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Medien & TV Anzeigenstorno wegen Nazi-Schund
Nachrichten Medien & TV Anzeigenstorno wegen Nazi-Schund
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18:23 16.04.2009
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Von Karina Scholz

Berlin. Per Mausklick Mitglied werden darf nur, wer „Nationalist“ ist oder für den „Kameradschaft mehr ist als ein Wort“: Im Internet breiten sich Neonazis verstärkt in sozialen Netzwerken aus. Besonders leicht werde es den Rechtsextremen beim amerikanischen Portal Facebook gemacht, warnte die Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel am Donnerstag in Berlin. Facebook müsse Verantwortung zeigen und umgehend alle rechtsextremen Profile und Benutzergruppen löschen.

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Deutsche Seiten wie StudiVZ oder das Videoportal YouTube gingen inzwischen konsequent gegen rechtsextreme Inhalte vor, lobte Drohsel. Auch der deutsche Ableger des amerikanischen Portals Facebook solle nachziehen, forderte sie. Hier hätten Neonazis noch immer leichtes Spiel, ihre Propaganda auszubreiten.

Die Telekom bestätigte am Donnerstag die Sorge der Jusos, indem sie ihre Werbung auf den Facebook-Seiten „mit sofortiger Wirkung“ einstelle, teilte der Berliner Internetradiosender multicult2.0 mit. Recherchen des Senders hätten ergeben, dass bei Facebook eine Fülle von Nazi-Propaganda existiere und entsprechende Seiten unter anderem auf Werbung der Telekom verwiesen.

Auch das Internetportal jugendschutz.net, eine Einrichtung der Bundesländer, die jugendgefährdenden Inhalten im Netz nachgeht, liefert Zahlen, die für eine große Verbreitung rechtsextremer Inhalte im Internet sprechen. Jährlich registriert die Stelle etwa 1500 rechtsextreme Angebote im Internet, die Tendenz sei steigend, heißt es auf der Seite des Portals.

Der Computerexperte Jürgen Kuri, stellvertretender Chefredakteur des Magazins c’t, warnte, es sei wahrscheinlicher, im Netz über rechte Propaganda zu stolpern, als über Kinderpornographie. Neonazis hätten in den vergangenen Jahren verstärkt das Internet als Kommunikationsplattform für sich entdeckt, dazu gehörten auch soziale Netzwerke. Je nachdem, wie offen oder verdeckt kommuniziert werde, stellten diese Gruppen auch eine Gefahr für Jugendliche dar, sagte Kuri. Diesen Trend hätten die Landeskriminalämter bereits wahrgenommen und darauf reagiert. Dennoch gelte es, das technische Wissen der Ermittler stetig zu erweitern und in der Verfolgung rechter Kriminalität im Internet nicht nachzulassen.

Der deutsche Netzwerk-Betreiber studiVZ sieht sich im Kampf gegen Rechts gut gerüstet. „Inhalte dieser Art sind für uns als Betreiber selbstverständlich vollkommen inakzeptabel, nicht erlaubt und werden gelöscht, sobald wir Kenntnis darüber erlangen“, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. Gemeinsam mit anderen Betreibern sozialer Netzwerke in Deutschland und der Freiwilligen Selbstkontrolle der Multimedia-Diensteanbieter (FSM) habe StudiVZ sogar einen neuen Verhaltenskodex initiiert, um branchenweit noch erfolgreicher gegen verbotene Inhalte vorgehen zu können.

Dass offensichtlich rechtsextreme und verfassungsfeindliche Inhalte gelöscht werden, stellt den deutschen Betreibern allem Anschein nach kaum einer in Abrede. Trotzdem finden sich bei einer Suche im StudiVZ-Ableger MeinVZ beliebig viele Anspielungen rechtsextremer Art, etwa leicht entfremdete Bilder neonazistischer Symbole oder neu gegründete Gruppen mit rechter Orientierung. Benutzernamen wie „Steinarbraut H.J“ oder Foren namens „Nationaler Widerstand“ sind keine Seltenheit.

Juso-Chefin Drohsel mahnt angesichts solcher Inhalte: „Der Kampf gegen Rechts darf sich nicht in gelegentlichen Sonntagsreden erschöpfen. Er muss verstetigt werden.“