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Medien & TV Boerne und Thiel suchen hinkenden Mörder
Nachrichten Medien & TV Boerne und Thiel suchen hinkenden Mörder
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15:29 12.03.2012
Von Nicola Zellmer
Axel Prahl (Frank Thiel) und Jan Josef Liefers (Karl-Friedrich Boerne) ermitteln wieder. Quelle: dpa
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Hannover

Da ist er wieder, der Kotzbrocken vom Dienst. Im aktuellen Münster-"Tatort: Hinkebein" muss der arrogante und selbstzufriedene Gerichtsmediziner Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) allerdings gleich zu Beginn einen Tiefschlag einstecken: Als er endlich bei der Leiche ankommt, hat seine schnippische Assistentin „Alberich" (Silke Haller) diese längst untersucht und zum Abtransport freigegeben. Ist vielleicht auch besser so. Denn wie sich schnell herausstellt, kannte Boerne die Tote. Noch am Vortag hatte die ehemalige Polizistin Katja Braun (Tanja Schleiff) ihn unvermittelt in der Gerichtsmedizin aufgesucht und um Geld gebeten.

Für Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) dagegen kommt der Mordfall wie gerufen. Gerade noch hatte er notgedrungen seine ewige beigefarbene Windjacke und die bollerige Jeans gegen einen schlecht sitzenden Anzug getauscht, um am feierlichen Empfang für eine Delegation russischer Kollegen teilzunehmen. Nach dem entscheidenden Anruf entfleucht er aber mit schlecht verhohlener Erleichterung dem Kennenlerntag mit Büfett, um den Tod von Katja Braun aufzuklären.

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Wie sich herausstellt, ist die Tote eine wirklich traurige Figur. Früher erfolgreiche Ermittlerin, ist sie nach ihrer Suspendierung in die Alkoholsucht abgerutscht, hat sich mit ihrer hochbegabten Tochter Marie (Michelle Barthel) verkracht und muss mit einem Job als Putzfrau im „Westfälischen Hof" vorliebnehmen. Wer ihr etwas Böses wollen könnte, bleibt zunächst völlig unklar.

Ein Fußabdruck vor ihrer Wohnung weist allerdings darauf hin, dass sie kurz vor ihrem Tod Besuch von einem humpelnden Mann hatte. War das womöglich „Hinkebein", der Zuhälter, den Katja Braun damals nach dem Mord an der Prostituierten Oksana festgenommen hatte? Aber der soll doch nach Vietnam geflohen sein, oder?

„Hinkebein" ist ein Krimi, der erst mal in Fahrt kommen muss. Anfangs bleiben die Protagonisten noch seltsam blass. Zwar ist der herrlich böse Boerne nicht wirklich menschenfreundlicher geworden, doch seinem Auftritt fehlt der rechte Witz. Und auch die gewohnte Schnoddrigkeit Thiels verpufft beim etwas zähen Ermittlungsstart.

Doch das Dranbleiben lohnt sich. Als der Gerichtsmediziner seine kostbare Haut ebenfalls bedroht sieht, überschlagen sich die Ereignisse. Und das Münster-Team brilliert dann wieder mit Charme und Humor. Thiel verfolgt nur im St.-Pauli-Shirt einen nächtlichen Eindringling. Katjas Exmann und Tochter Marie rücken mit der wirklichen Wahrheit heraus. Irgendwann verliert der Täter die Nerven. Und zum Schluss fahren sogar die Russen wieder nach Hause.