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Medien & TV Chefarzt: Samuel Koch wird nie mehr normal laufen
Nachrichten Medien & TV Chefarzt: Samuel Koch wird nie mehr normal laufen
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22:03 13.12.2010
Der Wettkandidat Samuel Koch springt während der ZDF-Show "Wetten, dass..?" im ersten Versuch erfolgreich über einen fahrenden Pkw. Bei einem weiteren Sprung zog sich der 23-Jährige schwere Verletzungen zu. Quelle: dpa
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Mit einem einzigen Satz sind die letzten Hoffnungen zerstoben, dass der verunglückte „Wetten, dass...?“-Kandidat Samuel Koch eines Tages wieder ganz gesund werden kann: „Er wird nie mehr normal laufen“, sagte gestern der Arzt Michael Baumberger, Chef des Paraleptikerzentrums im schweizerischen Nottwil, wo Samuel Koch seit dem Wochenende betreut wird. „Ein normales Leben, wie das eines Menschen ohne Verletzung, wird er nicht mehr haben.“ Mit der niederschmetternden Diagnose scheint das Schicksal des 23-jährigen Studenten aus Hannover besiegelt: Er wird sein Leben niemals mehr ohne fremde Hilfe meistern können.

Samuel war am Sonnabend mit einem Flugzeug der Deutschen Luftrettung von Düsseldorf nach Zürich und von dort per Hubschrauber in die Schweizer Spezialklinik gebracht worden, die nur 100 Kilometer von seinem Geburtsort Efringen-Kirchen entfernt liegt. Dort liegt er auf der Intensivstation. Die Lähmungen an Armen und Beinen sowie des vegetativen Nervensystems hätten sich bestätigt, sagte Baumberger. Daher müsse Samuel Koch wieder alles neu trainieren: Körperkontrolle, Atmen, Sprechen. Die Rehabilitation werde bis zu neun Monate dauern.

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Als erster Arzt sprach Baumberger im Fall von Samuel Koch klipp und klar von einer Querschnittslähmung. Er schloss nicht aus, dass der 23-Jährige seine Beine wieder „in irgendeiner Form“ werde benutzen können. Das normale „Gangbild“ eines Menschen werde er aber nie mehr erreichen. Die sogenannte „Tetraplegie“ – die Lähmung aller vier Extremitäten – stelle eine schwere Belastung dar. Samuel werde daher auch psychologisch betreut. Der Patient sei bei Bewusstsein und bestimme auch, was den Medien mitgeteilt werden dürfe. Allerdings wolle er nicht, dass aktuelle Fotos gezeigt würden. Prof. Dr. Benedikt Pannen attestierte dem Schwerverletzten einen starken Willen: „Ich habe selten einen Patienten erlebt, der so früh mit einer solchen Konzentration und einem solchen Willen in die Erholungsphase geht.“

Unterdessen wurden neue Vorwürfe laut, das ZDF habe Samuel Kochs Wette angeschärft, um sie attraktiver zu machen. Im NDR behauptete ein Freund des 23-Jährigen, der am 4. Dezember eines der in der Wette eingesetzten Fahrzeuge gesteuert hatte, das ZDF habe Koch aufgefordert, größere Autos zu überspringen. Demnach stamme die Idee, Samuel als Höhepunkt über einen sogenannten SUV, einen großen Geländewagen, springen zu lassen, vom ZDF. Das habe ihm Koch vor der Show anvertraut, sagte der Freund, der Samuel aus einer Kirchengemeinde in Hannover kennt. Der Sender wies die Anschuldigungen zurück. Samuel selbst habe die Liste mit den Autos eingereicht. Sie habe exakt die Fahrzeuge enthalten, die der Sender zur Verfügung gestellt habe: Smart, Mini Clubman, Ford Focus, einen Audi A8 und einen BMW X3. „Er musste über kein Auto springen, über das er nicht springen wollte.“ Kritik kam aber auch von den Schweizer Ärzten. Kochs Helm sei „völlig ungeeignet“ gewesen. Das ZDF hatte stets gesagt, die Verantwortlichen hätten Samuel erst überzeugen müssen, überhaupt einen Helm zu tragen.

Die Kosten für die Behandlung seien abgedeckt, teilte die Klinik mit. Unklar ist, in welcher Höhe sich das ZDF beteiligt. Laut „Focus“ zahlt die Versicherung des ZDF verunglückten Kandidaten maximal 100.000 Euro Entschädigung. Intendant Markus Schächter hatte von einer „beträchtlichen Soforthilfe“ gesprochen.

Noch am Wochenende hatte es einen Hoffnungsschimmer gegeben: Am Sonnabend hieß es, Samuel könne einen Fuß leicht bewegen. Auch in einem vorab aufgezeichneten Interview, das Thomas Gottschalk für den am Sonntag ausgestrahlten ZDF-Jahresrückblick mit Samuels Vater Christoph Koch geführt hatte, hatte dieser sich noch hoffnungsvoll gezeigt: „Er hat Chancen, und wir haben Hoffnung, dass er geheilt werden kann“, sagte der Vater und bedankte sich für den Zuspruch, den die Familie erfahren habe. „Wir sind traurig über Samuels Traurigkeit. Wir weinen und heulen viel als Familie, aber auch gerade diese Familie gibt uns Halt und Kraft.“

Die ganze Familie Koch ist in der Kirche engagiert. Der Vater ist als Prädikant und Kirchenältester aktiv und will dieses Jahr an Heiligabend beim Gottesdienst den Verkündigungsteil sprechen. Samuel Koch selbst organisierte Kindergottesdienste. Per Telefon hat Samuel in der Klinik auch an einem Gottesdienst mit seinen Eltern und Freunden teilgenommen.

Imre Grimm

Dieser Artikel wurde aktualisiert.