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Medien & TV Dieser Echo gibt richtig Gas!
Nachrichten Medien & TV Dieser Echo gibt richtig Gas!
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06:17 25.03.2012
Von Sebastian Scherer
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KNUTSCHER: Ina Müller (links) und Barbara Schöneberger. Quelle: dpa
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Berlin

Alles anders, alles neu 2012. Allein die ersten zehn Minuten: Die fünf größten Radiohits 2011 werden in der Berliner Messehalle direkt weggesungen. Die deutschen Durchstarter dürfen ran: Frida Gold, Andreas Bourani, Jupiter Jones und Tim Bendzko, verstärkt von den mittlerweile alten Hasen von Revolverheld. Natürlich müssen ein paar internationale Superstars wie Katy Perry, David Guetta und Lana del Rey zum Echo kommen – nötig hat die Industrie das aber nicht. Das mit dem Tempo auch.

Erstmal küssen sich unvermittelt die Moderatorinnen Barbara Schöneberger und Ina Müller. Warum, bleibt schleierhaft, aber kurz darauf ist es auch egal,  Udo Lindenberg singt mit Jan Delay, der sogleich den Echo für die beste nationale Gruppe anmoderiert, den Roger Cicero dann Rosenstolz weiterreicht.

 Der Lindenberg überhaupt, der seinen Legendenstatus gestern Abend wieder zementierte. Mal eben zwei Echos eingepackt als bester Künstler und für die beste DVD. Dann geht es mit dem Helikopter zum ausverkauften Konzert ein paar Kilometer weiter. Der Echo vor 20 Jahren fürs Lebenswerk war kein Rentenaufruf, sondern der zweite Startschuss.

Klaus Meine geht mit den Scorpions demnächst auf Welt-Tour, gestern nestelte er (ein bisschen nervös) einen Preisträger-Zettel aus dem Umschlag. Hohe Hannover-Dichte: Lena Meyer-Landrut im kanariengelben Kleid kündigte die Nominierten für den Newcomer-Echo an. „Ich kann mich noch gut daran erinnern“, sagte die Eurovision-Song-Contest-Siegerin. Die Toten Hosen singen. Barry Manilow übergibt die Auszeichnung für deutschen Schlager an Helene Fischer. Auch das gehört bei all dem Tempo natürlich noch dazu. Die Rapper Sido und Bushido haben als „23“ das beste Video gemacht, nächster Echo. Für den muss Bushido sicher weniger Kritik einstecken als für den Integrations-Bambi.

Bei all dem Tempo geht die Aufnahme der verstorbenen Whitney-Houston in die „Echo Hall of Fame“ fast unter, Amy Winehouse bekommt ein gesungenes Tribut. Ihr Patenkind Dionne Bromfield, Ina Müller, „Voice“-Siegerin Ivy Quainoo, Aura Dioane und Caro Emerald performen „Valerie“. Dann aber auch schnell weg mit der Vergangenheit, Tim Bendzko wird bester nationaler Newcomer, singt plötzlich mit Shaggy einen eher unerwarteten Dancehall-Remix von „Nur mal kurz die Welt retten“. Dann kommt der Mann, der manchen ARD-Zuschauer wohl ähnlich erschrecken dürfte wie Küsse unter Frauen: Marilyn Manson, Skandalbarde und Gothic-Comicfigur. Der tut mit Rammstein zusammen bei „Beautiful People“ alles, die Halle einzureißen.

Ruhig wirds dann aber doch nochmal. Wolfgang Niedecken erhält den Echo fürs Lebenswerk von Wim Wenders. Niedecken, der einen Schlaganfall hatte und wie er selbst sagt „sehr viel Glück, singt mit Clueso, „all die Augenblicke vergisst man nie“. Wieviele an diesem Abend hängen geblieben sind? Zumindest dieser in jedem Fall.