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Medien & TV Alleskönner? Jauch wider Lobhudelei
Nachrichten Medien & TV Alleskönner? Jauch wider Lobhudelei
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06:17 12.05.2012
Von Sebastian Scherer
Günther Jauch
Günther Jauch Quelle: Christel Köster
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Berlin

Neben ihm ARD-Kollegin Astrid Frohloff, die Jauch vor Hunderten Medienschaffenden möglichst viel entlocken soll. Und lobhudelt. Der beliebteste Deutsche sei Jauch bekanntlich, Jahrzehnte Karriere ohne „Blessuren und Abstürze“, Volks-Wunschkandidat für sämtliche wichtigen Posten. Fast schmerzhaft verzieht der Potsdamer das Gesicht.

„Diese Umfragen sind nervig. Ich wurde auch mal zum intelligentesten Deutschen gewählt. Wie intelligent solche Umfragen sind, zeigt, dass Gerhard Schröder Zweiter wurde.“ Wumms. Marschrichtung vorgegeben. Jauch redet hier zwar über Jauch. Aber nicht über Jauch, den Großen. Auch wenn sein Name, hätte seine Großmutter nicht geheiratet, durchaus adelig klänge – Günther von Othegraven. Der Name lebt mithilfe seines Weinguts in Potsdam weiter.

Trotz Jauchs Abwehrhaltung kann er sich von der Rolle als Alleskönner nicht lossagen. 20 Jahre Stern TV – „ich wollte ein journalistisches Format von RTL, nicht als Clown eingekauft werden“. 1000 Sendungen „Wer wird Millionär?“ – „2000 werden es wohl nicht, das dauert ja sonst nochmal acht, neun Jahre.“ ARD-Talkshow auf dem Premiumplatz nach dem Tatort – „das wollte ich schon lange.“

Gerade die Talkshow hat vergangenen Sonntag die Sympathisanten Jauchs mal wieder bestätigt. Als ein Student die Sendung störte, überwältigten ihn Sicherheitsleute, wollten ihn herausbringen. Der Moderator verlangte, dass er bleibt. „Das waren Bilder, die ich aus der Ukraine, Weißrussland kenne.“ Dennoch: „Die Sicherheitsleute haben im Nachhinein ihren Job gemacht, völlig richtig.“

Jauch, dessen Urururur-Opa die Geburtsurkunde von Karl Marx unterzeichnete, hat das mit Jobs generell nicht mehr so nötig. Von Frohloff „Multimillionär“ genannt, unterbricht er zwar mit einem entsetzten „Waaaas?“, betont aber, dass er auch nicht widersprochen habe. Das Publikum lacht trotzdem über diesen reichen Mann, der da im Stuhl sitzt wie der freundliche Bankkaufmann von nebenan, dem man die Bescheidenheit abnimmt. „Finanziell unabhängig“ ist seine Wortwahl. „Bei Vertragsverhandlungen werden die Leute aschfahl. Aber ich gebe dann auch erstmal Ruhe und will nicht jedes Jahr mehr.“

Die Rente mit 67 hält Jauch für „richtig, irgendwann muss man wohl über 70 sprechen.“ Er selbst sieht aber „moralisch keinen Zwang“, solange aktiv zu bleiben, sollte er keine Lust mehr haben. Er kann es sich leisten.

Bleibt die Frage, ob Jauch der bei der Veranstaltung beschworene „Alleskönner“ ist. „Ich verstehe meine Strom- und Gasrechnung nicht.“ Handwerken kann er auch nicht. Und seine Familie vom Mythos Jauch überzeugen. „Meine jüngste Tochter schaute auf das Plakat und sagte: Stimmt doch gar nicht“. Man muss ja auch nicht alles können.