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Medien & TV Die wichtigsten Fragen zum Eurovision Song Contest
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15:24 14.03.2010
Von Imre Grimm
Lena Meyer-Landrut
Lena Meyer-Landrut Quelle: dpa
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Glitzerkonfetti liegt auf dem Boden, die Show ist vorbei. Und dann fallen sie über sie her. Es ist 23.15 Uhr, als Lena Meyer-Landrut, Siegerin von „Unser Star für Oslo“, müde, abgekämpft, überwältigt, das „TV Total“-Studio betritt, wo Dutzende Reporter, Freunde, Mitkandidaten und Journalisten auf sie warten. Blitzlichtgewitter, dazwischen irgendwo ein „kleines Lena-Girl“ (Lena über Lena), das noch gar nicht weiß, was es sagen soll. Nur fünf Stunden Schlaf, ein knallharter Tag, die Show, heute Nacht noch ein Videodreh.

Vier Männer und ein Mädchen auf dem Podium. Die Senderchefs sitzen da wie stolze Onkels, Lena sucht nach Worten. „Das ist ganz wahnsinnig und unglaublich schön. Dass so viele Menschen so wahnsinnig sind und für mich angerufen haben. Es sollen sich alle gedrückt fühlen, die das möchten.“ Und: „Ich bin bereit.“ Auch ihr Mentor Stefan Raab ist am Ziel: „Ein bisschen Verrücktheit steht Deutschland ganz gut.“

Singt Lena den falschen Song?

Das war nicht zu übersehen in Köln, dass sie in Oslo lieber „Love Me“ gesungen hätte, ihren dritten Beitrag im Finale. Einen schnellen, modernen Song, den – die Überraschung hob er sich fairerweise für die Pressekonferenz auf – Stefan Raab geschrieben hatte. Der Text stammt zu großen Teilen von Lena selbst. Tatsächlich war das der Knackpunkt der Show, Enttäuschung lag in der Luft. „Der Song ist erst vor einer Woche entstanden“, sagte Raab hinterher. Das Publikum war gespalten, entschied sich haarscharf für den Titel „Satellite“.

Ist „Satellite“ Oslo-tauglich?

Doch, der Britpop-Song „Satellite“, geschrieben von der US-Amerikanerin Julie Frost und dem Dänen John Gordon, düfte sich als eurovisionstauglich erweisen. Ein eingängiger Prä-Party-Ohrwurm mit viel Raum für Lenas quietschvergnügten Sprechgesang. Der kleinste gemeinsame Nenner im europäischen Musikgeschmack aber ist nicht berechenbar. „Man darf sich nicht der Illusion hingeben, dass die anderen Nationen unser Lied genauso dufte finden wie wir jetzt“, sagt Raab. Aber: Die Top Ten bleiben das Ziel. Schon jetzt ein Klassiker: Lenas zweiter Auftritt mit „Satellite“, als sie, überwältigt von Gefühlen, mit Tränen in den Augen weite Teile des Liedes frei improvisierte („Ich fahre nach Oslo, alter Finne!“). Der Titel „I Care For You“ der unterlegenen Jennifer Braun übrigens stammt zu 30 Prozent aus der Feder von Raab-Schützling Max Mutzke.

Was macht Lena Meyer-Landrut bis zum 29. Mai?

Vor allem: Abitur. „Das Abi geht vor“, sagte NDR-Unterhaltungschef Thomas Schreiber. Am Dienstag um 18 Uhr steht ein Empfang für Lena, Freunde und Fans bei Oberbürgermeister Stephan Weil im Neuen Rathaus auf dem Programm. Bis zum Finale in Oslo sind diverse Interview- und Studiotermine geplant, ein Album ist in Vorbereitung. Außerdem tingelt Lena durch die Radiostationen, um für ihren Song zu werben. „Satellite“, „Love Me“ und auch der Sommersonnensong „Bee“ sind bereits als Singles erschienen und stehen bei iTunes schon jetzt auf den Plätzen eins bis drei.

War „Unser Star für Oslo“ ein Publikumserfolg?

Ja. 4,5 Millionen Zuschauer am Finalabend, in der Spitze gar bis zu 6,81 Millionen, versöhnten die ARD mit dem doch enttäuschenden Viertelfinale. PRO7 war von Anfang an zufrieden. Der Marktanteil in der Werbezielgruppe lag bei fast allen fünf PRO7-Shows mit bis zu 15 Prozent klar über dem Senderschnitt. „Auch wir wissen, wie wir mit so einer Show zehn Prozent mehr Quote machen können“, versicherte Raab. „Aber das machen wir aus Anstandsgründen nicht.“

Wird Lena genau diese Version von „Satellite“ in Oslo singen?

Jein. Eventuell wird der Song etwas hochtransponiert, um Lenas Stimmfarbe besser zu treffen. Und die Show? „Ich bin nicht so für großes Feuerwerk“, sagte Lena. „Bitte keinen nackten, tanzenden Männer.“ Raab hatte noch eine Idee: „Wir lassen Fabian Hambüchen im Hintergrund am Reck turnen. Im Hasenkostüm.“

Was macht die europäische Konkurrenz?

Noch nicht alle Teilnehmer stehen fest, aber soviel ist klar: Das wird lustig. Ein Knödeltenor aus Norwegen, eine Drehorgel aus den Niederlanden, ein Rockschlager aus Slowenien und allerhand Merkwürdigkeiten werden zu hören sein. Im Reigen der bisher bekannten Konkurrenten wirkt Lena modern und sympathisch.

Läuft „Unser Star für Oslo“ auch 2011 wieder?

Das steht noch nicht fest. „Eine Liebesheirat“ hatte Raab die Kooperation zwischen der ARD und PRO7 genannt. In Köln sprach er davon, man sei zu „Geschwistern“ geworden. Wenn sich Geschwister heiraten, kommt freilich nichts Gutes dabei heraus. Alle Anzeichen deuten trotzdem auf eine Fortsetzung des Joint Ventures 2011 hin.

Und worauf muss Lena jetzt aufpassen?

Auf sich selbst. Stefan Raab: „Lena hat die Leute so begeistert, wie sie ist. Sie jetzt in die große Entertainerschule zu schicken, würde viel kaputtmachen.“ Sie sei stabil und selbstbewusst, aber: „So was wie das hier hat immer Einfluss auf Deine Persönlichkeit. Vor allem, wenn man noch so jung ist.“ Lena sitzt auf dem Podium und lernt. Wenn sie sich die Augen reibt, klicken die Fotografen schneller. Sie setzt die Hände ab, lächelt überrascht: War ich das? Es wird noch viel zu staunen geben.