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Nachrichten Medien & TV CeBIT will Internet und Industrie verkuppeln
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17:45 05.03.2013
Die Cebit will sich als Schnittstelle zwischen digitaler Welt und klassischer Industrie präsentieren. Ein leichter Weg wird es nicht.
Die Cebit will sich als Schnittstelle zwischen digitaler Welt und klassischer Industrie präsentieren. Ein leichter Weg wird es nicht. Quelle: Peter Steffen
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Hannover

Sein Plan ist, die CeBIT als Schnittstelle zwischen IT und anderen Industrien zu etablieren - Autobauern, Energieversorgern, Gesundheits- und Logistikunternehmen. Schon jetzt dringt die Internettechnologie immer weiter in nahezu alle Branchen vor, und der Trend wird sich in Zukunft nur beschleunigen. "Hier liegt unsere große Chance", sagt Pörschmann.

Die Messe hat in den vergangenen Jahren viel Glamour verloren. Einst reisten Branchen-Superstars wie Microsoft-Gründer Bill Gates nach Hannover, um hier ihre Visionen zu präsentieren. Neuheiten wurden bis zur CeBIT unter Verschluss gehalten, eine internationale Presse-Meute entfesselte ein Blitzlicht-Gewitter um Berge neuer Technik. Die Zahl der Aussteller erreichte im Spitzenjahr 2001 fast 8100 Unternehmen. Durch die Hallen pressten sich damals rund 850 000 Besucher. Danach kam ein steiler Fall. In den vergangenen vier Jahren hat sich die Größe der CeBIT bei rund 4000 Ausstellern und etwas mehr als 300 000 Besuchern eingependelt, die Messe wurde von über einer Woche auf fünf Tage verkürzt.

Das ist auch in Ordnung so, ist Pörschmanns Botschaft. "Relevant ist nicht die Fläche, sondern, wie viel Geschäft wurde hier angekurbelt, wie viele Entscheider haben sich getroffen", sagt er. Die "Entscheider-Dichte" - nicht nur aus der IT-Industrie, sondern eben auch aus anderen Branchen - sei so hoch wie nie. Auch finanziell sei das kleinere Format kein Problem: "Die CeBIT steht so da, dass sie aus eigener Kraft ihre Weiterentwicklung finanzieren kann."

Geht Pörschmanns Rechnung auf, könnte die CeBIT noch eine wichtige Rolle spielen: Die Kluft zwischen dem Tempo der IT-Branche und dem alteingesessener Industriezweige ist nach wie vor groß. Ein Smartphone ist häufig schon nach einem Jahr veraltet, aber die Software von Industriemaschinen, Autos oder Flugzeugen entwickelt sich oft über Jahre nicht weiter.

Diese Spannungen treten offen zu Tage. Selbst bei der feierlichen CeBIT-Eröffnung beklagte der Chef des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, Thomas Enders, die Innovationen aus der Industrie hielten zu oft nicht mehr Schritt mit denen der IT-Branche. Wenn der europäische Mars-Roboter "Bridget" 2018 zum Mars aufbricht, werde sich die Computerleistung im Vergleich zu heute verdreifacht haben - zumindest auf der Erde. Der Mars-Roboter wird von dieser Entwicklung nicht profitieren können. Auch beim Bau eines neuen Flugzeugtyps werden alle Software-Komponenten auf dem derzeitigen Stand eingefroren, auch wenn die Maschine eventuell noch Jahrzehnte unterwegs ist.

"Natürlich wissen wir heute nicht, was für andere technologische Komponenten es in zehn Jahren geben wird", sagte die Deutschland-Chefin vom IBM, Martina Koederitz, der dpa. Produkte müssten heute bereits in der Planungsphase auf ein Zusammenspiel mit Erfindungen von übermorgen ausgerichtet sein. Als Lösung sieht sie offene Schnittstellen, über die Internettechnologien mit klassischen Industrieprodukten verknüpft werden können.

Bleibt die Frage, ob es der CeBIT gelingt, die Plattform für die Überbrückung dieses Grabens zu bieten, oder ob die Unternehmen auch ohne sie im Tagesgeschäft zusammenkommen. Themen für die CeBIT gäbe es noch genug, zum Beispiel bei dem aktuellen Phänomen Big Data, der intelligenten Auswertung gewaltiger Datenmengen, um Geschäftsprozesse besser zu steuern.

Allerdings dürfte die CeBIT das boomende Geschäft mit Smartphone- und Tablet-Verkäufen und den dazugehörigen Geschäftsmodellen auf absehbare Zeit an den Mobile World Congress verloren haben. Die Konkurrenzveranstaltung versammelt wenige Tage vor der CeBIT in Barcelona Mobilfunk-Industrie, Geräte-Herstellern und Online-Branche. Die Aufbruchstimmung dort ist greifbar und erinnert an die CeBIT von einst. Jedes Jahr fahren immer mehr internationale Firmenchefs nach Spanien - und verzichten dann auf die Reise nach Hannover. Immerhin scheint die CeBIT in der neuen Größe aber besser fürs Geschäft geeignet zu sein als die einstigen Mega-Veranstaltungen mit überfüllten Hallen und Ständen.

dpa