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Nachrichten Medien & TV Die App für die Verbrecherjagd
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21:39 27.06.2012
Von Anja Schmiedeke
KOMMISSAR APP: In England 
bringt ein Programm
 Fahndungsbilder zu jedem 
Bürger aufs Smartphone.
KOMMISSAR APP: In England bringt ein Programm Fahndungsbilder zu jedem Bürger aufs Smartphone. Quelle: Schmiedeke
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London/Hannover

Verbrecherjagd per Smartphone: In Großbritannien wird ein neues Kapitel der Kriminalitätsbekämpfung aufgeschlagen. Mit einer App können die Bürger künftig nach Verdächtigen oder Zeugen eines Verbrechens suchen. Die Polizei selbst speist Bilder in die App eines privaten Unternehmens ein. Aber auch private Firmen sollen nach einem Überfall Fotos vom Täter einstellen können - in der Hoffnung, dass sich tausende Amateurdetektiveauf die Spur des Verbrechers begeben. „Facewatch id“ heißt die App, und sie wird gesponsert vom Blackberry-Hersteller Research in Motion.

Und so funktionierts: Wer die App installiert hat, gibt eine Postleitzahl ein und bekommt dann die passenden Fahndungsbilder aus der Gegend. Wird ein Verdächtiger oder Zeuge erkannt, sollen die Nutzer via App der Polizei Namen und Adresse übermitteln.

Der Londoner Polizeioffizier Mark Rowley freut sich, dass die App der Polizei erlaubt, mehr Kriminelle zu erwischen - und dadurch das Sicherheitsgefühl der Menschen zu verbessern. „Ich rufe so viele Menschen wie möglich dazu auf, diese App zu benutzen, die Bilder anzuschauen und Informationen zu melden“, rührte Rowley die Werbetrommel für die Gratis-App.

Bedenken zum Datenschutz oder gar Ängste vor einem Überwachungsstaat kennt man in Großbritannien offenbar weniger - zumindest verglichen mit Deutschland. Schon während der tagelangen Unruhen in London im vergangenen August nutzte die Metropolitan Police das Internet, um Plünderer und Randalierer zu identifizieren. Tausende Bilder von mutmaßlichen Straftätern, die von Überwachungskameras eingefangen worden waren, wurden im Netz veröffentlicht und sind nun auch der Fotogrundstock für die Fahndung per „Facewatch id“.

Großbritannien ist für die exzessive Überwachung des öffentlichen Raums bekannt. Mindestens 1,8 Millionen Kameras leuchten Straßen, Bahnhöfe und Einkaufszentren aus. Eine Studie rechnete 2011 hoch, dass auf 30 Briten im Schnitt eine Kamera kommt, betrieben vor allem von privaten Unternehmen.

In Deutschland lösen die Telefon-Detektive zwiespältige Reaktionen aus. Während Kritiker vor dem Denunziantenstaat warnen, würden Polizisten gern nachziehen. Hierzulande gibt es zwar Fahndungsaufrufe in sozialen Netzwerken wie Facebook, eine App aber nicht. „Auch in Deutschland sollte der Polizei ein solches Instrument zur Verfügung stehen“, sagte Bernd Witthaut, Chef der Gewerkschaft der Polizei, der „taz“ in Berlin.