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Medien & TV "Du darfst" blamiert sich mit Fuck-Werbung
Nachrichten Medien & TV "Du darfst" blamiert sich mit Fuck-Werbung
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20:59 11.04.2012
Von Sebastian Scherer
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Berlin

Der neue Slogan für die fettarmen Produkte ist damit ziemlich direkt geworden. Aussage: Mit unseren Lebensmitteln kannst du Essen so viel du willst, also – frei übersetzt – scheiß auf Diät. Der passende Spot läuft bereits im Fernsehen, im Internet soll der Spruch auf die Facebook-Seite der Firma führen.

Dort haben sich jedoch nicht nur begeisterte Fernsehzuschauer, sondern auch eine ganze Menge Kritiker verewigt. „Peinlich“, findet eine die neue Werbung, die von der Agentur Ogilvy & Mather entworfen wurde. Ein anderer meint, sie passe zum Volk – „dumm und niveaulos“. Und offensichtlich sind auch Eltern eher unzufrieden: „Ich erziehe meine Tochter so, dass sie solche Wörter nicht sagt, und was machen Sie? F... Du darfst!!!“, schreibt ein Vater.

Der Verein Deutscher Sprache ist ebenfalls nicht beeindruckt – im Gegenteil. „Es ist eine grobe Unverschämtheit, was da auf die Sprachgemeinschaft losgelassen wird“, sagt Geschäftsführer Holger Klatte. Der englische Slogan solle wohl jung, modern und knackig wirken. Allerdings: „In englischsprachigen Ländern wie den USA würde die Werbung sogar zensiert werden.“ Damit habe „Du darfst“ beim Sprachniveau „einen neuen Tiefpunkt erreicht.“

„Du darfst“, das zu dem niederländisch-britischen Konzern Unilever gehört, sieht in dem drastischen Slogan eher ein gutes Werk. In Zeiten des Diätwahns habe man eine Diskussion anstoßen wollen, wird bei Facebook erklärt – als Konsequenz auf die vielen bitterbösen Kommentare. „Wir verstehen „Fuck the Diet“ als emotionalen Ausdruck einer Einstellung, von der wir glauben, dass sie von einer Menge Frauen insgeheim herbeigewünscht wird.“ Die Wortwahl solle „wachrütteln“, Wobei die auch nicht glücklich ist. Dass „Diet“ auf Englisch nicht nur „Diät“, sondern auch simpel „Ernährung“ heißt, sorgt im Internet schon für zahlreiche Lacher. „Du darfst empfiehlt uns also, die Ernährung zu ficken“, lästert einer.

Inzwischen wundern sich auch ausländische Medien über den deutschen Umgang mit Schimpfworten. Der englische „Guardian“ berichtet, dass die Kampagne nicht sonderlich gut bei Frauen ankomme. Auf französischen und russischen Internetseiten wird diskutiert, warum niemand die Kinder schütze.

Bleibt fraglich, ob die Männer und Frauen in dem Werbespot eigentlich wirklich alle auf ihre Diät „geschissen“ haben – verkörpern die doch alle das Idealbild, nach dem viele, die sich auf Diät setzen, streben. Ob die zukünftig auf „Du darfst“ setzen, wenn kalorienarme Ernährung und die Diät sowieso egal sind? Unwahrscheinlich.