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Medien & TV Birgit Minichmayr spielt in ARD-Film legendäre Münchener Betrügerin
Nachrichten Medien & TV Birgit Minichmayr spielt in ARD-Film legendäre Münchener Betrügerin
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19:19 10.01.2012
Foto: Ihr Schneeballsystem gerät ins Wanken: Die begabte Verführerin Adele Spitzeder (Birgit Minichmayr) verspricht reichen Kunden hohe Gewinne – und hat ein Herz für die Armen.
Ihr Schneeballsystem gerät ins Wanken: Die begabte Verführerin Adele Spitzeder (Birgit Minichmayr) verspricht reichen Kunden hohe Gewinne – und hat ein Herz für die Armen. Quelle: ARD
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Lange vor dem US-Milliardenjongleur Bernard Madoff machte eine Frau in München ganz ähnliche Schlagzeilen: Adele Spitzeder brachte zahllose Anleger um ihr Vermögen. Jetzt wird ein Film über sie ausgestrahlt – mit der umwerfenden Birgit Minichmayr in der Titelrolle.

Spitzeder gilt als Mutter des Anlagebetruges. Sie machte schon Ende des 19. Jahrhunderts vor, wie das geht: Mit unhaltbaren Versprechungen, unhaltbaren Zinsen, zog sie den Leuten um das Jahr 1872 herum in München das Geld aus der Tasche. Dann brach ihre Dachauer Bank zusammen – und unzählige geprellte Anleger standen vor dem Ruin.

Der Bayerische Rundfunk hat sich dieser Ikone der betrügerischen Bankberatung nun in einem Film für die ARD gewidmet. Titel: „Die Verführerin Adele Spitzeder“. In der Hauptrolle ist die allseits gefeierte Birgit Minichmayr zu sehen, die seit dem vergangenen Jahr zum neuen Ensemble des Residenztheaters gehört und vor Kurzem selbst nach München gezogen ist.

Der Film beginnt, als die Spitzeder so gut wie am Ende ist: Als verhinderte Schauspielerin hat sie überall Schulden. Den Lebensstandard, den sie – und auch ihre gerne betrunkene Mutter (Sunnyi Melles) – angemessen finden, kann sie längst nicht mehr halten. Doch dann hat sie die rettende Idee: In einer Zeit, in der Frauen noch nicht einmal wählen dürfen, stellt sie eine Männerdomäne völlig auf den Kopf, zieht ihre eigene Bank auf und geht skandalöserweise auch noch mit Frauen ins Bett. Nur die Bewunderung eines jungen Dichters, die die Möchtegern-Künstlerin mehr als alles andere erstrebt, kann sie nicht kaufen.

Dank ihres Charmes und ihrer Verhandlungskünste wird ihr das Geld bald kistenweise ins Haus geliefert, schnell quillt es aus allen Schubladen und Schränken. Sie verspricht „das meiste Geld für ihr Geld“ und deckt die Zinszahlungen durch immer weitere Einlagen neuer Kunden ab. „Für mich ist das eine fast moderne PR-Maschinerie, die sie da aufgebaut hat“, sagt Hauptdarstellerin Minichmayr. Da spendet die Spitzeder auch schon mal einen Kirchturm, damit der Pfarrer entsprechend wohlwollend von der Kanzel predigt. Ihrem direkten Umfeld gegenüber und vor allem den Ärmsten der Armen zeigt sich Spitzeder überaus großzügig. Nachdem ihr Schneeballsystem zusammengebrochen ist, wird sie als betrügerische Verbrecherin entlarvt und wandert ins Gefängnis.

Der Film von Regisseur Xaver Schwarzenberger malt ein durchaus spannendes Bild von der Spitzeder als emanzipierter, selbstbewusster Karrierefrau mit skandalösem Liebesleben und Herz für die Schwachen der Gesellschaft. Dass sich aber betrogene Kunden ihretwegen das Leben nahmen, das ist nur in einer Szene in den Augen der Betrogenen zu sehen. „Ich hätte mir, glaube ich, ein bisschen mehr gewünscht, dass die Dimension ihres Verbrechens am Schluss deutlicher rauskommt“, sagt dann auch Minichmayr, die einmal mehr eine so herausragende Leistung hinlegt, dass selbst Sunnyi Melles und auch Marianne Sägebrecht (im Film Spitzeders Haushälterin) nicht viel mehr sind als Statisten. „Dass Bauern ihre Höfe verkauft haben, ihr das Geld gegeben haben und gedacht haben, sie können von den Zinsen leben, diese Verführung, die sie geschafft hat“ – davon zeigt der ansonsten wirklich sehenswerte Film leider zu wenig.

„Die Verführerin Adele Spitzeder“ | ARD
Drama mit Birgit Minichmayr.
Mittwoch, 20.15 Uhr

Britta Schultejans

10.01.2012
10.01.2012
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