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Medien & TV Deutscher Radiopreis: Öffentlich-Rechtliche räumen ab
Nachrichten Medien & TV Deutscher Radiopreis: Öffentlich-Rechtliche räumen ab
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22:43 17.09.2010
Lena Meyer-Landrut: Sie kam, sang und überreichte den Preis für die beste Morgensendung an das Team von „Der schöne Morgen“ (RBB radioeins).
Lena Meyer-Landrut: Sie kam, sang und überreichte den Preis für die beste Morgensendung an das Team von „Der schöne Morgen“ (RBB radioeins). Quelle: dpa (Archiv)
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Haben sich die „Buggles“ also doch geirrt. „Video killed the radio star“ beträllerte das Popduo 1979 das vermeintliche Ende des Hörfunks. Tot ist das Radio aber noch lange nicht. Im Gegenteil: Am Freitagabend feierte die deutsche Radiolandschaft gut gelaunt, aber unspektakulär eine Premiere. Zum erstenmal verlieh eine unabhängige Jury des Adolf-Grimme-Instituts den Deutschen Radiopreis.

Die Show sollte öffentlich-rechtliche und private Sender zu einem großen Ganzen vereinen. So sendeten alle neun Landesrundfunkanstalten der ARD, das Deutschlandradio und 14 private Stationen die von Katrin Müller-Hohenstein, Susanka Bersin und Thomas Mohr moderierte Gala live. Doch das Ergebnis der Jury dürfte am Ende nicht alle erfreut haben: Acht der elf Preise gingen an öffentlich-rechtliche Sender, unter anderem das beste Sportformat („Liga Live“, WDR 2), die beste Sendung („Lange Nacht: Dir gehört mein Leben“, Deutschlandradio Kultur), die beste Innovation („Die Frage on3-radio“, BR) und überraschenderweise auch die Lieblingsdisziplin der Privaten, die beste Comedy („Neues vom Känguru“, RBB Fritz). Die Königsklasse – beste Moderation – heimste mit Jochen Trus von 105,5 Spreeradio Berlin immerhin doch eine private Sendestation ein. „Ich bin gerührt“, sagte Trus, als er von Adel Tawil, der seine Laudatio stilecht sang, seine Trophäe bekam. Auch in den Kategorien beste Höreraktion („Ganß nah dran – Spezial: Das DDR-Experiment“, Antenne Thüringen) und bestes Sounddesign („Electronic Musik Poems“, Sunshine Live) siegten die Privaten.

Dass das Radio nicht nur ein Partymedium ist, zeigte die Auswahl der Laudatoren für die Kategorien „Bestes Interview“, „Beste Reportage“ und „Beste Recherche“: die Moderatorin Maybrit Illner, der ehemalige „Spiegel“-Chef Stefan Aust und der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher überreichten die – übrigens nicht dotierten – Trophäen an „Montalk“ (WDR 2), „Letzte Fahrt ins Spielzeugland“ (Nordwestradio/Radio Bremen/NDR) und „Bonga Boys. Global Village Stories“ (WDR/SR/SWR/RBB/DLF). „Ich bekenne mich als Radiofan“, sagte Genscher in seiner Laudatio. Vieles habe sich geändert: „Früher war ich nur Hörer, seit 50 Jahren bin ich freier Mitarbeiter“, amüsierte er das Publikum.

Viele bekannte Gesichter und Stimmen hatten den Weg in den „Schuppen 52“ im Hamburger Hafen gefunden. Neben Stars der Stunde wie Silbermond und Ich + Ich tummelte sich auch einer der ganz Großen auf der Gala: Phil Collins rockte im Stil der „Swinging Sixties“ und bekam von Wladimir Klitschko einen Sonderpreis als einer der meistgespielten Interpreten. Und das, obwohl der Sänger manche seiner Lieder nicht gern im Radio hört, wie er verriet. Ebenfalls auf der Bühne, ungewohnt zahm, dafür umso aufgeregter: Lena Meyer-Landrut. Sie kam, sang und überreichte den Preis für die beste Morgensendung an das Team von „Der schöne Morgen“ (RBB radioeins). Organisator und NDR-Hörfunkchef Joachim Knuth war am Ende zufrieden: „Das Medium Radio ist der Gewinner des Abends.“ Totgesagte leben eben doch am längsten.

Judith Seiffert