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Medien & TV Bella Block auf neuen Wegen
Nachrichten Medien & TV Bella Block auf neuen Wegen
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12:52 24.06.2009
Hat ihren 28. Fall gedreht: Hannelore Hoger als Bella Block.
Hat ihren 28. Fall gedreht: Hannelore Hoger als Bella Block. Quelle: ddp
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Die Schauspielerin bestellt eine Rhabarbersaftschorle und schwarze Oliven. Sie wirkt entspannt, die Sonnenbrille in die hochgesteckten roten Haare geschoben, die Handtasche neben sich platziert. In der Hansestadt hat die 66-Jährige mit der UFA Fernsehproduktion gerade ihren 28. Fall als „Bella Block“ abgedreht, der für die Titelheldin ein Wendepunkt ist. Doch der Film mit dem Arbeitstitel „Vorsehung“, der im Spätherbst im ZDF ausgestrahlt werden soll, ist zugleich eine Rückkehr zu den Anfängen der preisgekrönten Samstagskrimireihe, zu Regisseur Max Färberböck.

Mit ihrem letzten „Bella“-Fall, „Das Schweigen der Kommissarin“, fesselte Hoger im Januar bis zu sieben Millionen Zuschauer. Nun hat die Protagonistin den Polizeidienst quittiert, und ihr langjähriger Freund Simon (Rudolf Kowalski) ist auf und davon. „Aber Bella ist gut drauf, weil sie ein positiver Mensch ist“, beschreibt Hoger im ddp-Interview. Die Kommissarin genieße die gewonnene Freiheit in vollen Zügen, weil sie stets eine selbstständige Frau gewesen sei.

Dennoch kann es Bella nicht lassen, wieder auf die Pirsch zu gehen. Bei einer Ausstellung stößt sie zufällig auf einen alten ungelösten Fall, der sie erneut in seinen Bann zieht. „Sie fürchtet Unheil. Und nicht zu vergessen, Bella ist eine Vollblutpolizistin gewesen. Sie hat diesen Beruf gerne ausgeübt“, sagt sie über ihre bekannteste Rolle.

Am 20. August 1942 in Hamburg geboren, tritt Hoger bereits als Kind im Ohnsorg-Theater auf. Weil ihr Vater dort als Inspizient wirkt, ist ihr die Bühnenwelt früh vertraut. Mit 14 steht für sie fest, dass sie Schauspielerin werden will. Es folgen Jahrzehnte in festen Theaterengagements in Ulm, Bochum, Stuttgart und Hamburg unter Augusto Fernandes, Kurt Hübner oder Peter Zadek, die von ihrem Talent schwärmen. Das Theater von heute hingegen sagt ihr nicht immer zu, wie sie skeptisch betont.

Mitte der 1990er gelingt ihr der TV-Durchbruch mit der kantigen Block, die auf den Romanen von Doris Gercke basiert. Färberböck setzt mit den zwei ersten, sehr unterschiedlichen Folgen, „Die Kommissarin“ (1994) und „Liebestod“ (1995), die Maßstäbe für die Reihe. Als er geht, „waren wir unschlüssig, ich übrigens auch, ob wir die Reihe fortsetzen sollten“, erinnert sich Hoger. Aber das ZDF hält an dem Projekt fest und holt Filmemacher wie Markus Imboden, Sherry Hormann und Kai Wessel, die Bellas Facetten und Aufwühlendes wie Sterbehilfe, Kinder als Opfer und Täter und Selbstjustiz thematisieren.

In dieser Zeit ist die Titelheldin durch Höhen und Tiefen gegangen, an denen sie gewachsen ist. „Das kann ich auf mein Leben ebenso übertragen. Ich bin kein Typ, der jammert“, gesteht die 66-Jährige. Sie sei aber auch kein Bruder Leichtfuß, sondern ein ernster Mensch. „Ich habe das Leben immer angenommen“, sagt Hoger, die gerne nach Sylt fährt und sich in der Sauna, beim Massieren oder Lesen entspannt.

Hoger ist es wichtig, dass Bella ab und zu mit Konflikten konfrontiert wird: „So ist das Leben, so sind Beziehungen.“ Es laufe nicht immer alles glatt. So habe es Bella akzeptiert, dass Simon segeln geht. „Wenn eine Liebe gestorben ist, muss man sie begraben“, betont Hoger, die auch privat nie um die Welt segeln würde. „Warum soll ich mich diesen Strapazen aussetzen, wenn ich eine schöne Terrasse habe und die Nordsee vor der Tür?“

Mit der Rückkehr von Färberböck („Anonyma“), der den 28. Fall inszeniert, schließt sich für Hoger ein Kreis. Jeder Film habe seine Spuren hinterlassen. „Man altert mit seinen Rollen und Tugenden, seinen Stärken und Schwächen“, sagt die Charakterdarstellerin, die Bella immer noch mit Freude verkörpert. Wenn das Publikum der Reihe weiter treu bleibe, sage Bella auch künftig nicht nein, verspricht Hoger. Der 29. Fall ist schon geplant: Unter der Regie von Hormann dreht sie dann mit Wallander-Mime Rolf Lassgard. Und darüber hinaus wünscht sie Bella und sich „ein langes Leben und Gesundheit“, lächelt Hoger, schwingt sich wieder auf ihr Rad und fährt davon. ddp

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