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Medien & TV Bella Block kämpft gegen Panikattacken und ihre Gefühle
Nachrichten Medien & TV Bella Block kämpft gegen Panikattacken und ihre Gefühle
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19:50 12.11.2010
Von Wiebke Ramm
Selten kommt Bella Block (Hannelore Hoger) einem Fremden nah.
Selten kommt Bella Block (Hannelore Hoger) einem Fremden nah. Quelle: ZDF
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Bella Block ist keine Frau, die zur Gefühlsduselei neigt. So macht es zuallererst auf sie selbst nachhaltig Eindruck, als sie bei der ersten Begegnung mit diesem Mann nicht mit gewohnter Schnodderigkeit Distanz schafft, sondern ihm halb ohnmächtig in die Arme sinkt. Block leidet nach der Messerattacke auf sie noch immer unter Panikattacken. Und dem Mann, vor dem sie in Stockholm in die Knie geht, soll sie einen Mord nachweisen. Das allerdings ist schon einmal gescheitert, weshalb Gunnar Andersson ein freier Mensch ist.

Aber was heißt schon frei? Er sitzt nicht hinter Gefängnismauern, wo er nach Ansicht vieler hingehört. So ist er frei, die „Mörder! Mörder!“-Parolen an den Wänden seines Maklerbüros zu übertünchen. Andersson ist auch frei von Familie. Seine Frau wird nach sieben Jahren tot aus einem Kanal in Hamburg gefischt. Sein Sohn und seine Tochter haben längst den Kontakt zu ihm begraben. Sie sind überzeugt, dass er der Mörder ihrer Mutter ist. Oberstaatsanwalt Mehlhorn teilt ihre Ansicht und kann doch nichts tun. Andersson schützt das Prinzip der Rechtssicherheit. Gegen einen Freigesprochenen lässt sich nur mit neuen Beweisen wieder ermitteln.

In einem Indizienprozess ist Andersson vom Vorwurf des Mordes an seiner Frau freigesprochen worden. Es gab keine Leiche, und es gab keine Beweise. Nun gibt es die Leiche, und Bella Block, die Hamburger Kommissarin a. D., soll die Beweise beschaffen, am besten ein Geständnis. Sie reist nach Stockholm. Dort ist es alsbald Block, die in Versuchung gerät, zu gestehen: sich selbst ihre Gefühle zu einem mutmaßlichen Frauenmörder, ihm ihre wahre Identität.

Hannelore Hoger ist als Bella Block mit ihren 29. Fall in einen Schwedenkrimi geraten. Sie trifft nicht auf Kommissar Wallander, aber doch mit Rolf Lassgård auf einen der Darsteller dieser Figur aus den Henning-Mankell-Romanen. Und es ist ein wunderbares Techtelmechtel vor der momentan so beliebten Skandinavien-Kulisse, in das Drehbuchautorin Susanne Schneider die beiden verstrickt.

Todesangst trifft auf Coolness, Gespenster der Vergangenheit treffen auf Gefühle der Gegenwart. Anderssons Augen blitzen mal vor Zuneigung, mal vor Hass. Der Abgrund dazwischen ist manchmal nur eine Zehntelsekunde breit. Bella Block ist mit ihrer eigenen Gratwanderung beschäftigt und bewegt sich kunstvoll zwischen Zielstrebigkeit und Zweifeln.

„Das schwarze Zimmer“ heißt die Folge, die das ZDF heute von 20.15 Uhr an zeigt. Der Titel steht für jenen Ort, an dem ein Mensch seine Leichen liegen hat – zumeist im metaphorischen Sinne, manchmal aber auch ganz real. Bis zuletzt rätselt man gemeinsam mit Block, ob dieser Andersson wirklich eines Mordes fähig ist – oder gar zweier Morde.

„Ich steige aus. Ich bin zu alt für diesen ganzen Mist. Ich will das nicht mehr.“ Es ist ein Kuss, der Bella Block schließlich die Fassung verlieren lässt. Bis Gunnar Andersson die Fassung verliert, wird es da noch einige Zeit dauern.