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Nachrichten Medien & TV Ein Ehepaar für die Lindenstraße
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15:15 27.02.2009
Dominikus Probst und Irene Fischer sind auch privat ein Paar Quelle: ddp
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Privat lebt die Schauspielerin und Drehbuchautorin mit Regisseur Dominikus Probst und drei Kindern bei Freiburg auf dem Lande. Populär geworden ist sie seit über 22 Jahren durch ihre zweite Familie aus der „Lindenstraße“-Serie.

Als Anna Ziegler erlebt sie Freud und Leid an der Seite des wackeren Hans Beimer und den gemeinsamen Kindern. Und was hat sie da nicht alles einstecken müssen: Zum Sex gezwungen vom fiesen Chef des Gatten, den sie dann auch noch versehentlich ins Jenseits befördert; dann die Herausforderung, mit einem behinderten Kind zu leben. Derzeit müssen die Fans erneut um Anna Ziegler bangen. Sie steht vor Gericht, weil sie dem brutalen Freund ihrer Tochter einen tödlichen Schubs gegeben haben soll. Irene Fischer nimmt es gelassen: „Ich bin halt der Dödel fürs Grobe.“

Wenn sie nach Köln zu den Dreharbeiten der Serie fährt, ist häufig Ehemann Dominikus Probst mit dabei, denn auch der Regisseur arbeitet für die Serie. Weit über hundert „Lindenstraßen“-Episoden hat Probst inzwischen inszeniert. Es sei die erste Serie gewesen, in der seine Frau für ihn vor der Kamera gestanden habe, erinnert sich Probst. „Wir hatten uns damals vorgenommen, uns nicht vor den Kollegen zu küssen.“ Der erste Drehtag sei schon etwas bizarr gewesen, räumen die Eheleute ein. Doch wenn die Kamera laufe, sei man ohnehin in einer anderen Welt, findet Probst: „Es geht ja letztlich um das Produkt - das Ergebnis der Arbeit muss stimmen. Ich bin eher kritischer mit ihr, weil man sich da ja nichts nachsagen lassen will.“

„Stimmt, ich werde viel seltener gelobt als die anderen. Es wäre ja aber auch wirklich hochpeinlich, wenn er mir mehr Großaufnahmen geben würde“, ergänzt seine Frau. Einfluss auf den realen Ehe-Alltag habe die TV-Familie nicht: „Ich hätte ehrlich gesagt, Schwierigkeiten, wenn sie mit Bruce Willis spielen würde“, scherzt Probst und seine Gattin widerspricht: „Das ist gemein. Als Hans Beimer hat Joachim Luger durchaus Bruce-Willis-Qualitäten. “

Seit zehn Jahren schreibt Irene Fischer auch Drehbücher für die „Lindenstraße“. Die großen Szenen für Anna Ziegler überlässt sie aber bewusst den anderen Autoren: „Ich kann dann schon mal eher über den Text meckern, als wenn ich dann sagen müsste: Oweia, das war jetzt doof, was Du da geschrieben hast.“

Nicht nur als Schauspielerin, auch als Autorin schätzt sie die „Lindenstraße“: „Man muss den Alltag sehr lieben, um ’Lindenstraße’ schreiben zu können. Meine Recherchen finden im normalen Leben statt, deshalb finde ich das auch sehr spannend.“ Auch schätze sie es, ihren Mann als ersten Korrektur-Leser zu haben.

„Es gibt im deutschen Fernsehen eine unheimliche Versüßlichung der Stoffe. Da ist der Realismus der ’Lindenstraße’ schon fantastisch“, findet Probst und seine Frau ergänzt: „Wir haben Inhalte und sozialpolitische Standpunkte. Natürlich müssen auch ein bisschen ’Soap’ und ein bisschen Liebe dabei sein. Wir machen Unterhaltung, aber wir verblöden die Zuschauer nicht. Das haben wir schon bei Themen wie Schwulen-Kuss, Aids und Sterbehilfe gezeigt. “

Wiederholt sei die Serie der gesellschaftlichen Debatte voraus gewesen, auch ein Verdienst von „Lindenstraße“-Erfinder und Produzent Hans W. Geißendörfer, betont Probst: „Man nehme nur das Afghanistan-Trauma. Das war vor schon vor anderthalb Jahren Thema in der ’Lindenstraße’ und beschäftigt jetzt den Bundestag.“

Im Herbst hat die ARD den Vertrag für die „Lindenstraße“ verlängert, die Serie wird nun mindestens bis zum Jahr 2011 zu sehen sein - wahrscheinlich wieder mit mehr Leid als Freud für Anna Ziegler. Einen heimlichen Wunsch für ihre Figur habe sie schon, gesteht Irene Fischer: Manchmal würde sie schon gerne hübschere Kostüme tragen: „Aber es ist ja ein Merkmal von Anna Ziegler, dass sie keinen guten Geschmack hat.“ ddp