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19:05 06.07.2009
„Diese 1600 Jahre alte Handschrift stößt das Fenster zur Entwicklungsgeschichte der frühen Christenheit auf". Quelle: Leon Neal/AFP
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Experten aus Deutschland, Großbritannien, aus Russland und Ägypten haben dazu in ihren Ländern befindliche Blätter des aus dem vierten Jahrhundert stammenden Codex Sinaiticus zusammengebracht und nach vier Jahren Vorbereitung nun vollständig im Internet veröffentlicht, wie die British Library in London mitteilte, die ebenso wie die Universitätsbibliothek Leipzig an dem Projekt beteiligt ist. „Der Codex Sinaiticus ist einer der großen Schrift-Schätze der Welt“, sagte der Leiter der Abteilung Westliche Manuskripte der British Library, Scot McKendrick.

„Diese 1600 Jahre alte Handschrift stößt das Fenster zur Entwicklungsgeschichte der frühen Christenheit auf und ist ein Beweis aus erster Hand, wie der Text der Bibel von Generation zu Generation weitergegeben wurde.“ Das ursprünglich deutlich dickere Buch wurde Experten zufolge zur Zeit Konstantin des Großen von mehreren Schreibern niedergeschrieben. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Bibel immer wieder überarbeitet und korrigiert. Bevor es im 19. Jahrhundert von einem deutschen Wissenschaftler entdeckt und Teile dem russischen Zarenhof ausgehändigt wurden, lag das Buch in einem Kloster auf dem Sinai verwahrt. Die Briten kauften große Teile der Bibel in den 1930er Jahren von der Sowjetunion.

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David Parker von der Universität Birmingham, dessen Team für die elektronische Umsetzung des Projektes zuständig war, sagte, einige Bibelseiten seien in sehr schlechtem Zustand gewesen. „Der Prozess des Entzifferns und Transkribierens der empfindlichen Seiten eines altertümlichen Textes mit mehr als 650.000 Wörtern war eine riesige Herausforderung, die uns fast vier Jahre gekostet hat“, betonte Parker. Die auf der Internetseite www.codexsinaiticus.org präsentierten Digitalbilder des Manuskripts aber zeigten den Lesern jetzt die Schönheit des Originals. Manchmal lasse sich sogar genau erkennen, wann verschiedene Schreiber einander abgelöst hätten.

Teile des Online-Projektes waren schon seit knapp einem Jahr online zugänglich. Jetzt präsentierten die Unibibliothek Leipzig, die British Library, das Katharinenkloster auf dem Sinai und die Russische Nationalbibliothek St. Petersburg aber die komplette Online-Präsentation. Die Leipziger Unibibliothek betonte, eine Besonderheit des Codex Sinaiticus sei, dass er das Neue Testament noch vollständig enthalte; Teile des Alten Testaments gingen demnach über die Jahrhunderte verloren.

AFP