

„Um etwas vergleichbar Populäres zu finden, muss man schon in die 60er Jahre zu ’Bonanza’ zurückgehen“, befindet das US-Branchenblatt „Hollywood Reporter“. 122 Mal war die Serie für den Top-Fernsehpreis „Emmy“ nominiert, 22 Mal gewann sie ihn. Kritiker priesen die Serie lange für ihre revolutionären Stil und ihre brilliante Besetzung. Blitzschnelle Schnitte, rasende Kamerafahrten durch die Gänge, dramatisch verwackelte Handkameraufnahmen aus dem OP - so etwas hatte es in Arztserien noch nicht gegeben.

Als Star-Drehbuchschreiber Michael Crichton und Produzent Steven Spielberg die Serie 1994 auf den Bildschirm brachten, gingen sie ein Wagnis ein. Sie präsentierten dem Publikum nicht die vertrauten Halbgötter in weiß, sondern gestresste Mediziner im Schichtbetrieb, denen regelmäßig blutüberströmte Unfallopfer auf den Operationstisch gelegt wurden. Die schmerzhafte Dosis Wirklichkeit kam bei den Zuschauern an. „Die Serie glänzte mit einer beispiellos realistischen, unter die Haut gehenden Beschreibung der Arbeit unter Hochdruck in der Notaufnahme“, resümiert der „Philadelphia Inquirer“.

Das Leben im fiktiven Chicago County General Hospital war voller Risiken und Nebenwirkungen. Auch die letzte Folge, deren Inhalt NBC bis zur Ausstrahlung geheim gehalten hatte, misst die ganze emotionale Spannbreite zwischen Beginn und Ende des Lebens aus. Eine Frau stirbt bei der Geburt von Zwillingen, ein alter Mann muss Abschied nehmen von der Liebe seines Lebens - und die Tochter von Doktor Mark Greene, bis zu seinem Serientod vor einigen Jahren eine der Hauptfiguren, tritt als junge Ärztin ihren Dienst im Hospital an. Bereits vor drei Wochen hatte Herzensbrecher George Clooney, einer der ER-Stars der ersten Stunde, einen Gastauftritt in seiner alten Serie. In Deutschland wird das Zwei-Stunden-Finale erst in einigen Monaten ausgestrahlt.

Manche Kritiker sahen „ER“ zuletzt als Opfer des eigenen Erfolgs, die Sendung habe ihren kreativen Höhepunkt längst überschritten. Die Einschaltquoten geben ihnen Recht: Bei der Premiere 1994 sahen 23,8 Millionen Menschen zu, bis 1998 schalteten sich durchschnittlich atemberaubende 47,8 Millionen US-Zuschauer zu, zuletzt waren es um die zehn Millionen. Die Serie, ihre Charaktere und Geschichten, hatten sich überlebt. „Es wird Zeit, dass bei ’ER’ die lebenserhaltenden Geräte abgeschaltet werden“, unkte der TV-Kritiker der „USA Today“.

Für die Fangemeinde richtete der Sender NBC ein Forum im Internet ein. „Ich habe gelacht und geweint, ’ER’ war von Beginn an Teil meines Lebens“, schrieb ein Fan zu Abschied. Ein anderer meinte: „Ich habe die Charaktere geliebt, sie waren sie echt, so menschlich. Ich bin so traurig, dass ’ER’ jetzt geht.“ In Erwartung riesiger Einschaltquoten hatte der Sender laut Medienberichten den Preis für einen 30-Sekunden-Spot in den Werbepausen der letzten Episode von 135.000 auf 425.000 Dollar erhöht.

In einem Interview mit „Hollywood Reporter“ zeigte sich Produzent John Wells selbst erstaunt über den Dauererfolg der Serie. „Es muss schon viel richtig laufen, um derart erfolgreich zu sein“, sagte er. „Es ist ein bisschen wie Alchimie: Plötzlich steht man als Genie da, aber die Wahrheit ist, dass man das alles vorher nicht einfach planen kann.“ afp

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